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Hochwasserschutz: "Durch den Bau verändert sich der Wasserpegel kaum"

Von Rainer Auer   09.Dezember 2017

Hochwasserschutz: "Durch den Bau verändert sich der Wasserpegel kaum"
Um diese Fläche zwischen der Hofer-Filiale in der Nähe des Stadtfriedhofs und der Bundesstraße dreht sich der Streit in Schärding. Hier sollen Filialen von Billa und Bipa entstehen und die Fläche dazu aufgeschüttet werden.

Das noch freie Gelände zwischen der relativ neuen Hofer-Filiale in der Vorstadt und der Bundesstraße liegt im Hochwasserabflussbereich des Inns und der Pram. Laut Plänen der REWE-Group, zu der unter anderem Billa und Bipa gehören, soll dazu eine Fläche von 4550 Quadratmeter aufgeschüttet werden. Die durchschnittliche Aufschüttungshöhe soll 1,44 Meter betragen. Entstehen sollen dort sowohl eine Billa- als auch eine Bipa-Filiale sowie Parkplätze.

Die Bezirkshauptmannschaft Schärding lud diesbezüglich zu einer mündlichen Verhandlung ins Schärdinger Rathaus. Ein Vertreter der von der Billa AG beauftragten Hydroconsult aus Graz, einem Ingenieurbüro für Kulturtechnik und Wasserwirtschaft, erörterte dabei die Szenarien eines 30- sowie eines 100-jährigen Hochwasserereignisses und kam dabei zu dem Schluss, dass sich durch den Bau der Wasserpegel kaum verändern würde.

"Seit Jahrzehnten überflutet"

Das verdrängte Wasservolumen bei einem 40-jährigen Hochwasser beträgt laut Hydroconsult 3140 Kubikmeter. Das bezweifelt Hannes Dürr aus Brunnenthal, dessen Elternhaus in der Hans Carossa Straße in Schärding betroffen ist. "Das Gebäude ist seit kurzem eingekesselt vom Hofer-Bau, den ich wegen der erhöhten Hochwassergefährdung vergeblich zu verhindern versucht habe. Diese Flächen sind seit Jahrzehnten regelmäßig bei kleinsten Hochwässern überflutet und jede Bebauung erhöht das Risiko für die bestehenden Wohngebäude", so der Brunnenthaler.

Dürr widerspricht den Ausführungen der Hydroconsult, dass sich bei einem Hochwasser der Pegel durch die Aufschüttung nicht signifikant verändert und auf einer riesigen Fläche nicht merklich verteilen würde. Der Diplomingenieur kommt in seinen Berechnungen zu anderen Ergebnissen. Laut Dürr beträgt das verdrängte Wasservolumen 9500 Kubikmeter und hätte eine Erhöhung des Pegels im Falle eines Hochwassers um 37 Zentimeter zur Folge.

Beim Hochwasser 2013 wurde Dürrs Haus beschädigt und eine Garage zerstört. "Nach vielen Diskussionen wegen Abflussverhinderung und Erhöhung des Risikos für die Nachbarhäuser wurde dem Neubau einer Garage letztlich zugestimmt. Dazu wurden diverse Behörden und 16 Nachbarn vorgeladen und befragt." Dürr bemängelt an der mündlichen Verhandlung, dass zur wasserrechtlichen Bewilligung des Billa/Bipa-Neubaus eben keine Einladung erfolgte, sondern diese lediglich an der Amtstafel angeschlagen wurde. Den Berechnungen von Hydroconsult widerspricht er vehement: "Diese früher landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen alle im 30- bzw. 100-jährigen Hochwasserbereich, waren aber in den letzten Jahren praktisch alle elf Jahre überschwemmt."

Dürr möchte in dieser "roten" Zone ohnehin ein Bauverbot. "Aber der Gemeinderat hatte bereits bei Hofer den Flächenwidmungsplan geändert und wird vermutlich auch bei Billa/Bipa einer Änderung zustimmen, da durch die Aufschüttung die neu erbauten Gebäude nicht mehr so stark hochwassergefährdet sind, dafür aber umso mehr die umliegenden Gebäude."

Genehmigung so gut wie fix

Der Brunnenthaler befürchtet zudem, dass durch die gewerberechtliche Bewilligung die Nachbarn keine Einspruchsrechte mehr haben. "Laut Gesetz darf ein Bescheid nicht erteilt werden, wenn eine Gefährdung entstehen würde", erklärt Kurt Stadler von der Bezirkshauptmannschaft Schärding. In der Wasserechtsbearbeitung stünde aber, so Stadler, eine Genehmigung unmittelbar bevor, da das Verfahren ordnungsgemäß abgewickelt worden sei.

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