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"Die Therme hat Geinberg und auch die gesamte Region positiv verändert"

GEINBERG. Geinbergs Bürgermeister Bernhard Schöppl im Volkszeitungs-Interview.

"Die Therme hat Geinberg und auch die gesamte Region positiv verändert"

Geinbergs Bürgermeister Bernhard Schöppl ist bereits seit November 1991 im Amt. Bild: OÖN/jsz

Am 4. Mai 1998 wurde mit einer großen Feier die Therme Geinberg eröffnet. Das Projekt wurde lange Zeit als "Traumfabrik" bezeichnet. Doch nach vielen Jahren der Skepsis wurde die Therme gebaut. Wie die Therme die Gemeinde Geinberg und die gesamte Region verändert hat, sagt Bürgermeister Bernhard Schöppl im Volkszeitungs-Interview.

 

Rieder Volkszeitung: Stimmt es, dass Geinberg bereits nach dem Zweiten Weltkrieg als Thermal- und Badeort bereits im Gespräch war?

Bernhard Schöppl: Daran kann ich mich nicht erinnern. Das Gerücht stammt aus den 60er-Jahren. Damals wurde schon leise geträumt und man hat auch die Entwicklung von Bad Füssing sehr genau beobachtet.

Am Anfang herrschte auf breiter Front Skepsis. Wie war die Stimmung in der Gemeinde vor der Umsetzung?

Viele Leute, nicht nur in Geinberg, haben zu mir beim Spatenstich gesagt: "Feiern könnts scho, aber werdn tuat des nix". Auch als schon gebaut wurde, gab es noch immer viele Stimmen die gemeint haben: "San ma gspannt, ob´s überhaupt zum Aufsperrn kemmts. Wer soi denn nach Geinberg kemma", so oder ähnlich lauteten damals die Wortmeldungen. Allerdings haben viele sich bei mir später entschuldigt und gemeint, sie seien eines Besseren belehrt worden.

Warum gab es eine relativ breite Ablehnung?

Es gab damals einige Personen, die sich als Quertreiber betätigt haben und Geinberg abgelehnt haben. Zum damaligen Zeitpunkt waren auch andere Gemeinden im Gespräch und viele Menschen waren der Meinung, dass die Therme in Geinberg so gut wie keine Überlebenschance hat. Sogar der damalige Landesrat Josef Ackerl war nicht gerade begeistert. Er hatte Angst, dass er bald wieder einen Sozialfall haben würde und womöglich ein Kurheim daraus machen müsste, weil es nicht funktioniert. Danach war er aber völlig happy und wir sind vom Land sehr gut bedient worden.

Mit der Therme ist auch die Gemeinde relativ schnell wohlhabend geworden. Oder?

Wir sind auf gar keinen Fall die reichste Gemeinde im Bezirk. Das glauben zwar viele, stimmt aber nicht. Die Bezahlung in der Tourismusbranche ist relativ niedrig, deshalb ist auch die Kommunalsteuer nicht so hoch. Wir haben zum Beispiel nur die Hälfte der Kommunalsteuer unserer Nachbargemeinde Gurten. Die Therme bringt rund 50 Prozent der Einnahmen, den Rest bekommen wir von Molkerei, Lagerhaus, Saatbau, Kowe und einigen anderen Betrieben.

In den 70er-Jahren war Geinberg optisch nicht gerade eine Augenweide. Was hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert?

Die Gemeinde hatte damals nur noch 1100 Einwohner. Wir waren kein attraktiver Ort. Mittlerweile freuen wir uns über einen großen Zuzug. Momentan liegen wir bei fast 1500 Einwohnern. Es sind viele Häuser, Wohnsiedlungen und Wohnblöcke entstanden. Auch die Ortschaft Moosham hat sich top entwickelt.

Wie groß ist der Anteil der Therme am Aufschwung?

Riesengroß. Die Therme ist ein Leitbetrieb für Geinberg und die ganze Region. Ohne Therme würden wir nicht so gut dastehen.

Wer war Ihrer Meinung dafür verantwortlich, dass sich Geinberg als Thermenort gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat?

Das Projekt hat viele Väter. Es wäre unfair, nur eine Person in den Vordergrund zu stellen. Der damalige Landesrat Josef Fill war genauso wichtig wie der Raiffeisen-Generaldirektor Ludwig Scharinger, der damalige Landeshauptmann Josef Pühringer, die Familie Grünbart, die das Grundstück eingebracht hat, die Gemeinde usw. Wäre ein Rädchen ausgefallen, wer weiß, was passiert wäre? Ganz wichtig für uns war, dass Josef Fill ein Politiker war, der beim Land mit einer starken Stimme für Geinberg gesprochen hat und bei der Landesregierung sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet hat.

Träumen ist immer erlaubt. Wo sehen Sie Geinberg in zehn Jahren?

Mein Wunsch ist, dass ich die Gemeinde am Ende meiner Amtszeit, die allerdings noch nicht genau feststeht, schuldenfrei übergeben werde. Wir sind gut aufgestellt und haben Finanzen und auch die Infrastruktur in Ordnung. Aber es gibt immer wieder neue Aufgaben. Wir müssen sicher noch mehr auf die Gäste eingehen und ein attraktiveres Umfeld bieten. Stillstand ist Rückstand. Wenn ein Gast nach zwei Jahren wieder auf Urlaub kommt, möchte er eine Weiterentwicklung sehen. Das höre ich immer wieder von Gästen, wenn ich in die Sauna oder schwimmen gehe.

 

"Wie hat sich Geinberg in den vergangenen 20 Jahren verändert?"

„Die Therme war ein Lottosechser für Geinberg. Durch sie ist frisches Blut in unsere Gemeinde gekommen. Andere bekommen eine Müllverbrennungsanlage, wir haben mit der Therme einen richtigen Traum bekommen. Nicht zu vergessen das viele Geld, das die Thermengäste täglich in Geinberg lassen. Das macht mich als waschechte Geinberger ‘Hausgeburt’ mächtig stolz.“

Manfred Wegenschimmel, Restaurator, Geinberg

 

„Unmittelbar in Geinberg profitieren die Pensionsbetreiber am meisten von der Therme. Aber auch zu uns kommen die Gäste um Obst, Getränke, Zeitungen und Zigaretten zu kaufen. Und Lottoscheine schwatze ich ihnen dann auch gleich noch auf. Allen Skeptikern kann man nur sagen: Schaut euch in Geinberg um, wie einmalig der Ort gewachsen ist.“

Helga Putscher, selbstständige Kauffrau, Geinberg

 

„Da ich in meiner Firma hauptsächlich Asphaltstöcke produziere, bringen mir persönlich die Thermen-Gäste nichts, ich würde sogar sagen gar nichts. Der Ort selbst hat natürlich enorm profitiert in diesen zwanzig Jahren, seit die Therme in Betrieb ist. Nicht zu vergessen die vielen Arbeitsplätze, die dort geschaffen wurden.“

Reinhold Gottfried, Unternehmer, Geinberg

 

„Ich wohne dort, wo schon vor mehr als dreißig Jahren nach Öl gebohrt, aber Heißwasser gefunden wurde. Die ganze inzwischen errichtete Therme passt gut zu Geinberg. Der Ort ist in den zwanzig Jahren unglaublich gewachsen. Großartig! Ich bin früher selbst des öfteren in die Therme gegangen, heute bin ich freilich zu alt.“

Marianne Brandl, Pensionistin, Geinberg

 

„Freilich ist die Therme für Geinberg und die ganze Umgebung super. Ich selbst bin zwar kein Thermengeher, finde aber trotzdem die Einrichtung einen Traum. Die Therme hat Geinberg weitum bekannt gemacht. Und wenn dort und da jemand schimpft, dann sollte man daran denken, dass es im wieder Meckerer und Besserwisser gibt.“

Reinhold Grünbart, pensionierter Elektriker, Geinberg

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