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Oberösterreich

Illegales Tuning-Treffen mit bis zu 2000 Teilnehmern hielt Polizei in Atem

Von René Laglstorfer  18. Mai 2020 00:04 Uhr

ASTEN, LINZ, WELS. Katz- und Mausspiel mit der Exekutive – Bilanz: 125 Anzeigen und 106 Organstrafmandate.

Ohrenbetäubende Schnalzer durch Fehlzündungen, stinkender Qualm von durchdrehenden Reifen und laut aufheulende Motoren als Provokation für die Exekutive. Dieser Anblick, den man sonst eher vom GTI-Treffen am Wörthersee kennt, bot sich 14 Polizeistreifen, als sie am Samstag gegen 22 Uhr bei einem illegalen Tuning-Treffen am vollen Parkplatz des Astener Einkaufszentrums (EKZ) Frunpark eintrafen. Nach Aufrufen auf dem sozialen Netzwerk Instagram hatten sich dort bis zu 2000 Personen aus der Linzer Tuningszene mit etwa 800 Pkw versammelt, vielfach ohne die Corona-Mindestabstände einzuhalten. "Das hatte eine Dimension, die nur sehr selten vorkommt", sagte ein Polizei-Sprecher. Videoaufnahmen zeigen das Treffen: 

Zahlreiche Straßenrennen

Noch während sich die Versammlung auflöste, riefen die Teilnehmer online dazu auf, das Treffen nach Wels zu verlagern. Dort gingen gegen 23.15 Uhr "unzählige Anrufe" bei der Polizei wegen Straßenrennen auf der Osttangente ein. Auf dem Parkplatz des Welser EKZ Welas Park versammelten sich erneut rund 100 Fahrzeuge. Als etwa zehn Polizeistreifen eintrafen, rasten einige Lenker fluchtartig mit quietschenden Reifen davon.

Illegales Tuning-Treffen mit bis zu 2000 Teilnehmern hielt Polizei in Atem
Eine 40 Meter lange Reifenspur maß der Verkehrsgutachter Robert Bayer gestern am Parkplatz des Frunparks in Asten "aus technischem Interesse" ab.

Gegen Mitternacht verlagerte sich das Tuning-Treffen mit etwa 50 Fahrzeugen auf den Parkplatz des Linzer Infracenters an der Salzburger Straße, an der es schon in den vergangenen Wochen zu Straßenrennen und zahlreichen Anzeigen kam. Einige Teilnehmer hatten es sich auf Campingsesseln gemütlich gemacht, aber den Sicherheitsabstand nicht eingehalten. Die meisten zeigten sich jedoch einsichtig, als sie von den Polizisten angesprochen wurden.

Illegales Tuning-Treffen mit bis zu 2000 Teilnehmern hielt Polizei in Atem
Robert Bayer, Gerichtssachverständiger

Bei einer nahe gelegenen Tankstelle parkten weitere 25 Fahrzeuge, rund 50 Personen standen gruppenweise beisammen. Während der Kontrollen wurden immer wieder Autorennen auf der Salzburger Straße abgehalten und "ungebührlicher Lärm" durch Motoraufheulen und Fehlzündungen verursacht. Gegen 0.30 Uhr gingen bei der Polizei mehrere Anrufe wegen Ruhestörung auf der Wiener Straße (B1) bei der Trauner Kreuzung ein. Dort hatten sich bis zu 750 Personen mit etwa 250 Pkw eingefunden. Neben laut Polizei "unzähligen Missachtungen" des Mindestabstandes stellten die Beamten frische Gummiabriebe auf der Fahrbahn fest, was auf weitere Straßenrennen hindeutet.

Maßnahmen nach Tuning-Nacht

In Summe verteilte die Polizei in dieser Nacht 125 Anzeigen, davon 28 wegen Missachtung der Corona-Bestimmungen, sowie 106 Organmandate. Zwei Kennzeichen sowie 17 Führerscheine von Alkohol- und Drogenlenkern wurden einkassiert. Ein Mann musste wegen aggressiven Verhaltens vorübergehend festgenommen werden.

Als Reaktion auf das Tuning-Treffen kündigte Landespolizeidirektor Andreas Pilsl gestern weitere Schwerpunktkontrollen an.

Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FP) lässt derzeit prüfen, ob nach Straßenrennen auch die Abnahme eines Fahrzeugs möglich ist, wenn es nicht dem Raser, sondern einem Dritten gehört. Laut Landespolizeidirektion würde das in Deutschland und Italien bereits so umgesetzt. "Das Auto wegzunehmen, tut am meisten weh", sagte Steinkellner.

Video: Verkehrslandesrat Günther Steinkellner lässt prüfen, ob den Rasern von illegalen Straßenrennen das Fahrzeug abgenommen werden kann.

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Redakteur Land und Leute

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