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Oberösterreich

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"

Von Manuela Kaltenreiner  18. Mai 2020 00:04 Uhr

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"
Im Dom dürfen 400 Menschen den Gottesdienst besuchen.

LINZ/SCHLIERBACH/PINSDORF. Die ersten Gottesdienste waren sehr gut besucht – Gemeinschaft stand im Mittelpunkt.

"Wir haben heute wirklich Grund dazu, fröhlich zu sein, weil wir wieder beieinander sind", begrüßt Abt Nikolaus Thiel in der Stiftskirche in Schlierbach seine Kirchengemeinde. Die Messe ist gut besucht. "Ich bin überrascht, dass gleich am ersten Sonntag so viele da sind." Es ist ein besonderer Sonntag – für alle: "Die Leute sind froh, dass sie wieder da sind, und wir sind froh, dass die Leute wieder bei uns sind", sagt der Abt.

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"
„Schön ist’s, dass wir endlich wieder Gottesdienste feiern dürfen. Übers Fernsehen oder daheim im kleinen Kreis, das ist schon eigenartig.“ Maximilian Strasser, Dompfarrer Linz

Ähnliche Worte findet auch Dompfarrer Maximilian Strasser: "I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern." Während einige Pfarrkirchen zu klein sind, um einen Gottesdienst für mehr als eine Handvoll Gläubige abhalten zu können, gibt’s im Dom kein Platzproblem. 400 Menschen dürfen trotz Abstands- und Hygienevorschriften die Messe besuchen. Die Freude über das Wiedersehen der vertrauten Mitmenschen ist in den Gesichtern zu sehen. Die Gemeinschaft habe ihnen gefehlt, sind sich die treuen Kirchgänger einig. Und auch der Pfarrer gesteht ein: "Übers Fernsehen oder daheim im kleinen Kreis, das ist schon eigenartig."

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"
Kirchenbesucher, wie hier im Dom, halten sich an Sitzordnung und Maskenpflicht.

Zeit für neue Wege

Zehn Wochen gab es keine Gottesdienste, keine persönlichen Gespräche. Dafür war Zeit, neue Wege zu gehen. Abt Nikolaus hat sein Wissen über die Neuen Medien und Technik aufgebessert. "Traditionell sag ich am Sonntag die Termine im Gottesdienst an, das ging ja nicht mehr. Jetzt weiß ich, dass das Verschicken und Weiterleiten von Whatsapp-Nachrichten in Schlierbach super funktioniert und eine Homepage immer aktuell sein muss." Die vergangenen Wochen hätten aber auch gezeigt, "wie wichtig das Beisammensein ist, wie wir es bisher gewohnt waren. Und ich hoffe, dass wir alle gespürt haben, wie wichtig die Sonntagsgottesdienste sind. Wir haben aber auch gelernt, dass es Alternativen wie Liveübertragungen oder Drive-in-Gottesdienste geben könnte", sagt der Abt.

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"
Sicherheitsabstand auch rund um den Altar

"Es waren ganz andere Leute da, die sonst nie da wären", freut sich Gerhard Pumberger, Pfarrassistent in Pinsdorf, über eine "gute Mischung" bei den Besuchern des Sonntagsgottesdienstes.

"Türen und Mauern öffnen"

Die Menschen feierten aber nicht in der Kirche, sondern auf dem Kirchenplatz im Sonnenschein. Und das mit viel Musik, die sich die Pinsdorfer unter dem Titel "Jukebox der Hoffnung" schon zuvor gewünscht hatten. 60 Menschen fanden Platz, "sogar Radfahrer kamen vom Gmundnerberg runter und haben unserer Musik und unseren Texten von Weitem zugehört und das ist sehr schön." Pumberger haben die vergangenen Wochen auch nachdenklich gestimmt: "Diese leeren Kirchen sind uns ein Mahnzeichen. Wenn wir genauso weiter tun wie vor dem 14. März werden die Kirchen zwar wieder voller werden. Die Frage ist aber, ob sie nicht inhaltsleer bleiben und sich dann auch wieder leeren."

"I gfrei mi, dass wir wieder miteinander feiern"
In Pinsdorf feierten die Menschen im Freien mit viel Musik.

Einige Gläubige würden wieder das Traditionelle wollen, andere ihren Glauben anders leben. "Wir haben in Pinsdorf gemerkt, dass wir mit unseren Ideen, die wir in der Zeit umgesetzt haben, mehr Menschen erreicht haben als mit unseren Gottesdiensten. Wir als Kirche verschanzen uns noch viel zu sehr hinter den verschlossenen Türen und Wänden." Auch an den kommenden zwei Sonntagen werde sich das Pfarrleben vor den Türen der Kirche abspielen. "Wir suchen nach neuen Wegen des Feierns und der Begegnung."

  • Video: Nach der Lockerung der CoV-Maßnahmen war es am Sonntag wieder soweit – die ersten Sonntagsgottesdienste in den Kirchen fanden statt. Doch anders als gewohnt mit Schutzmasken, Handkommunion und großem Abstand zwischen den Besuchern.

Umfrage: Was bedeutet Ihnen der Gottesdienst?

Leere Gotteshäuser. Sonntage ohne Gemeinschaft. Nach der Corona-Krise fanden am Sonntag in vielen Kirchen Gottesdienste statt. Dabei stand das gemeinsame Feiern im Vordergrund. Sitzordnung und Nasen-Mund-Schutz störten nicht.

"Wir haben in der Zeit schon gelernt, wie wichtig das Beisammensein ist, so wie wir es bis dahin gewohnt waren. Und ich hoffe auch, dass alle gespürt haben, wie wichtig die Sonntagsdienste sind. Wir haben aber auch gelernt, dass es Alternativen zu dem Traditionellen geben könnte, wie Live-Übertragungen von Messen oder einen Drive-in-Gottesdienst." 
Abt Nikolaus Thiel, Stift Schlierbach

Video: Oberösterreich heute - Kirchen und Tiergärten wieder offen

"Mein Mann und ich haben in den Wochen Gottesdienste im Fernsehen geschaut und in der Hauskirche gebetet. Manchmal sind wir auch durch den Dom spaziert, aber die gemeinsamen Feiern sind uns abgegangen. Mir hilft der Glaube schon. Ich arbeite in einem Krankenhaus und konnte in den Wochen was tun, aber das Pfarrleben fehlte mir." 
Irene Wurm, Mitglied Pfarrgemeinderat Dom Linz

"Wir freuen uns, wieder in der Gemeinschaft der Pfarre zu sein. Die Sonntagsmesse besuchen wir eigentlich jede Woche, deshalb wollten wir auch heute unbedingt dabei sein. In den Wochen zu Hause haben wir Andachten gemacht, um die Sonntage speziell zu feiern, wie wir es bisher gewohnt waren. Ganz besonders natürlich auch für unsere Kinder."
Familie Resch, besuchte Gottesdienst im Dom in Linz

"Die gemeinsamen Gottesdienste habe ich sehr vermisst, ganz besonders auch die Ausstrahlung, die der Dom hat. Mir bedeutet die Gemeinschaft, besonders bei den Familienmessen, sehr viel. Zu Hause habe ich Gottesdienste gestreamt und jeden Abend mit einer Kerze am Fenster gebetet, dass wir die Situation gut überstehen."
Elfriede Zörner, besuchte Messe im Linzer Dom

"Diese leeren Kirchen in den letzten Wochen sind uns ein Mahnzeichen gewesen. Wir dürfen nicht wieder so weitertun wie vor dem 14. März. Einige werden das Traditionelle der Kirche wieder haben wollen, andere ihren Glauben anders leben wollen. Das ist ein Nachdenkprozess, und wir brauchen neue Formen der Begegnung und des Feierns."
Gerhard Pumberger, Pfarrassistent in Pinsdorf

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Manuela Kaltenreiner

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