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Innviertel

25 Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen

Von OÖN   11. Juni 2021 08:04 Uhr

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INNVIERTEL. Im Gegensatz zum ersten Pandemie-Jahr wurden heuer wieder deutlich mehr Lehrverträge abgeschlossen

Keine Schnuppertage, keine Betriebsbesuche an den Schulen, Lehrlingsmessen fallen aus oder finden nur online statt: Corona hatte vor einem Jahr den Lehrlingsmangel weiter verstärkt. Hat sich die Lage ein Jahr später entspannt?

Das hat sie, sagt der Leiter der Wirtschaftskammer Braunau, Klaus Berer: "In Oberösterreich sind von Jänner bis Mai 25 Prozent mehr Lehrverträge als in den ersten fünf Monaten 2020 abgeschlossen worden. Die Unsicherheit, die letztes Jahr nach der Pflichtschule geherrscht und viele zum Besuch einer Höheren Schule veranlasst hat, ist weitgehend verflogen. Leider wurde die Regel, auch mit Fünfer aufsteigen zu dürfen, verlängert, was aus meiner Sicht Schulabbrüche in die nächsten Jahren prolongiert. Die Lehrbetriebe haben jedenfalls sehr interessante Lehrstellenangebote", sagt Berer. Die Covid-bedingte Schräglage von 2020 dürfte etwas verflacht sein, aber natürlich herrsche, wie seit Jahren, nach wie vor ein Lehrlingsmangel und der Druck auf die Betriebe werde immer größer, auch angesichts der regionalen Hochkonjunktur.

Weiterhin Mangel in Ried

Aller Voraussicht nach werden heuer wieder die Lehrlingsmessen in Braunau und Mattighofen veranstaltet. "Dazu gibt es für Interessierte die Plattform ooe-schnuppert.at mit zahlreichen Schnupperlehre-Angeboten und natürlich exklusiv in unserem Bezirk karrilehre.at", sagt Berer.

Auch im Bezirk Ried ist im November (19./20.) wieder eine Lehrlingsmesse geplant, wie WKO-Leiter Christoph Wiesner sagt. Der Lehrlingsmangel ist aber in Ried weiterhin deutlich spürbar, so Wiesner: "Die Situation ist gegenüber dem Vorjahr dieselbe geblieben. Wir hatten Ende Mai 75 Lehrstellensuchende bei 350 offenen Lehrstellen." Da es immer weniger Jugendliche gebe und immer mehr Menschen in Pension gehen, habe das zur Folge, "dass die Schere immer weiter aufgeht", so Wiesner. Es sei aber spürbar, dass die Firmen bestrebt sind, sich frühzeitig um Nachwuchs zu kümmern.

Tatsächlich ist die Differenz zwischen den Lehrstellensuchenden und den offenen Lehrstellen im Bezirk Ried verglichen mit den anderen Innviertler Städten am höchsten. Im Bezirk Braunau sind aktuell 101 Personen auf der Suche nach einer Lehrstelle, 307 freie Lehrstellen gilt es zu besetzen. In Schärding suchen 72 Personen eine Lehrstelle, die Firmen suchen insgesamt 224 Lehrlinge (Quelle: AMS Statistik, Stand Mai 2021).

"Das sind sichere Jobs!"
Lehrlinge und Personal für alle Bereiche in der Therme Geinberg sind derzeit gefragt.

„Das sind sichere Jobs!“

„Wir haben einen großen Bedarf an Mitarbeitern, derzeit können wir den Bedarf nicht abdecken“, sagt Geinbergs Thermen-Geschäftsführer Manfred Kalcher. Mit einer großen Job-Initiative – #meinwowjob – bewirbt der Innviertler Leitbetrieb im Tourismus Jobs in der Therme.

Auch für Lehrlinge wird ein attraktives Ausbildungsangebot gelegt. Derzeit sind 24 Lehrlinge in Ausbildung, wobei großer Wert auf intensive und individuelle Schulung und Betreuung gelegt wird, wie auch Personalchefin Simone Gabauer sagt. Mit einem sogenannten „Benefit-Paket“ für Lehrlinge hofft man auf viele Interessenten. Den Auszubildenden wird unter anderem kostenlose Anwesenheitsverpflegung, Uniformreinigung, Teilnahme an externen und internen Schulungen, Prämien für gute Schulleistungen, diverse Boni bei guten Leistungen, Kauf der Messer (bei Köchen) u.a. geboten. „Die Lehrlinge lernen in der Ausbildung unterschiedliche Bereiche kennen – ein Kochlehrling durchläuft unter anderem alle drei Küchenstationen im Haus“, so die Thermen-Verantwortlichen.

Jobs im Tourismus seien weiterhin sichere Jobs, so Thermen-Chef Manfred Kalcher: „Was macht einen Job sicherer als freie Stellen!“ 

Fill nimmt wieder 20 Lehrlinge auf
Die Lehrstellen bei Fill in Gurten sind begehrt.

Fill nimmt wieder 20 Lehrlinge auf

Auch nach dem Corona-Jahr gibt es beim Gurtener Maschinenbauer Fill einen großen Andrang um die Lehrstellen. „Am Anfang der Coronazeit mussten wir die Schnuppertage zwar aussetzen, danach gab es eine Reduktion von zwei auf einen Tag. Schnuppern war nur mit Negativ-Test und dem dauerhaften Tragen der FFP2-Maske möglich. Der Andrang ist groß, nur am Anfang der Pandemie gab es einen Rückgang. Das lag aber an den Schulen, die keine Bestätigungen ausstellen durften“, sagt Philipp Heißbauer, der Teamleiter der Lehrlingsausbildung bei Fill.

Aktuell sind 84 Lehrlinge in Ausbildung, rund 20 lernen heuer aus, im September starten wieder 20 bis 22 junge Menschen ins Berufsleben. „Distance Learning hat die Qualität zwar nicht gerade gehoben, trotzdem haben wir viele fähige Bewerber. Bei einem Schnuppertag wird auch ein technischer Talentecheck mit den zukünftigen Lehrlingen gemacht“, so Philipp Heißbauer.

Mädchen in der Tischlerei Grömmer im Vormarsch
Sieben Lehrlinge werden derzeit in der Tischlerei ausgebildet.

Mädchen in der Tischlerei Grömmer im Vormarsch

Sieben Lehrlinge, darunter drei Mädchen, werden derzeit in der Tischlerei Grömmer in St. Roman ausgebildet. Probleme, die ausgeschriebenen Stellen zu besetzen, hat der Traditionsbetrieb aus dem Sauwald keine. Auch deshalb, weil das Unternehmen Initiative zeigt, in Schulen geht, sich auf Lehrlingsmessen präsentiert, zu Schnuppertagen einlädt und zudem einen guten Ruf genießt. Daher hatte auch die Corona-Pandemie keinen negativen Einfluss auf die Besetzung der Lehrstellen, die in erster Linie für junge Leute aus dem Bezirk Schärding geeignet sind. „Weil wir nicht wirklich zentral liegen. Deshalb ist es wichtig, dass die Lehrlinge nicht allzu weit herfahren müssen oder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind“, erklärt Christine Grömmer. Trotz der guten Ausgangslage hat das Unternehmen beim AMS vorsorglich eine Stelle ausgeschrieben, „denn geschickte junge Menschen sind bei uns immer willkommen.“

KTM: "So viele Bewerber wie noch nie"
500 Lehrlinge haben sich heuer bei KTM beworben.

KTM: „So viele Bewerber wie noch nie“

Heuer gab es in der Mattighofner Motorradschmiede KTM so viele Lehrlingsbewerber wie noch nie. Auf 80 offene Lehrstellen kamen 500 Bewerber. Zum Vergleich: „In einem normalen Jahr bewerben sich 250 bis 300 Lehrlinge bei uns“, sagt KTM-Vorstand Viktor Sigl.

Gründe für die hohe Zahl an Bewerbungen gebe es mehrere: Einerseits hätten die Leute erkannt, dass die Lehre eine gute Berufsausbildung sei, ist Sigl überzeugt – „wir investieren viel, um die Lehre zu attraktivieren“ – andererseits sei KTM eine attraktive und „coole“ Marke gerade für Junge. Auch das spiele eine Rolle. „Außerdem wissen die Lehrlinge, dass Benefits warten, wenn sie die Lehrabschlussprüfung erfolgreich abschließen. Es gibt zusätzliche Angebote, Prämien und andere Zuckerl.“ Auch voriges Jahr hatte das Mattighofner Unternehmen keine Probleme, Lehrlinge zu finden, da die Deadline für Bewerbungen noch vor der Corona-Krise im Februar war.

Die Lehrlingsmessen und der Kontakt direkt in den Schulen sei weggefallen. „Es ist natürlich schade, dass der persönliche Austausch mit den Schülern fehlt“, sagt Sigl. Alternativ ist KTM aber auf sozialen Netzwerken aktiv geworden. Das hätten die Jugendlichen gut angenommen.

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