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Innviertel

Bei der SV Ried gibt es noch einige offene Baustellen

Von Thomas Streif 19. September 2019 20:32 Uhr

Bei der SV Ried gibt es noch einige offene Baustellen
Trainer Gerald Baumgartner und sein Assistent Andreas Heraf können mit der aktuellen Saison nicht zufrieden sein.

RIED. Im OÖ-Derby am Freitag gegen den FC Juniors OÖ erwarten die Fans der SV Guntamatic Ried endlich eine klare Leistungssteigerung. Wir haben die aktuelle sportliche Situation analysiert.

Vor dem Oberösterreich-Derby am Freitag (19.10 Uhr) gegen den FC Juniors Oberösterreich steht die SV Guntamatic Ried nach dem mehr als durchwachsenen Saisonstart unter Druck. Was sind die Gründe für die aktuelle sportliche Situation? Wir haben die Lage analysiert.

Saisonstart: Elf Punkte aus sieben Spielen, das ist für die Ansprüche der SV Ried viel zu wenig. Wenn man ernsthaft erneut um den Titel mitspielen möchte, ist eine wesentliche Leistungssteigerung erforderlich. Die Darbietung beim 0:0 vergangene Woche gegen die Young Violets, die in den sechs Spielen zuvor keinen einzigen Punkt geholt hatten, gibt Anlass zur Sorge. Obwohl man über weite Strecken des Spiels einen Mann mehr auf dem Platz hatte, fehlte den Riedern jegliche Kreativität im Offensivspiel. Man mag zwar meinen, dass "erst" sieben Spiele absolviert sind, aber bei einer Saisonlänge von lediglich 30 Partien ist das fast ein Viertel. Dass Mannschaften wie Blau-Weiß Linz, GAK, Vorwärts Steyr, Horn und der FAC derzeit vor den Riedern liegen, muss Warnung genug sein.

Trainer und Kaderzusammenstellung: Gerald Baumgartner, der zugleich Sportdirektor ist, hat, seit er in Ried das sportliche Sagen hat, lediglich drei von 22 Ligaspielen verloren. Das ist mehr als beachtlich, das große sportliche Ziel, der Aufstieg, wurde aber in der vergangenen Saison trotzdem nicht erreicht. Leistungsträger und Stammspieler wie Lukas Grgic, Darijo Pecirep, Patrik Eler oder Mario Kröpfl (ist noch immer vereinslos) haben den Verein verlassen. Die Neuzugänge, abgesehen von Stürmer Jefté Betancor, haben bisher noch nicht überzeugt, im Gegenteil: Stefan Nutz, der von Bundesligist Altach nach Ried wechselte, konnte sich bisher nur wenig in Szene setzen. Spielern, wie die bisher wenig überzeugenden Mario Vojkovic, Valentin Grubeck oder Canillas, fehlt es (bisher) an Durchschlagskraft. Für den Kader ist der Sportdirektor, also Gerald Baumgartner, verantwortlich. Dass dann auch noch der kurz vor Ende der Transferperiode als sogenannter "Kooperationsspieler" verpflichtete Kelvin Arase von Rapid bereits nach zwei Spielen wieder zurück nach Wien beordert wurde, passt da, auch wenn die SV Ried nichts für das Verletzungspech bei Rapid kann, irgendwie ins Bild. Grundsätzlich ist diese Regelung mit den Kooperationsspielern allgemein zu hinterfragen. Dass die finanziellen Voraussetzungen für den Trainer und Sportdirektor Baumgartner aufgrund diverser Transferaktivitäten der vergangenen Jahre für die aktuelle Kaderplanung sicher nicht optimal waren, steht freilich außer Zweifel.

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Mannschaft: Gefordert sind in den kommenden Begegnungen vor allem die Spieler. Wenn man den Anspruch stellt, zurück in die Bundesliga zu wollen, sollte man auch dementsprechend auftreten und gegen die kampfstarken Gegner in dieser Liga voll dagegenhalten. Hinzu kommt, dass die beiden Shooting-Stars der Frühjahrssaison noch nicht voll zur Geltung kommen. Ante Bajic fällt noch länger verletzt aus, Marco Grüll konnte sich bisher noch nicht so gut wie noch vor einigen Monaten in Szene setzen.

Druck: Seit 14 Spielen und mehr als einem Jahr ist die SV Ried auswärts bereits ohne Niederlage. In diesem Zeitraum haben die Innviertler daheim bereits vier Spiele verloren. Im eigenen Stadion tut sich die Mannschaft oft schwerer, weil die Gegner noch defensiver agieren, dazu kommt die hohe Erwartungshaltung der eigenen Fans. Um weiterhin einen hohen Zuschauerschnitt zu haben, ist es wichtig, im Titelrennen mitzumischen. Der Druck wird in den kommenden vier Spielen – allesamt OÖ-Derbys – sicher nicht weniger.

Umfeld: Nach der sehr starken Rückrunde in der vergangenen Saison herrschte trotz des erneuten Nicht-Aufstiegs im Mai eine Aufbruchsstimmung in der Josko-Arena. Davon ist im September nicht mehr viel zu spüren, zu dürftig waren die bisherigen Auftritte der Rieder. Die Heimniederlagen gegen Klagenfurt und den GAK waren der Stimmung – wenig überraschend – nicht förderlich. Sollte es heute Abend gegen die Juniors OÖ wieder nicht mit einem Heimsieg klappen, könnte es in Ried – wieder einmal – ungemütlich werden. Die Geduld der Fans scheint nach den zuletzt mäßigen Leistungen ziemlich überstrapaziert zu sein. Neben den fehlenden Ergebnissen wird auch die Art und Weise, wie die SVR zuletzt spielerisch auftrat, kritisiert.

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Vorstand und Prognose: Noch ist es auf Vorstandsebene ruhig. Es gibt auch noch keinen Grund für irgendwelche Schnellschüsse. Schließlich beträgt der Vorsprung des Tabellenführers Austria Klagenfurt auf die SV Ried derzeit nur vier Punkte. Zudem ist Austria Lustenau, ein weiterer Titelfavorit, mit acht Punkten noch schlechter als die Rieder gestartet. Es ist also überhaupt noch nichts verloren, aber ohne eine drastische und vor allem rasche Leistungssteigerung der Innviertler wird das Thema Aufstieg zu Weihnachten mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Thema mehr sein. Mit jedem Jahr, das die Rieder in der zweiten Liga "festhängen", rückt der Aufstieg in noch weitere Ferne. Davon, dass der Verein vom Umfeld, den Fans und der Infrastruktur her zweifellos in die Bundesliga gehören würde, kann man sich auf Dauer nichts kaufen. Wünschenswert wäre auch, wenn in Zukunft wieder vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung zu den Profis schaffen. In den vergangenen Jahren schafften das nicht viele. Die Voraussetzungen mit den ambitionierten Jungen Wikingern, die sich in der Regionalliga bisher gut präsentieren, sind durchaus gegeben. 

Artikel von

Thomas Streif

Lokalredakteur Innviertel

Thomas Streif
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