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"Neu-Investitionen in Österreich wären fahrlässig"

BRAUNAU. Schirm-Doppler-Geschäftsführer Hermann Würflingsdobler bekennt sich zum Standort, übt aber deutliche Kritik.

"Neu-Investitionen in Österreich wären fahrlässig"

Mit Fernbedienung und Solarantrieb ist der neue Gartenschirm "Solmotion" ganz leicht zu öffnen: Produktmanager Herbert Forthuber und Chef Hermann Würflingsdobler (r.) sind stolz auf die Innovation. Bild: (Doppler/Leitner)

Hermann Würflingsdobler macht Pläne, um beim erhofften Wirtschaftsaufschwung den aktuellen Firmenstandort von "Doppler" in der Nähe von Budweis um ein Logistikzentrum zu erweitern. Am Standort Braunau werden gerade die ersten Freiarm-Sonnenschirme mit Solarantrieb gebaut. Aber größere Investitionen würden Unternehmer in Österreich derzeit nicht anpacken. Er kritisiert die Politik im Land.

 

Was planen Sie in Tschechien?

Würflingsdobler: Wir produzieren in Tschechien seit mehr als 20 Jahren Sitzauflagen – im eigenen Betrieb. Auch wird von diesem Standort Nähe Budweis der Vertrieb für Tschechien und Polen durchgeführt. Es wird sicher keine Verlagerung der Produktion von Österreich geben.

Wohin exportieren Sie?

Unsere Heimmärkte sind Österreich und Deutschland. Es sind 40 Länder, in die wir exportieren, hauptsächlich Osteuropa und Asien. Hauptland war Russland, da leiden wir – offen gesagt – unter der dortigen Wirtschaftskrise, verstärkt durch die unsinnigen Sanktionen der EU gegen Russland.

Sie haben vor 17 Jahren das Werk in Ranshofen neu gebaut. Würden Sie das jetzt auch tun?

Angesichts der Rahmenbedingungen in Österreich erscheint mir eine Investition hier im Moment als fahrlässig. In den vergangenen Monaten und Jahren sind die Bedingungen schlechter geworden.

Inwiefern?

Die Ermessensspielräume der Vollzugsorgane von Finanz und Sozialversicherung werden immer geringer. Früher gab es ein Grundvertrauen eines Prüfers, es wurde einem nicht sofort Ungesetzliches unterstellt. Jetzt wird man unter Generalverdacht gestellt. Das ist eine atmosphärische Sache. Unter diesen Rahmenbedingungen haben wir keine Lust, hier zu investieren.

Hatten Sie ein konkretes Erlebnis in diesem Zusammenhang?

Bei einer Zollprüfung wurde uns Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Es ging um etwa eine Million Euro. Wir haben alles vorschriftsgemäß bezahlt, auf den Cent genau und es war alles belegbar. Der Vorwurf lautete, dass wir die Beträge wenige Tage zu spät gemeldet haben, es hätte alles unverzüglich gemeldet werden müssen. Wir bekommen tausend Container pro Jahr aus Fernost, die Lieferung erfolgt mitunter nicht auf einmal, sondern innerhalb von wenigen Tagen. Für die Zahlung hatten wir 14 Tage Zeit und die Frist auch eingehalten. Weil wir die Lieferung erst nach ein bis drei Tagen gemeldet haben, mussten wir den Betrag plus Verzugszinsen nochmals zahlen. Obwohl dem Staat kein Cent entgangen war. Der Wahnsinn ist, dass wir, wenn wir unverzüglich gemeldet hätten, auch exakt den selben Betrag zu bezahlen gehabt hätten. Trotzdem mussten wir innerhalb von zwei Wochen den Betrag ein zweites Mal zahlen. Es ist mehreren namhaften Firmen so gegangen. Wir haben das beeinsprucht und bekämpft. Nach einem halben Jahr haben wir wenigstens den doppelt bezahlten Betrag zurückbekommen, nicht aber die Zinsen.

Aber Sie kritisieren die aktuelle Wirtschaftspolitik scharf.

Nach wie vor herrscht die Regelungswut. Egal, ob auf EU-Ebene oder national. Unverständlich ist die Ungleichheit zwischen Berufsgruppen: Warum müssen Beamte eine wesentlich höhere Pension oder bezahlte Pausen erhalten, trotz Sicherheit des Arbeitsplatzes? Die Zeche zahlen alle. Das Unsinnigste sind starre Arbeitszeitbestimmungen, unabhängig von Berufen.

Welche Veränderung wünschen Sie sich am dringendsten?

Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Zehn Stunden Maximalarbeitszeit täglich hat vielleicht in der Schwerindustrie Sinn. Wir sind aber ein Textilbetrieb, noch dazu mit Saisonschwerpunkten. Die Gartenschirme brauchen unsere Kunden, wenn es schön wird, und nur dann. Am besten sofort. Das verstehen die Mitarbeiter sehr wohl. Politiker und Funktionäre anscheinend nicht. Eine Flexibilisierung in der Firma, dass vorübergehend bis zu zwölf Stunden maximal gearbeitet werden kann (zumindest auf freiwilliger Basis), würde Arbeitsplätze und den Standort sichern. Ältere Arbeitnehmer und Mütter sollen ausgenommen werden. Oder die Pausenregelung: Die verpflichtende halbe Stunde nach sechs Arbeitsstunden ergibt Probleme. Wenn man zum Beispiel am Freitag mit einer zehnminütigen Pause sechseinhalb Stunden arbeiten möchte, wird man straffällig. Niemand mag eine halbe Stunde Pause machen, um dann nur noch eine Stunde zu arbeiten. Da gehen die Leute nach sechs Stunden heim.

Finden Sie auch noch Positives am Standort Österreich?

Ich bin froh, dass wir hier investiert haben, hier ist unser Zuhause, unser Ursprung, unser Stammsitz. Der Erfolg unseres Unternehmens ist unseren jahrzehntelang treuen und fleißigen Mitarbeitern geschuldet. Die positive Standort- und Steuerpolitik, die am Beginn des neuen Jahrtausends spürbar war, wird leider gerade aufgeweicht. Das macht es nicht einfacher.

Sind die mittelständischen Unternehmen stärker betroffen als die großen?

Wir werden nicht so gehört wie ein Unternehmen, das tausend oder mehr Leute beschäftigt. Überregional werden wir nicht so wahrgenommen. Drum ist es gut, wenn Leitbetriebe aufbegehren. Österreich ist leider nicht mehr auf der Überholspur, das sagen auch Unternehmer aus Deutschland und der Schweiz.

 

 

Daten und Geschichte

Hermann Würflingsdobler (54) führt mit seiner Frau Margit den Familienbetrieb in dritter Generation, gegründet wurde die Schirmfabrik 1946 von seinem Großvater, ausgebaut von seinen Eltern, der Vater ist noch im Unternehmen tätig, auch Sohn Martin (30) hat bereits eine leitende Funktion.

Hauptsitz der Firma „doppler“ und der noch jungen Holding sind Braunau-Ranshofen, wesentliche Tochterfirmen in Simbach (Bayern), Tschechien, der Slowakei und Hongkong.

Am Standort Ranshofen sind 160 Mitarbeiter beschäftigt, insgesamt 240. Das Werk Ranshofen wurde 1999 errichtet und 2011 erweitert. Umsatz: rund 50 Millionen Euro.

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Artikel Monika Raschhofer 31. März 2016 - 02:15 Uhr
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