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Als Trotzreaktion fuhr Mann mit "Hitler-Plakat" herum

Von Thomas Streif   29.Mai 2017

Als Trotzreaktion auf den Wahlkampf fuhr Mann mit "Hitler-Plakat" herum
Mit 5:3 Stimmen wurde der unbescholtene Pensionist freigesprochen.

"Nein, es ist nix passiert", sagt der Angeklagte, nachdem er beim Betreten des ehrwürdigen Rieder Schwurgerichtssaals über eine Stufe gestolpert war. 70 Jahre ist der Pensionist aus dem Innviertel alt, mit dem Gesetz kam er bisher noch nie in Konflikt.

Dass er seine unfreiwillige Premiere gleich wegen Wiederbetätigung vor einem Geschworenengericht absolvieren muss, hat wohl indirekt mit dem langen Bundespräsidentschaftswahlkampf in Österreich zu tun.

"Jeder Wähler von Norbert Hofer wurde als Nazi hingestellt. Daher meine Trotzreaktion", sagt der 70-Jährige. Konkret sah diese sehr eigenwillige Maßnahme so aus: Der Pensionist fertigte im November 2016 aus einem Zeitungsfoto von Adolf Hitler seine ganz eigene "Dekoration" für die hintere Scheibe seines Autos an. Zu lesen: "Vermisst seit 1945. A... wir brauchen dich." Selbst sei er nicht auf diese Idee gekommen, in einer großen deutschen Boulevardzeitung habe er diese Worte gelesen. "Ich habe mir gedacht, wenn die Wähler von Hofer sowieso alle Nazis sein sollen, dann bin ich eben einer."

Allerdings habe er mit der NS-Ideologie nichts am Hut. "Es hat mich alles so gewurmt und ich war zornig, aber wahrscheinlich habe ich zu wenig nachgedacht", räumt er ein. Die Polizei lud er für eine freiwillige Hausdurchsuchung zu sich ein. Dort fanden die Beamten keinerlei Material mit NS-Bezug.

Eine Rechtfertigung, die bei der vorsitzenden Richterin Claudia Lechner Verwunderung auslöst. "Ich würde verstehen, wenn Sie ein Foto von Hofer mit der Aufschrift ,Hofer-Wähler sind keine Nazis’ anbringen würden."

Er habe überhaupt keine Sympathie mit Neonazis, beteuert der Pensionist. "Das war nie meins." Das veranlasst den beisitzenden Richter Franz Maier zu der Bemerkung: "Dann war das aber schon eine sehr ungewöhnliche Reaktion?" Es sei eine sehr undurchdachte Sache gewesen, "leider". Aber in den drei Wochen, in denen der Zettel in seinem Auto war, sei er lediglich zweimal pro Woche zum Einkaufen nach Ried gefahren.

"Meinem Mandanten war nicht bewusst, dass er sich mit dem Anbringen des Bildes strafbar macht. Er hat mit Hitler überhaupt nichts am Hut", sagt die Verteidigerin in ihrem Schlussplädoyer.

Geschworene fällen Freispruch

Nach einstündiger Beratung kehren die Geschworenen von der Beratung zurück. Richterin Claudia Lechner verkündet das Urteil. Freispruch, mit 5:3 Stimmen. Daraufhin verlässt der Pensionist mit einem "herzlichen Dankeschön" den Saal.

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