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Innviertel

Kein Arzt zu finden: Spießrutenlauf nach Badeunfall

Von Dieter Seitl   02. August 2013

Kein Arzt zu finden: Nach Badeunfall Spießrutenlauf
Unfall gegen 16 Uhr, mehrere Stunden bis Behandlung.

INNVIERTEL. Erst in Linz wurde Bub mit ausgeschlagenen Zähnen behandelt.

Bei einem Sprung in einen Pool in Ort im Innkreis hatte sich der sechsjährige Julian am vergangenen Freitag gegen 16 Uhr zwei Vorderzähne ausgeschlagen. Es handelte sich „zum Glück“ um Milchzähne, die aber noch am „Zahnfleisch“ hingen – es blutete stark, so Julians Großmutter Monika Wiesner, die den Hausarzt verständigte.

Dieser habe sich auf Visite befunden und geraten, die Ambulanz des Krankenhauses Ried auszusuchen. Dort habe ein Arzt nach einer kurzen Begutachtung gesagt, dass dies ein Fall für einen Zahnarzt sei – ein entsprechender Spezialist sei an diesem Wochentag nicht im Haus.

„Eine sehr nette und hilfsbereite Dame am Ambulanz-Empfang versuchte telefonisch, Zahnärzte in Ried und Umgebung zu erreichen. Allerdings ohne Erfolg. Beim Notdienst lief nur ein Band.“ Die Familie entschied sich mangels Alternativen in der Umgebung – irgendwo im Bezirk Schärding hätte es zwar einen Notdienst gegeben – eine Zahnambulanz in Linz aufzusuchen, die sicher besetzt sei.

Zumal der eigene Hausarzt nach nochmaliger telefonischer Rücksprache dies empfohlen habe. „In Linz wurden Julian dann beide Zähne ganz gezogen. Es ging um Milchzähne, der Arzt dort beruhigte und meinte, das sei kein größeres Problem“, so Monika Wiesner.

Der Badeunfall ereignete sich gegen 16 Uhr, bis Julian behandelt und mit seinen Eltern wieder zu Hause war, war es 22 Uhr. „Es ist schon frustrierend, wenn sich niemand zuständig fühlt und man für das Ziehen zweier Milchzähne 90 Kilometer weit nach Linz fahren muss.“ Julian sei wohlauf. Der Ärger über den Spießrutenlauf bleibt. „Was ist, wenn ein gröberer Notfall eintritt? Oder wenn jemand nicht die Möglichkeit hat, nach Linz oder Salzburg zu fahren? Wird dann ein Rettungsauto oder der Hubschrauber verständigt? Meiner Meinung nach werden Einsparungen auf dem Rücken der Landbevölkerung ausgetragen. Vielleicht sollte die hohe Politik hier einmal auf den Grund gehen“, sagt Monika Wiesner.

Die Gebietskrankenkasse betonte zuletzt, dass das Innviertel im niedergelassenen Bereich nicht schlechter versorgt sei als vergleichbare Regionen – das Innviertel rangiere im „guten oberösterreichischen Durchschnitt“. Allerdings räumt die Kasse wie berichtet ein, dass die Zufriedenheit der Innviertler mit der Versorgungsdichte in der Region geringer ist als der Vergleichswert in anderen Regionen.

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