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Braunauer Warte am Inn

Eberhartinger im Interview: „Da schaust hin und sagst scheiße“

Von Von Marina Huber   12. Mai 2010 00:04 Uhr

„Da schaust hin und sagst scheiße“
„In Braunau habe ich schon eine gesunde Jugend gehabt“, sagt EAV-Frontmann und TV-Moderator Klaus Eberhartinger.

GERETSBERG. Klaus Eberhartinger ist seit Montag OÖ-Nachrichten Mostdipfpreisträger. Am Wochenende gab er mit seiner EAV ein Konzert beim Landjugendfest in Geretsberg. Die Braunauer Warte hat ihn dort getroffen.

Warte: Sie wissen es vermutlich noch nicht, aber Sie befinden sich gerade in der Vorzeigeregion Österreichs. Kennen Sie die Gegend noch von früher?

Eberhartinger: Ja, freilich. Die Moorseen zum Beispiel.

Warte: Wie läuft es mit der Helden-Tour?

Eberhartinger: Wir spielen heute nicht die Helden-Tour, sondern ein Best of. Die Tour ist sehr gut gelaufen. Die letzte Veranstaltung in der Wiener Stadthalle war ein Traum.

Warte: Wird es nochmals eine Helden-Tour geben?

Eberhartinger: Ja natürlich, im Herbst.

Warte: Sie spielen heute auf einem Landjugendfest. War die Landjugend zu Ihrer Zeit auch ein Thema?

Eberhartinger: Naja, es gab immer Jugend auf dem Lande. Landjugend als organisierter Verein, ist mir nicht so bekannt. Hat es sicher gegeben, aber ich war kein Teil davon.

Warte: Sie sind in Braunau aufgewachsen. Verbinden Sie das Konzert mit Verwandtschaftsbesuchen?

Eberhartinger: Ich habe keine Verwandten mehr in Braunau. Meine Schwester und meine Mutter sind nach Bayern gezogen. Meine Mutter ist vor drei Jahren verstorben, meine Schwester ist noch in Bayern und da wohne ich auch zum Großteil.

Warte: Sie werden manchmal kritisiert, weil Sie sich über Braunau lustig machen.

Eberhartinger: Ich mache mich überhaupt nicht lustig über Braunau. In dem einen oder anderen Interview gebe ich eine Jugenderinnerung preis. Nämlich, dass es vorm Geburtshaus von Adolf Hitler immer wieder Kranzniederlegungen gegeben hat. Leute, die sich darüber aufregen, hören das nicht gerne. Das war halt in meiner Jugend so. Es haben da schon noch etliche Veranstaltungen der ewig Gestrigen stattgefunden. Ich bin Braunau dankbar, weil ich mit dem Thema früh konfrontiert worden bin. Ich hatte im Braunauer Gymnasium einen tollen Geschichtslehrer, der uns das von der anderen Seite ganz schnell erklärt hat. Da war völlig klar, da brauchst nicht ideologisch denken, da schaust hin und sagst scheiße.

Warte: Bleiben wir noch in Braunau. Haben Sie den Film von und mit Josef Hader „Der Aufschneider“ gesehen?

Eberhartinger: Nein, leider noch nicht.

Warte: In einer Szene wurden die Braunauer als gefühlskalt bezeichnet. Sind wir das?

Eberhartinger: Ich kann mir vorstellen, dass hier Braunau als Synonym für Hitler gebraucht wurde. Das ist leider immer wieder so. Wobei, Hitler ist ja nicht in Braunau sozialisiert worden, wie wir alle wissen. Aufgewachsen ist er ja ganz wo anders, gefühlskalt wurde er eher in Wien und hat dann in Deutschland seinen Größenwahn bekommen. Bei uns ist er nichts geworden. Karriere hat er in Deutschland gemacht.

Warte: Gefühlskalt geht gar nicht, denn wir haben drei bekannte Tänzer in Braunau, Zaglmaier, Kuntner und Sie.

Eberhartinger: Tanzen hat mit gefühlskalt nichts zu tun. Nein, also Braunau habe ich in bester Erinnerung. Ich habe eine tolle Jugend verbracht. Da war viel Natur, Freundschaften, Banden, Rauferein, erste Liebschaft – es war alles da.

Warte: Tanzen Sie eigentlich noch?

Eberhartinger: Nein, nur ab und zu gehe ich in ein Salsalokal und versuche mich da mit Grundschritten in Salsa.

Warte: Sie können es aber noch, oder?

Eberhartinger: Ich habe vorher nicht getanzt und ich bin durch die Show kein Tanzmeister geworden. Ich habe alle Veranstaltungen abgelehnt, bei denen ich mit Kelly als Highlight vortanzen hätte sollen. Das haben andere von Dancing Stars gemacht, ich nicht. Ich bin kein Tänzer, ich mache mich nicht zum Deppen.

Warte: Das hat aber professionell ausgesehen.

Eberhartinger: Naja, du lernst für eineinhalb Minuten eine Choreographie zu der Musik mit der Tänzerin und aus. Du lernst da nicht wirklich tanzen. Die Ergebnisse schauen schon gut aus. Das Blöffen funktioniert.

Warte: In Neue Helden rechnen Sie ordentlich mit Fernsehköchen, Castingshows und Szene-Tussis ab.

Eberhartinger: Gar nicht. Wir kritisieren, dass bei uns der mediale Bereich nur mehr noch von der Quote bestimmt ist. Und dass das nicht unbedingt Indizien für Qualität sind, wissen wir alle. Das ist das alte Beispiel von Scheiße und Fliegen. Für uns stehen die falschen Leute im Scheinwerferlicht der Berichterstattung, die zu falschen Vorbildern mutieren. Ein paar leben ausschließlich davon, bekannt zu sein. Paris Hilton zum Beispiel, die in ihrem Leben noch nie etwas geleistet hat.

Warte: Was schauen Sie denn im Fernsehen?

Eberhartinger: Ich schaue gerne die amerikanischen Comedyserien. Scrubs, Malcolm mittendrin, Simpsons, sowie politische Sendungen und Dokumentationen. Auch Universum gefällt mir gut, ebenso ein guter Krimi.

Warte: Sie sind wahrscheinlich Tatort-Fan.

Eberhartinger: Ja, manchmal. Am Abend gibt es eh Krimis zum Saufüttern, CSI Miami, Chicago, Criminal Intent usw., das interessiert mich eigentlich alles schon langsam nicht mehr.

Warte: Wenn Sie so kritisch sind, wo ordnen Sie dann Dancing-Stars ein?

Eberhartinger: Dancing Stars ist eine Unterhaltungsshow. Der Unterhaltungswert liegt darin, dass Profis mit Promis etwas üben, was sie nicht können und wofür sie nicht prominent sind. Man sieht sie leiden, stolpern, scheitern. Das ist eine ähnliche Geschichte wie die Sensationsberichterstattung, nur ehrlicher und gerader. Man muss auch dafür etwas leisten. Sogar der Übergewichtige oder Ältere muss trainieren, bis ihm die Schwarteln krochen.

Warte: Sie haben kürzlich die Romy moderiert. Sind Sie lieber TV-Moderator oder EAV-Frontmann?

Eberhartinger: EAV-Frontmann ist meine Heimat, TV-Moderator ist Neuland, aber auch nicht mehr neu. Das macht mir schon sehr viel Spaß. Die Romy war eine unglaubliche Aufgabe, ich habe in zwei Tagen fünf Drehbücher bekommen und die Highlights sind dann nicht da. Ich war nur Präsentator, es war keine einfache oder nur lustige Aufgabe. Als Preis ist die Romy sehr wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass man die Veranstaltung selber einer Reform unterzieht.

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