Lade Inhalte...

Innviertel

1,4 Millionen wollen wissen, was Lisa aus Braunau so alles macht

Von Magdalena Lagetar  19. April 2022 18:50 Uhr

1,4 Millionen wollen wissen, was Lisa aus Braunau so alles macht
Influencerin Lisa Übelsbacher aus Braunau

BRAUNAU. Influencerin Lisa Übelsbacher begeistert mit Kurzvideos aus ihrem Alltag

Mehr als 1,4 Millionen folgen ihr auf TikTok. Mehr als 1,4 Millionen – das sind beinahe so viele, wie ganz Oberösterreich Einwohner hat. Lisa Übelsbacher aus Braunau ist für viele schon längst ein Star. Wundern muss sich die 19-Jährige daher nicht mehr, wenn Jugendliche vor ihrem Elternhaus stehen und ihr Zimmer mal sehen wollen. Denn aus diesem hält sie ihre Follower häufig auf dem Laufenden über ihren Alltag – mit kurzen Videos über die Schule, das Haarefärben, ihren Hund Charly, ihre Gedanken und oft auch über psychische Erkrankungen und ihren Therapeuten. Die Follower danken es ihr mit Likes und Kommentaren. Und wollen ein Foto mit ihr, wenn sie sie auf der Straße erkennen. "Sie haben eben viel Anteil an meinem Leben, oft sehen sie mich daher als so etwas wie eine gute Freundin", sagt die 19-Jährige. In ihr Zimmer lässt sie Fremde aber trotzdem nicht. Die Fans haben dafür Verständnis. Oft seien es sehr junge Follower, die sich nicht viel dabei gedacht haben.

Sogar Hund Charly wird erkannt

Ganz unaufgeregt und ehrlich redet sie an diesem Morgen im elterlichen Esszimmer über ihr Leben als Influencerin, das sich in vielen Dingen stark von dem anderer Mädchen in ihrem Alter unterscheidet. Einfach mal so ins Freibad gehen? Eher nicht, oft wird sie ohne ihr Wissen gefilmt und fotografiert. Dasselbe gilt für einen Spaziergang mit Hund Charly. Sogar der wird erkannt, wenn er mit ihren Eltern unterwegs ist.

Warum folgen ihr eigentlich so viele? Den genauen Grund kennt sie nicht. Doch mit den kurzen, ehrlichen, selbstironischen Videos scheint sie genau den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Dabei hat alles ganz anders angefangen. "Ich habe immer schon gerne Videos gedreht. Am Anfang war TikTok mehr mit Musik verbandelt, also hab ich Videos mit Musik gemacht und für meine Freunde hochgeladen", sagt sie. Das machte ihr Spaß. Einmal entschied sie sich, einfach ohne Musik im Hintergrund, mit ihrer eigenen Stimme zu drehen und hochzuladen. "Ich habe es gepostet und hatte dann einen Arzttermin. Auf dem Weg hab ich mir schon gedacht, ich werde es wieder löschen, das interessiert doch keinen. Nach dem Termin haben es schon tausende Leute gesehen", sagt sie.

Lisa unterhält sich mit Lisa

Also hat sie weitergemacht. Ihr Konzept damals? Selbstgespräche. Lisa unterhält sich mit Lisa. Etwa ein Jahr lang hat sie das durchgezogen, immer mehr Follower konnte sie gewinnen. "Und dann machte es keinen Spaß mehr, also habe ich einfach etwas anderes gemacht. Jetzt poste ich, was mir in den Sinn kommt", sagt die 19-Jährige. Naiv ist sie dabei nicht, denn ihrer Verantwortung ist sie sich sehr wohl bewusst. "Ich achte schon sehr darauf, was ich sage, weil ich weiß, dass ich viele beeinflusse", sagt sie. Das ist auch ihr oberstes Credo für Kooperationen mit Firmen.

Denn natürlich, auf eine Influencerin in der Größe sind diese schon längst aufmerksam geworden. Ein Manager in Wien hilft ihr, sich im Dschungel der Anfragen zurechtzufinden. "Ich will nur Kooperationen mit jenen Firmen eingehen, über die wir vorher recherchiert haben. Firmen mit schlechtem Ruf oder undurchsichtigen Lieferketten fallen durch", sagt sie. Das könne sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Wofür sie nie werben würde? Fleisch. "Ich bin Vegetarierin", sagt sie.

Geld verdient sie mit ihrem TikTok-Profil schon längst – und zwar gutes. "Ich überlege, jemanden geringfügig einzustellen, der mir etwas hilft", sagt sie. Denn neben Steuerberaterin, Manager und dem Papa, der bei der Buchhaltung hilft, könnte sie noch mehr Unterstützung gebrauchen.

Ihr Werkzeug: Das Smartphone

Drehen und Schneiden will sie weiterhin selbst – auch wenn die Erfahrungen mit einer "Cutterin" gut waren, "ich will das selbst in der Hand haben", sagt sie. Mehr als ihr Handy braucht sie dazu nicht. Aber sie braucht Zeit. Die will sie sich nach der Matura nehmen, ein Jahr lang wird sie sich nur Social Media widmen. "Ich habe jetzt schon oft Nachtschichten einlegen müssen, das geht aber auf Dauer nicht", sagt sie. Danach kann sie sich ein Studium vorstellen. "Ich weiß ja nicht, wie lange das alles noch so gut läuft", so Lisa.

Social-Media-Pausen gönnt sie sich ab und zu. "Dann kommen schon die ersten Anfragen, ob es mir eh gut geht", sagt sie und freut sich über die Unterstützung. Denn "Hater" gebe es auch. "Aber die tun mir dann einfach leid", sagt sie und nimmt sich kritische Kommentare nicht zu sehr zu Herzen. Denn es seien trotzdem die positiven, die überwiegen.

 

Artikel von

Magdalena Lagetar

Redaktion Innviertel

Magdalena Lagetar

38  Kommentare 38  Kommentare