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"Ich war sehr emotional und wollte manchen Leuten den Kopf abreißen"

BRAUNAU. Radsport: Mit zunehmenden Alter ist Radsport-Pionier Alois Rögl ruhiger geworden.

"Ich war sehr emotional und wollte manchen Leuten den Kopf abreißen"

Alois Rögl (großes Foto, links) hat unter anderem „Glocknerkönig“ Reinhard Waltenberger betreut. Bild: privat

Unzählige prall gefüllte Ordner, die ein wesentliches Stück der Österreichischen Radsport-Geschichte enthalten, Plakate großer Rennen, 40 Jahre alte Programmhefte der Österreich-Rundfahrt und Pinnwände voller Erinnerungsfotos – so sieht das Archiv bzw. die Schatzkammer von Alois Rögl aus. Der Braunauer hat sich vor mehr als einem halben Jahrhundert mit Haut und Haaren dem Radsport verschrieben. Während seine aktive Karriere aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen (Trichterbrust) ein frühes Ende nahm, ist sein Engagement auf Funktionärsebene bis heute aufrecht. Für 2018 hat sich der Innviertler, der schon Profis bei der Tour de France betreut und die drei größten Querfeldein-Rennen Österreichs veranstaltet hat, ein neues Ziel gesteckt: Er will für die UCI Straßenrad Weltmeisterschaft in Tirol (22. bis 30. September) kräftig die Werbetrommel rühren. "Ich finde es sensationell, dass die WM bereits zum dritten Mal in Österreich ausgetragen wird. Das ist eine einmalige Gelegenheit für alle Österreicher, die besten Radsportler der Welt hautnah zu erleben", sagt Rögl.

Erfreut ist der gelernte Schirmmacher auch über eine andere Entwicklung. "Früher sind wir Radfahrer oft belächelt worden, doch das Bewusstsein der Öffentlichkeit hat sich verändert. Heute fahren sogar Bankdirektoren mit dem Rad", betont der Braunauer, der "seinem" Sport auch einen kulturellen, sozialen und touristischen Faktor zuschreibt. "Durch das Radfahren habe ich viele Gegenden kennengelernt, die ich sonst nie gesehen hätte. Das hilft mir auch beim Kommunizieren mit anderen Leuten. Egal von wo in Österreich sie kommen, in ihrer Nähe kenne ich fast immer ein Fleckchen."

Nur die Ruhe

Durch seinen Einsatz für den Radsport hat der 65-Jährige noch etwas anderes gelernt. "Früher war ich ein sehr emotionaler Typ. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, dann wollte ich den Leuten oft den Kopf abreißen. Heute bin ich viel ruhiger und weiß, dass ich meine Gefühle und Gedanken nicht immer preisgeben soll. Diese Erfahrungen sind unglaublich wichtig."

Bewunderung empfindet Alois Rögl für Hubert Neuper, der den Skiflugweltcup am Kulm (Bad Mitterndorf) organisiert. "Er vermarktet dieses Event großartig. Von ihm könnte sich der Radsport und seine Lobby eine Scheibe abschneiden", ist der Innviertler überzeugt. "Vielen Leuten ist offenbar nicht bewusst, was das Wort Event eigentlich bedeutet. Nicht nur die Veranstaltung zählt, auch das Drumherum muss stimmen. Man muss den Leuten viel bieten und ihnen vermitteln, dass Radsportveranstaltungen zum Nulltarif angeschaut werden können."

Dankbar ist Alois Rögl für vieles: Seine Partnerin, die vor 24 Jahren von Norddeutschland zu ihm ins Innviertel gezogen ist, seine Eltern, die ihn immer unterstützt haben und die Tatsache, "dass ich nie in schlechte Gesellschaft gekommen bin. Das hängt sicher auch mit meiner Begeisterung für den Radsport zusammen. Eine Leidenschaft für etwas zu spüren, wünsche ich den jungen Leuten, damit sie ihre Freizeit sinnvoll nützen."

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Artikel Elisabeth Ertl 13. Januar 2018 - 08:04 Uhr
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