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Hitlers Interesse an seiner Geburtsstadt war doch groß

Von Max Hofer   24.Februar 2015

Neue Fakten: Adolf Hitlers Interesse an Braunau war doch größer als vermutet
Hitler-Einmarsch im Innviertel – im März 1938 in seine Geburtsstadt Braunau

Die bislang häufig vertretene Meinung, Adolf Hitler hätte an seiner Geburtsstadt keinerlei Interesse gehabt, ist erschüttert: Florian Kotanko, wissenschaftlicher Berater von braunau-history.at, ist im Bundesarchiv Berlin (Signatur BArch, R 43-II/1013b) auf Akten gestoßen, die das genaue Gegenteil belegen. Hitler befürwortete sogar einen "Sonderbeauftragten für die Erweiterung und Umgestaltung von Braunau".

Ranghöchste Nazi-Stellen beschäftigten sich von November 1942 bis zum 3. April 1944 in einem umfassenden Schriftwechsel mit dem Thema "Sonderbeauftragter für die Erweiterung und Umgestaltung der Stadt Braunau". Eingebunden waren, wie Florian Kotankos Recherchen ergaben, Nazi-Größen wie Reichsleiter Martin Bormann, Gauleiter August Eigruber (Reichsstatthalter in Oberdonau), der Reichsminister des Inneren in Berlin, Wilhelm Frick, sowie der Chef der Reichskanzlei, Hans Heinrich Lammers, und Dr. v. Sutterheim, ebenfalls von der Reichskanzlei.

Die zentrale Rolle spielte Eigruber. Er regte mit Schreiben vom 19. November 1942 die Installierung eines Sonderbeauftragten für Braunau an, denn "durch den Ansatz des Werkes Ranshofen der Vereinigten Aluminiumwerke im Gebiet der Stadt Braunau am Inn, das in seiner endgültigen Ausbaustufe das größte europäische Aluminiumwerk sein wird, ist in Braunau ein Bedarf an Wohnungen aufgetreten, der sich nicht mehr im Rahmen der jetzigen Stadt Braunau befriedigen lässt. Es wurde daher die Erweiterung der Stadt durch die Anlage einer Neustadt beschlossen . . ."

Weiters heißt es in dem Schreiben von Gauleiter Eigruber: "Bei dem großen Interesse, das der Führer für die Entwicklung seiner Geburtsstadt zeigt, war die Bestellung eines Sonderbeauftragten unerlässlich."

Die "verantwortungsvolle Funktion" des Sonderbeauftragten wurde einem Diplom-Ingenieur namens Friedrich Lübbers übertragen. Dem Aktenvermerk ist auch zu entnehmen, dass Lübbers zwei technische Hilfskräfte und zwei Schreibkräfte benötigt. "Lübbers Dienststelle hat ihren Sitz in Braunau, muss jedoch auch in Linz eine Kanzlei unterhalten."

Die Kosten wurden ebenfalls detailliert geplant: "Bei Annahme dieses Jahreserfordernisses von 120.000 RM (Reichsmark) ergibt sich somit für den Rest des Haushaltsjahres 1942 ein Bedarf von 50.000 RM."

Neben Braunau sollten auch für die Städte Wels und Steyr Sonderbeauftragte bestellt werden, wobei aus einem Schreiben des Reichsministeriums für Inneres vom 13. März 1944 hervorgeht, dass, "nachdem in letzter Zeit der Luftkrieg sich auch auf den Reichsgau Oberdonau ausgedehnt habe, die Einsetzung von Sonderbeauftragten für Planung und Ausbau von Städten nicht mehr für aktuell gesehen werde. Eine Ausnahme gelte jedoch für Braunau. Bei dem besonderen Interesse, das der Führer seiner Geburtsstadt entgegenbringe, müsse der Reichsstatthalter in Oberdonau deshalb an seinem Antrag festhalten und eine Erledigung dieses Falles herbeiführen . . ."

Im letzten Aktenvermerk vom 3. April 1944 notierte das Reichsinnenministerium: "Der Führer hat sich dahin geäußert, dass er nichts dagegen habe, wenn die Einsetzung eines Sonderbeauftragten für die Neugestaltung der Stadt Braunau bis nach dem Kriege zurückgestellt wird." 

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17. Oktober 2019