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Hoamatland

Weihnachten ist nicht umzubringen

07. Dezember 2019 10:25 Uhr

Weihnachten ist nicht umzubringen

Bedeutung und Botschaft von Weihnachten haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Was ist der Ursprung, und wie feiern junge Menschen heute dieses Fest?

Hoamatland bat Abt Lukas Dikany vom Stift Aigen-Schlägl zum Gespräch mit Schülern der HAK Rohrbach, die allesamt um die 16 Jahre alt sind.

Hoamatland: Welche Bedeutung hat Weihnachten für euch?

Simone: Dass man mehr Zeit mit der Familie verbringt. Paul: Für mich hat es nicht wirklich eine große Bedeutung – also keine religiöse. Wir schmücken einen Christbaum, essen, danach gibt es die Bescherung und dann sitzen wir beisammen – es ist ein gemütliches Familienfest. Abt Lukas: Für mich ist es das Fest der Menschwerdung – Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Bei jeder Geburt steckt immer Menschwerdung drin, und das haben wir nie abgeschlossen – nicht mit zehn, 15 oder 90 Jahren.

Gott ist in Christus Mensch geworden – das ist der Ursprung des Festes, das wir feiern. Wie sieht das bei euch aus? Spielt dieser Aspekt, spielt die Religion bei euch zu Weihnachten eine Rolle?

Simone: Ja … allerdings eher wegen meiner Oma. Es gehört aber schon alles dazu: Wir gehen erst in die Kirche, dann essen wir, und dann gibt es die Bescherung. »»»

Du bist Muslimin, wie sieht es bei euch aus?

Leonisa: Für uns ist es ein normaler Tag – ohne Feiern, ohne besonderes Essen.

Und du? Du bist ohne Bekenntnis ...

Lucie: Wir feiern schon, weil es ja schön ist, sich zusammenzusetzen.

Lebt jemand in einem Patchworkverbund? Wie feiert ihr?

Jakob: Am 24. feiern wir bei meiner Mama, am nächsten Tag bei meinem Papa. Das finde ich schon fesch, wenn man mit zwei Familien feiern kann.

Der Ursprung des Festes ist in den Hintergrund getreten. Stört Sie das?

Abt Lukas: Die Welt ändert sich. Wir haben nicht den Anspruch, dass alles so bleibt, wie es gewesen ist. Das wäre furchtbar. Nehmen Sie die Schule. Als ich zur Schule gegangen bin ... das kann man mit heute nicht vergleichen. Aber: Es ist schon etwas gleich geblieben, nämlich, dass wir etwas gelernt haben.

Geht der Sinn des Festes verloren?

Abt Lukas: Man muss schon schauen, wo der Sinn liegt und dass er nicht verloren geht. Aber Weihnachten ist ein Familienfest. Es liegt in der Natur der Sache, dass, wenn ein Kind zur Welt kommt, alle zusammenkommen. Gibt es etwas Schöneres als zusammenzusitzen, etwas Gutes zu essen, nicht zu fasten?

Aber es war einmal ein Fastentag.

Abt Lukas: Der 24. Dezember war bis zum Abend Fasttag, das war als Vorbereitung gedacht. Ich muss mich auf etwas, was wichtig ist, vorbereiten. Sonst bleibt es halb. Wie in der Schule, da bereiten wir uns ja auch vor.

Bereitet ihr euch auf Weihnachten vor? Macht sich jemand Gedanken über die Botschaft, oder denkt ihr: "Hui, Weihnachten kommt, jetzt wird es Zeit fürs Geschenkekaufen" ...

Pascal: Kommt darauf an, um wen es geht, wenn es ein enges Familienmitglied ist, dann überlege ich schon mehr.

Wer verschenkt heuer Zeit?

Natascha: Ich, aber nicht nur Weihnachten. Ich verbringe auch unterm Jahr Nachmittage bei meiner Oma – zum Plaudern. Seine Oma hat man nicht ewig, da gebe ich ja gerne Zeit zurück. Abt Lukas: Ich mache es auch so bei meiner Mama, ich schenke Zeit, sie fährt gerne ins Musiktheater und sie käme da sonst nicht hin – und so ist es für beide ein schöner Tag. Ohnehin wird Schenken immer schwerer, weil wir alles haben.

Zeit schenken ist wunderbar, aber wenn jeder jedem immer Zeit schenken würde, dann kämen wir alle ordentlich unter Zeitdruck, oder? Sowohl Schenker als auch Beschenkter.

Simone: Nein, man nimmt sich die Zeit! Natascha Mitterlehner-Roth: Das glaube ich auch. Jedes Jahr bin ich erschüttert, wie der Geschenkeberg für meine Kinder wächst. Ich habe versucht, das abzudrehen, aber jeder fühlt sich verpflichtet, den Kindern etwas zu schenken. Aber die Kinder sind mit dieser Geschenkeflut überfordert. Ich schenke meiner Familie eine Reise, also ein paar Tage, die wir gemeinsam verbringen. Simone: Es ist g’scheit schwer. Meine Eltern zum Beispiel, die haben alles, außer eben Wellnessgutscheine – die schenken wir her. Damit beide mehr Zeit miteinander verbringen können.

Ab wann macht ihr euch über die Geschenke Gedanken?

Judith: Ich komme immer recht in Stress. Irgendetwas wird dann noch spontan gekauft oder gebastelt.

Was aber heißt, du nimmst dir bewusst für einen Menschen Zeit?

Judith: (lacht) Ja. Aber es ist aus der Not. Abt Lukas: Wenn ich mir Zeit nehme, um einem Menschen zu schreiben, also meine Verbundenheit zum Ausdruck bringe, dann bereitet das große Freude. Im Kloster sind wir 25 Mitbrüder, und wir wichteln. Ich finde das schön, dass wir nicht sagen: Wir brauchen eh nix, wir schenken uns nix. Das kann nämlich sonst recht kühl werden. Ich empfinde die Dimension des Schenkens als Chance, als etwas Wesentliches im Leben. Weil letztendlich schenke ich mich ja selber mit dem Geschenk.

Wird in der Klasse gewichtelt und wichtelt jemand zu Hause?

Natascha Mitterlehner-Roth: Wir mache das in der Klasse wieder, ja! »

» Manuel: In der Verwandtschaft ziehen wir Weihnachten den Namen für nächstes Jahr. Das macht es entspannter, weil man nur einen beschenken braucht. Und man passt das ganze Jahr über auf, was der andere braucht.

Macht sich sonst noch wer Gedanken übers Jahr, oder passiert das spontan?

Schweigen in der Klasse ...

... das sieht nach spontan aus.

Natascha Mitterlehner-Roth: Ich kaufe das ganze Jahr und gebe es in ein Depot – ich hab’ schon alles beisammen.

Wie feiern Sie im Stift?

Abt Lukas: Nach der Morgenmesse fahre ich ins Krankenhaus, da sind der 24. und der 25. Dezember großes Thema. Es gibt Leute, die zuhause so einsam sind, dass sie ins Krankenhaus kommen, weil sie hier einen Bettnachbarn haben. Am Abend geht es retour ins Stift zur Abendgebetszeit. Dann gibt es Abendessen, wir entzünden Kerzen am Christbaum, machen eine kurze religiöse Feier, singen, und der Jüngste richtet ein paar Worte an die Gemeinschaft.

Weihnachten ist Fest des Heilands, für viele Menschen ist es aber alles andere als heil, es ist vielmehr Schmerzverstärker. Habt ihr darüber schon einmal nachgedacht?

Simone: Ja. Bei uns feiert erstmals die Oma mit, weil Opa im Sommer gestorben ist. Sie wäre sonst alleine. Jakob: Zu uns kommen Oma und Opa, sie würden sonst alleine feiern, und das wollen wir nicht und ich glaube, sie auch nicht, sie sagen es zwar nicht, aber ich glaube, sie freuen sich, dass wir gemeinsam feiern. Marlene: Ich war früher Herbergssuchen. Ältere Menschen meldeten sich bei der Kirche, und wir haben sie dann besucht, etwas vorgespielt, Gedichte aufgesagt ... Das habe ich fünf Jahre lang gemacht, das war wirklich schön.

Viele Menschen trauen sich nicht, ihre Einsamkeit zu artikulieren. Ist da der Stolz zu groß, sich etwas einzugestehen, nämlich dass man einsam ist?

Abt Lukas: Die Hemmschwelle ist so groß, zu sagen, ich bin einsam, zerstritten oder in einer unheilvollen Situation, weil zu Weihnachten der Druck so groß ist, dass es heil sein soll. Den Frieden können wir aber nicht herbeizaubern, da sind wir alle gefordert.

Weihnachten ist Ausdruck der Existenz Gottes. Ist das noch relevant?

Abt Lukas: Weihnachten ist nicht umzubringen. Selbst wenn die Wirtschaft es fallen ließe. Alle haben dieses Urempfinden: Ich bin nicht alleine auf der Welt, es gibt jemanden, der mich begleitet.

Feiert jemand Advent mit Keksebacken, Singen …? Zeigt bitte auf ... Ein Drittel. Ist der Advent besonders?

Simone: Es ist viel schöner. Abt Lukas: Schön ist, dass diese Schönheit so schlicht ist. Es genügt eine Kerze, ein Geruch – es geht über Nase, Augen, aber es wirkt aufs Herz.

Nehmen Sie die Stille bewusst wahr?

Abt Lukas: Man muss sie suchen. Wenn ich allein im Wald spazieren gehe, werde ich sie hören. Wenn es außen still wird, beginnt es innen zu reden. Die Stille fragt das Leben an, und ich muss eine Antwort geben.

Sucht ihr gelegentlich die Stille?

Simone: Sich dem Alltag entziehen und nachdenken ... hin und wieder. Natascha Mitterlehner-Roth: Die Stille ist schwer zu finden. Es ist eine Zeitfrage – auch, wie alt die eigenen Kinder sind. Und in der Schule ... auch nicht.

War Weihnachten früher anders?

Pascal: Es war besonders, weil man noch ans Christkind geglaubt hat, jetzt ist es ein gemütliches Zusammensetzen. Simone: Früher hat man sich voll gefreut, weil man ja auch nicht wusste, was man bekommt. Heute ist es so viel, da freut man sich gar nicht mehr so. Natascha: Ich bekomme meist Wunschgeschenke, weil ich gleich danach auch Geburtstag habe. Aber ich würde mich auch über eine Überraschung freuen.

Was wünscht ihr euch?

... Handy, Reithelm, Reitstiefel ... Natascha Mitterlehner-Roth: Dass es der Familie gut geht, Gesundheit. Abt Lukas: Frieden im Großen und Kleinen. Weihnachten hat immer auch die Botschaft des Friedens. «

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