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Innviertel

20 Jahre klimaschonendes Heizen in Lambrechten

Von Manfred Hetzeneder   04. April 2020 08:04 Uhr

20 Jahre klimaschonendes Heizen in Lambrechten
Die Nahwärmeanlage Lambrechten

LAMBRECHTEN. Kapazitäten der Anlage reichen auch noch für die nächsten Jahre – Über eigene Stromerzeugung wird nachgedacht

Es war im Herbst des Jahres 2000, als die "Nahwärme" ihren Betrieb aufnahm. Nun sind 20 Jahre ins Land gezogen und diese damals und heute noch zukunftsträchtige Investition hat sich bezahlt gemacht. Vor allem für die Umwelt und die angeschlossenen Nutzer!

Aus heutiger Sicht waren es echte Klimapioniere, die sich Ende der neunziger Jahre zusammengeschlossen haben und sowohl mit privatem Geld, als auch Fördergeldern der EU, in die öffentliche Hackgutheizung investiert haben. Eine Gruppe von neun örtlichen Landwirten hatte dieses Projekt initiiert, eine Personengesellschaft gegründet und schließlich umgesetzt. Ziel war es vor allem, die in der Gemeinde vorhandenen, natürlichen Ressourcen zu nutzen. In diesem Fall ging es um die Biomasse Holz, die in reichlichem Ausmaß vorhanden ist.

Ein zweckmäßiges Gebäude für die Kesselanlage, das notwendige Hackgut, war schnell errichtet. Anlass zur Inbetriebnahme war auch die Renovierung der Volksschule, wo man die neue praktische und ökologische Form der Heizung installierte. Mit rund 20 Anschlüssen, alle im Gebiet der Hofmark, startete der Heizbetrieb. Die Kesselleistung war damals auf 500 KW ausgelegt und konnte trotz stetig steigender Anschlüsse den Bedarf bis 2012 sehr gut abdecken. Im Jahr 2013 wurde in einen neuen, leistungsstarken 800 KW Kessel investiert, der bis heute seine wertvollen Dienste leistet.

Bei einer Feuertemperatur von 900 Grad versorgt man aktuell 42 Anschlüsse. Darunter Schule, Gemeindeamt, Wohnblöcke, Feuerwehr und auch einen "Großabnehmer", nämlich den Schweineschlachtbetrieb im Ort, der vor allem brühheißes Wasser benötigt.

Übrigens ein sehr interessanter und wichtiger Aspekt für alle privaten Häuslbauer und speziell auch Haussanierer: Es geht bei der Nahwärme einerseits um das Beheizen des Hauses und anderseits um den Bedarf an Warmwasser. Dabei sind keine zusätzlichen Räume für Heizanlage, Tank oder Lagerräume zu planen und zu finanzieren. Der Betrieb läuft völlig lautlos und auch so mancher Rauchfang wird überflüssig.

Anschluss und Kosten

Anschlüsse sind kurzfristig möglich. Die Kapazitäten reichen für die kommenden Jahre noch aus. Neue Baugründe im Hofmarkbereich werden ebenso laufend mit dem Leitungsnetz erschlossen. Die Kosten liegen bei einem Haus mit 10 KW Heizleistung, inklusive Inanspruchnahme der Landesförderung, bei etwa 4500 Euro. Der Anschluss beinhaltet die Zuleitung bis ins Gebäude und die Übergabestation mit dem Wärmezähler und Regelung für das Haus. Das Angenehme dabei: Alle laufenden Anlage- und Servicekosten sind in der jährlichen Abrechnung inkludiert.

Ein durchschnittlicher Haushalt, Basis Einfamilienhaus mit ca. 150 Quadratmeter, verbraucht je nach Bauweise und Isolierungsgrad, 15. bis 20.000 KW pro Jahr für Heizung und Warmwasser. Das ergibt im Schnitt eine Jahresabrechnung von rund 1500 Euro pro Haus.

Die Zuverlässigkeit des Systems hat sich über die Jahre hinweg gezeigt. Es gibt praktisch keine Störungen, wobei man für Notfälle durch die Zuschaltung eines Ersatzbrenners gerüstet ist.

Umwelt und Klimaschutz

Wir leben heute in Zeiten, wo jede einzelne Maßnahme für den Klimaschutz so notwendig ist, wie nie. Die Energiegewinnung aus Biomasse steigt jährlich rapide an und beträgt in Österreich bereits rund 45 Prozent basierend auf Holz in verschiedenster Form.

Einen zentralen "Nahversorger" in Bezug auf Heizung zu haben, ist für jede Gemeinde ein enormer Vorteil. Man ist unabhängig und die Wertschöpfung bleibt in der eigenen Gemeinde.

Es ist bei uns im Innviertel mehr Holz als je zuvor vorhanden (Käferholz, Windbrüche, Eschensterben) und kann damit sinnvoll genutzt werden. Vor allem aber ist es ein sehr umweltfreundlicher Brennstoff, der nahezu CO2-neutral angesehen werden darf.

Gemeinschaftliche Heizanlagen haben eindeutig einen deutlich höheren Wirkungsgrad als kleine Anlagen. Außerdem werden Feinstaubwerte ständig kontrolliert und die Grenzwerte ohne Probleme eingehalten. Zum Vergleich: Der jetzige Betrieb ersetzt rund 300.000 Liter an Heizöl pro Jahr!

Die Zukunft

Vor zwei Jahren wurde das Firmenkonstrukt neu und zukunftsorientiert in eine GesmbH umgewandelt. Fast alle damaligen Gründer sind noch dabei. Zum geschäftsführenden Gesellschafter wurde Gründungsmitglied Johann Mayrhofer, vulgo "Weinberger", bestellt. Er ist auch die treibende Kraft hinter dem ganzen Betrieb und hat auch schon weiterreichende Pläne in der Schublade.

Neben der Erweiterung der Anschlüsse für Private, aber auch Gewerbebetriebe, denkt man über eine eigene Stromerzeugung nach. Hier ist aber auch Staat und Land am Zug, die solche Projekte fördern bzw. auch für faire Einspeisungstarife sorgen müssen. Ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz wäre es auf jeden Fall.

Vorerst begnügt man sich mit der Erweiterung der eigenen Photovoltaik-Anlage am Gebäudedach, die gerade von 20 auf 40 KW ausgebaut wird.

Zahlen und Fakten

  • Betreiber: Nahwärme Lambrechten GmbH
  • Geschäftsführer: Johann Mayrhofer
  • Kunden: 42 Anschlüsse bzw. Wärmekunden
  • Leitungsnetz: 2,5 km
  • Anlage: Kohlbach 800 KW
  • Versorgung/Verbrauch: rd. 4500 SRM Hackgut/Biomasse,
  • im Vergleich Heizölverbrauch: rd. 300.000 Liter,
  • CO2 -Einsparung: rd. 950 Tonnen / Jahr

 

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