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Innviertel

Drei Sauwald-Gemeinden ziehen bei Glasfaserausbau an einem Strang

Von Bianka Eichinger   29. März 2018 07:04 Uhr

Drei Sauwald-Gemeinden ziehen bei Glasfaserausbau an einem Strang
Gerade für den ländlichen Raum stellt der Glasfaserausbau eine enorme Chance dar. Vor allem von Seiten der Landwirtschaft ist die Nachfrage enorm.

SCHARDENBERG. In Sachen schnelles Internet gehört der Bezirk Schärding laut Experten zu Schlusslichtern.

Die konsumierten Datenraten der Privathaushalte verdoppeln sich im Durchschnitt etwa alle 14 Monate. "Gerade im ländlichen Raum – fernab vom Wählamt – ist sehr oft die Versorgung abends unter 2 Mbit/ Sekunde, sodass Internetbanking zum Glücksspiel wird. Und auch die Mobilfunkmasten sind abends überlastet, sodass nichts mehr geht", erklärt Volker Dobringer, Breitbandbüro Oö. Im Interview verrät der Experte, warum der Glasfaserausbau vor allem für den ländlichen Raum für die zukünftige Entwicklung entscheidend ist.

Volkszeitung: Mit welchen drei Argumenten überzeugen Sie Skeptiker, dass der Glasfaserausbau vor allem für die Zukunft im ländlichen Raum entscheidende Bedeutung hat?

Dobringer: Schnelles Internet ist sowohl für Bildung, also Schüler und Erwachsenenbildung, extrem wichtig. Zweitens ist Homeoffice ein Zukunftsthema, also an zwei bis drei Tagen pro Woche nicht ins Auto steigen, kein Stau, kein Treibstoffverbrauch, keine Umweltbelastung. Ein Breitbandanschluss ist nichts anderes als eine Autobahnauffahrt für jedes Wohnzimmer im ländlichen Raum und steigert den Wert einer Immobilie um etwa zehn Prozent. Drittens brauchen, egal ob für Melkroboter oder Düngemittelprogramm, die Landwirte schnelles Internet und fordern uns im Breitbandbüro fast täglich für Aktivitäten und Unterstützung in ihrer Gemeinde an, weil der unternehmerische Erfolg eines Landwirtes davon abhängt.

Und wenn man dann immer noch nicht überzeugt ist?

Dann frage ich einfach, ob nicht auch in der Hosentasche ein Computer steckt, der stetig mit dem Internet verbunden sein möchte. Also ein Handy. Das hilft meistens.

Viele schrecken die Kosten ab. Wie tief müssen die Bewohner in die Tasche greifen?

Der Ausbau im ländlichen Raum wir von den Providern, mit Unterstützungen des Landes OÖ und vor allem aus Mitteln der Breitbandmilliarde des Bundes bewerkstelligt. Bei einem Glasfaserausbau muss im ländlichen Raum eine ganz neue Infrastruktur in den Boden eingebracht werden. Das kostet eigentlich pro Haushalt zwischen 1500 und 3000 Euro , die Anschlussgebühren liegen aber aufgrund der Förderungen bei nur 300 bis 500 Euro pro Haushalt. Bisher zahlen Haushalte meist zirka 23 Euro fürs Festnetz und 20 bis 30 Euro für einen Webcube, um ein bisschen Internet zu ergattern, also in Summe 43 bis 53 Euro für zwei bis 15 Mbit/Sekunde. Die meisten Provider liegen im Bereich von 40 bis 45 Euro pro Monat für Internet mit 100 Mbit/s inklusive Festnetztelefonie. Also fünfmal schneller surfen zum gleichen Preis und man hat eine Infrastruktur im Haus, die auch surfen mit 1000 Mbit/s und mehr ermöglicht.

Das Projekt wird nur realisiert, wenn 50 Prozent der Einwohner sich beteiligen. Ist das Erreichen dieser Quote ein Problem? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Vieles hängt davon ab, wie gut die Bevölkerung informiert ist und über die Notwendigkeit Bescheid weiß. In Großraming hatte der Provider in 14 Tagen 83 Prozent Zustimmung und in Haibach/D. gab es innerhalb von einer Woche über 60 Prozent Zustimmungserklärungen. In beiden Fällen waren aber Bürger und Gemeinderäte sehr aktiv und sind von Haus zu Haus gegangen. Ein einfacher Zettel in der Gemeindezeitung, der abgegeben werden soll, ist nicht zielführend. Wenn mehr als 50 Prozent der Haushalte eines Zielgebietes ihr Interesse bekunden, wird auf jeden Fall ein Provider ausgebaut, wenn die Unternehmen nicht wollen, geht der Ball an die Fiberservice OÖ.

Welche Nachteile werden Gemeinden, die sich gegen Glasfaserausbau entscheiden, Ihrer Meinung nach haben?

Alle Provider sind sich einig, dass über kurz oder lang jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss brauchen und erhalten wird. Das gesamte Prozedere dauert aber bis zu drei Jahre. Gemeinden, die 2020 starten, erhalten ihre Anschlüsse vermutlich erst 2023. Wie das für noch langsamere aussieht, möchte ich nicht ausführen. Es ist auf jeden Fall zu spät, wenn am 15. September die Mutter eines Schülers beim Bürgermeister steht und einen Breitbandanschluss fordert, weil der Schüler seine Hausübung nicht mehr herunterladen kann. Auch die rumänische Hauskrankenpflegerin will mit ihren Kindern zu Hause kommunizieren. Wir hatten bereits mehre solche Fälle in Oberösterreich, zum Beispiel in Riedau oder Engelhartszell.

Wie aufwändig sind die Bauarbeiten für den Glasfaserausbau? Wann könnte es los gehen?

Wenn genügend Interesse vorhanden ist, wird ein Provider – oder ansonsten der Fiberservice – einen Förderantrag stellen. Bis November dauert die Entscheidung. Frühestens 2019 kann dann der Bagger losrollen und auch die ersten Haushalte könnten dann 2019 angeschlossen werden. Je nach Größe des Ausbaugebietes wird jedoch der Projektabschluss sicherlich erst 2023 sein. Aber je länger man wartet, umso später wird man fertig sein.

Infoveranstaltung

Die Gemeinden Wernstein, Schardenberg und Freinberg kooperieren beim flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes für den ländlichen Raum. Die Gemeinden laden am Dienstag, 3. April, 19 Uhr, zum Informationsabend ins Gasthaus Hofbauer, Kirchenwirt Schardenberg. Referent Volker Dobringer vom Breitbandbüro OÖ spricht über zukünftige Entwicklungen und Vorteile für die Endkunden.

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