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Nach 20 Jahren Streit um Strom-Trasse kommt es zu den ersten Enteignungen

INNVIERTEL. 62 Grundeigentümer geben nicht nach und werden sich einer Sammelklage anschließen

Nach 20 Jahren Streit um Strom-Trasse kommt es zu den ersten Enteignungen

Karl Schilcher, Peterskirchen, ist einer von 62, die enteignet werden. Bild: privat

Seit 20 Jahren wird um die Trasse einer geplanten Stromleitung von Ried nach Raab gefeilscht. Mit der "Schutzgemeinschaft Innviertel" kämpft beinahe ebenso lange eine engagierte Gruppe von Gegnern gegen das Projekt der Netz OÖ (ein Unternehmen der Energie AG) an. Sie fordern eine Erdkabel-Leitung. Der Bau der Freileitung, die 2020 fertiggestellt werden soll, ist mittlerweile fix – nun kommt es im Grundablöseverfahren zu den ersten Enteigngungen (die OÖN haben berichtet).

62 Grundeigentümer, über deren Boden die 110 kV-Freileitung führen soll, haben dem Ablöseangebot der Netz OÖ nicht zugestimmt, sie werden nun in Einzelverfahren enteignet. Karl Schilcher (41) aus Peterskirchen war am vergangenen Montag einer der ersten, deren Fälle verhandelt wurden. "Es war bereits die dritte mündliche Verhandlungsrunde, diesmal ist es aber ernst geworden: Um 15.30 Uhr sind meine Frau und ich enteignet worden", schildert Karl Schilcher.

Rund 10.000 Quadratmeter seines Grundstückes muss er an die Netz OÖ für Dienstbarkeiten abtreten. "468 Laufmeter führt die Leitung über mein Grundstück, an einem Punkt 160 Meter neben meinem Hof", sagt Schilcher. Er befürchtet gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Leitung.

"Ich habe meine Bedenken in der Verhandlung geäußert, und als Antwort erhalten, dass ich Visionen habe und man mir ärztliche Behandlung empfiehlt – das hat weh getan. Mein Standpunkt interessiert offenbar niemanden", kritisiert der Peterskirchner.

Millionen-Forderungen

62 betroffene Grundbesitzer haben die Unterschrift zum Einverständnis der Ablöse ebenfalls verweigert. Sie alle – wie auch Karl Schilcher – wollen sich der Sammelklage anschließen, die von der Wiener Prozessfinanzierungs AG Advofin eingereicht wird. Sie wollen eine bessere Abgeltung ihrer wertgeminderten Grundstücke erreichen. Diese sei ihrer Ansicht nach derzeit zu gering. Jurist Gerhard Wüst ist zuversichtlich: "Wir sind überzeugt von unserem Erfolg."

Die Netz OÖ betont, dass man weiterhin auf Konsens ausgerichtet sei. Was die Höhe der Entschädigungen betrifft, verweist Pressesprecher Michael Frostel darauf, dass diese von Gutachtern festgelegt werden. Für den Bau der Leitung habe man jedenfalls bereits alle erforderlichen Bewilligungen.

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Artikel Roman Kloibhofer 08. November 2018 - 03:26 Uhr
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