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Innviertler Firmen signalisieren Wien: "Asylwerber sind begehrte Lehrlinge!"

INNVIERTEL. In einem offenen Brief an Kanzler Sebastian Kurz werden Hausverstand und Augenmaß von Entscheidungsgremien gefordert. Unternehmer und ÖVP-Politiker Michael Großbötzl setzt sich für seinen afghanischen Lehrling ein.

Michael Großbötzl hat in seinem Unternehmen bereits dutzende Lehrlinge ausgebildet. Seit zweieinhalb Jahren lernt Ehsan Mohammed das Maler-Handwerk in Ried. Ihm droht die baldige Abschiebung Bild: Hotspot Innviertel

Aufgeschreckt von den in jüngster Zeit immer häufiger negativ ausgefallenen Asylbescheiden für junge Asylwerber haben die 180 Mitgliedsbetriebe und Mitgliedsorganisationen von Hot Spot! Innviertel einen offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz geschickt.

Im Schreiben machen sie deutlich, dass „Asylwerber begehrte Lehrlinge“ seien und dass man mit ihnen viele positive Erfahrungen gemacht habe. Des Weiteren merken sie an, dass es eigentlich eine klassische Win-win-Situation wäre, „doch derzeit nehmen aktuelle gesetzliche Regularien und Verordnungen scheinbar keine Rücksicht darauf. Die jungen Menschen wollen hier bleiben und wir, ihre Arbeitgeber, wollen das auch“.

Unter anderem werfen sich die Innviertler Unternehmer deshalb so für junge Asylwerber auf die Schienen, weil sie vielfach händeringend Arbeitskräfte suchen. „Es gibt einen Bedarf und es gäbe eine Lösung. Wir ersuchen die dafür zuständigen Entscheidungsgremien, mit Hausverstand und Augenmaß vorzugehen. Bereits jetzt sind etwa ein Viertel aller österreichischen Staatsbürger nicht in unserem Land geboren. Sie sind zentrale Säulen der österreichischen Wirtschaft“, heißt es in dem Schreiben weiter.

"Wichtiger Bestandteil für positive Entwicklung"

Das Innviertel könne seit dem Jahr 2000 das größte Wachstum Österreichs im sekundären Sektor, das heißt bei der Herstellung von Waren, vorweisen. In der Region seien viele national und international erfolgreiche Unternehmen beheimatet, die regelmäßig auf der Suche nach potenziellen Mitarbeitern seien.
„Migranten und Asylwerber sind in diesem Umfeld als engagierte und motivierte Arbeitskräfte ein wichtiger Bestandteil zur anhaltend positiven Entwicklung der Region“, so Hot Spot! Innviertel-Sprecher Andreas Fill.
Wirtschaftlicher Erfolg sei massiv von Emotionen beeinflusst. „Wir brauchen zum Thema Ausländer und Asylwerber eine entspannte, unpolitische und objektive Diskussionskultur“, schreibt der erfolgreiche Industrielle aus Gurten im Namen der Hot Spot! Innviertel-Mitglieder.

Maler-Lehrling aus Afghanistan droht Abschiebung

Besonders ernst ist die Situation für Ehsan Mohammed und seine zwei Brüder, die in Ried leben. Ehsan macht seit zweieinhalb Jahren beim Malereibetrieb Großbötzl eine Lehre als Maler. Ein Bruder absolviert eine Lehre in der Gastronomie, der Dritte besucht eine Schule. Die Asylbescheide der drei Brüder wurden mittlerweile bereits in zweiter Instanz negativ beurteilt. Michael Großbötzl, Firmenchef und seit vielen Jahren ÖVP-Stadtpolitiker in Ried, setzt sich für seinen Mitarbeiter ein. „Es ist schwer, Lehrlinge zu bekommen. Ehsan will etwas aus sich machen. Die zweite Klasse Berufsschule hat er aus eigenem Wunsch ohne zusätzlichen Förderunterricht absolviert. Er ist bei uns in der Firma bestens integriert“, sagt Großbötzl im OÖN-Gespräch. Sein Wunsch an die Regierung und Bundeskanzler Sebastian Kurz, den Parteichef „seiner“ ÖVP, ist eine „differenzierte Herangehensweise“ bei der Beurteilung der Verfahren.

"Mitten in der Lehrzeit zu sagen, du musst jetzt nach Kabul, ist keine Lösung"

„Wenn ein junger Mensch Bereitschaft zeigt, Leistung zu bringen, Deutsch lernen will und in einem Mangelberuf eine Lehre macht, dann soll man ihm zumindest die Chance geben, diese Ausbildung abzuschließen“, so der Wunsch von Großbötzl. „Mitten in der Lehrzeit zu sagen, du musst jetzt nach Kabul, ist keine Lösung.“
Auf die Frage, wie Ehsan Mohammed mit der Situation umgehe, antwortet der Unternehmer: „Ihm geht es schlecht, das kann man sich denken.“

Landesrat Rudi Anschober

Anschober: „Entscheidende Wochen“ 

Laut Integrations-Landesrat Rudi Anschober seien die Negativbescheide der drei in Ried wohnhaften Afghanen die ersten Fälle, in denen der Bescheid in zweiter Instanz negativ ist. „Es gibt Handlungsbedarf. Es stehen entscheidende Wochen vor uns“, sagt Anschober. Die Unterstützung der Wirtschaft werde immer mehr. Anschobers Wunsch: Aufenthaltsrecht für die Lehrlinge während der Ausbildung und in den zwei Folgejahren, damit auch die Unternehmer von den Fachkräften profitieren würden. Anschließend sollen die Fälle neu geprüft werden, so Anschobers Wunsch.

Aktuell absolvieren in Oberösterreich 312 Asylwerber eine Lehre. 

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Artikel Thomas Streif und Max Hofer 06. März 2018 - 18:59 Uhr
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