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Braunauer Warte am Inn

Kritik an Hundezüchter: "Sind nur Vermehrer"

Von Magdalena Lagetar   29. Januar 2015 00:04 Uhr

Kritik an Hundezüchter: "Sind nur Vermehrer"
Hunde sind die besten Freunde des Menschen – ein Kauf sollte wohl überlegt werden.

Hunde-Besitzerinnen erheben schwere Vorwürfe gegen Züchter aus dem Bezirk: "Anschuldigungen sind falsch".

"Am Anfang wirkte alles so seriös", sagt Nadine G. über eine Hundezucht im Bezirk Braunau. Im Internet sei sie auf die Adresse gestoßen, die Preise waren ihrer Meinung nach für eine gute Qualität angemessen, das erste Telefonat und Treffen verliefen positiv. "Wir sind mit zwei neuen Familienmitgliedern im Gepäck nach Hause gefahren", schildert sie. Dort angekommen, entdeckte sie die offene Fontanelle am Kopf eines ihrer Hunde. Nach dem Besuch beim Tierarzt wurden neben einem bereits attestierten Nabelbruch auch ein schwaches Immunsystem und eine starke Gastritis diagnostiziert.

"Der Hund hat sich bis zu acht Mal am Tag übergeben", schildert die Betroffene. Nach einer Antibiotika-Kur und Schonkost geht es dem Tier wieder gut. Auch eine auffällige Patella (Anmerkung: Kniescheibe) wurde entdeckt. Der zweite Hund hat Schlappohren, die nicht dem typischen Aussehen eines reinrassigen Hundes dieser Sorte entsprechen.

Zu kurzes Unterkiefer

Nadine G. recherchierte im Internet und stieß auf weitere Betroffene. Eine ist Sarah W. Sie hatte sich den Hund von dem Züchter nach Hause liefern lassen. "Als ich ihn gesehen habe, wurde mir ganz anders. Meine kleine Hündin wurde in einer Katzen-Transportbox aus dem Kofferraum geholt. In der Box war keine Decke, sie musste mehr als drei Stunden auf Zeitungspapier im Kofferraum eines Kombis verbringen, gezittert hat sie erbärmlich", erinnert sich die Besitzerin. Nach einem Tierarztbesuch wurde ebenfalls eine offene Fontanelle festgestellt, zudem ein zu kurzes Unterkiefer. Auch seien Impfangaben falsch ausgestellt worden. Die zweite Besitzerin erzählt von einem Attest, das besagt, der Hund sei kastriert, was offensichtlich nicht stimme.

Beide bekamen beim Kauf ihrer Hunde ein Attest eines Tierarztes. Betroffener Tierarzt möchte sich auf Anfrage der Braunauer Warte nicht zu der Causa äußern und beruft sich auf das Arztgeheimnis. Offene Fontanellen seien aber für junge Hunde dieser Rasse nicht ungewöhnlich, sie schließen sich in vielen Fällen erst später.

"Die Anschuldigungen sind falsch", reagiert der Züchter auf die Anschuldigungen. Er betreibt die Zucht mit seiner Frau. "Jeder unserer Hunde wird mit einem ärztlichen Attest verkauft, weil wir ja auch haftbar sind und uns damit selbst schützen wollen", betont er.

Schon in der Vergangenheit habe er mit falschen Anschuldigungen zu tun gehabt. "Oft hat sich der Käufer falsch entschieden oder nicht genug informiert", sagt er. An Züchter verkaufen sie aufgrund schlechter Erfahrung auch nicht mehr. "Sie wissen dann oft zu wenig über die Hunde, glauben, sie verdienen sich nebenbei was dazu und wenn das nicht so klappt, dann wollen sie den Hund zurückgeben oder das Geld zurück", sagt er. Auch sollen Dritte mit den Bildern ihrer Hunde im Internet viel Schaden anrichten. "Wir bekommen oft Beschwerden von Käufern, die wir gar nicht kennen", berichtet der Züchter. Er lehnt knapp ein Drittel der Kaufanfragen ab. "Wenn wir das Gefühl haben, die Entscheidung ist nicht gut durchdacht oder wenn uns das Gegenüber unsympathisch ist, dann ist er das bestimmt auch zu unseren Hunden und so einem geben wir keinen Hund", zählt er auf, welche Ausschlusskriterien für Käufer er hat.

Streit um Ahnentafeln

Beide Besitzerinnen mussten beim Züchter nach eigenen Angaben mehrmals nach einer Ahnentafel fragen, die ihnen per Post nachgeschickt werden sollte. Bei Sarah W. kam diese auch an. "In der Ahnentafel sind Rechtschreibfehler, den Verein unter dem sie angeblich züchten, gibt es seit 2007 nicht mehr", erzählt sie.

Nadine G. hat ihre Ahnentafel noch immer nicht erhalten. "Erst nach dem elften Anruf ging der Hundezüchter ran, er sagte ich solle ihm die Chipnummer per Mail schicken, da er die Hunde sonst nicht identifizieren kann", so die Käuferin. Nach einigen Wochen habe sie noch einmal nachgerufen, die Mail sei verloren gegangen, hieß es. Nadine G. wird deshalb einen Anwalt einschalten, schließlich kostet so ein Hund rund eintausend Euro. "Bis die Ahnentafel fertig ist, dauert es einfach länger. Wir züchten nicht für einen Verband, sondern haben eine eigenen Plattform. Und jede Ahnentafel kann mittels DNA-Probe nachgeprüft werden", argumentiert hingegen der Züchter.

Zurückgeben werden die Besitzerinnen ihre neuen Haustiere aber keinesfalls, schließlich haben sie sie schon ins Herz geschlossen. "Ich will nur, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Ich kann sie nicht mehr Züchter nennen, sondern eigentlich nur Vermehrer", sagt Nadine G. Sie hat sich schon an eine Tierschutzorganisation gewandt.

Widersprüchlich sind die Meldedaten der Züchter. Nach eigenen Angaben ist ihre Zucht in Braunau gemeldet. Amtstierarzt Josef Stöger ist dies nicht bekannt, er verweist auf den Amtstierarzt in Grieskirchen. Dortige Anfragen blieben bisher ergebnislos.

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