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Oberösterreich

Prozess in Steyr: Lebenslange Haft für bestialischen Mord an Ehefrau

Von Gabriel Egger  22. Juni 2021 12:07 Uhr

OBER…STERREICH: MORDPROZESS NACH BLUTTAT AN EHEFRAU IN ASCHACH AN DER STEYR
Der Angeklagte vor Gericht

STEYR. Franz H. hat gestanden, seine Gattin erschlagen und danach mit dem Messer auf sie eingestochen zu haben. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Er habe sich so viel ärgern müssen, sagt Franz H. vor dem Richter. Vor allem in den Wochen bevor er mit dem „Eisenhammer in ihr Schlafzimmer marschiert“ ist. Der 75-Jährige sitzt im Rollstuhl, als er den Geschworenen im Landesgericht Steyr von jener kalten Jännernacht dieses Jahres erzählt, in der er sich im Einfamilienhaus in Aschach an der Steyr „von ihr erlöst“ hat.
Er wirkt körperlich gebrechlich, aber nicht wie ein gebrochener Mann.

Detailliert und stoisch erzählt er den Geschworenen, wie er am 17. Jänner dieses Jahres zunächst mit einem Hammer 23 Mal auf seine schlafende Ehefrau Rosina H. eingeschlagen und danach mit drei unterschiedlichen Messern zumindest 54 Mal auf sie eingestochen hat. Wie er sich danach eine Mischung aus 80-prozentigem Rum, Benzin und Dieselöl gerichtet hat, um sich das Leben zu nehmen. Es blieb beim Versuch. 

Im Keller für die Tat trainiert

Aus Kleinigkeiten seien im Laufe der Jahre heftige Streitereien geworden, aus Liebe wurde Hass. „Ich hab’ mir halt schwergetan, freundlich zu ihr zu sein. Ich hab’ meine Frau einfach gehasst“, sagt Franz H. Rosina H., die als freundliche und liebenswerte Frau bekannt war, ließ die Wutausbrüche ihres Mannes über sich ergehen. 

Wenn sie vergessen hatte, die Herdplatte auszuschalten, habe er sie geschubst. Wenn sie den Schlüssel vergessen hatte, schrie er durch die Nachbarschaft. Als Rosina H. am Silvesterabend 2020 nicht mit ihm bis Mitternacht gewartet hatte und frühzeitig ins Bett ging, war er zutiefst gekränkt. Er fasste einen grausamen Plan.

Franz H. begann im Keller zu trainieren. Mit Hanteln stärkte er seine Muskeln in den Armen, um am Tattag auch genügend Kraft zu haben. Wenige Tage vor der Tat holte er einen Hammer aus Kupfer und Handschuhe aus dem Keller und versteckte sie in einem Nebenzimmer. Am Tag der Tat habe er gewartet, bis seine Frau schlief. Er sei schon einmal kurz davor gestanden, Rosina H. zu töten.
„Aber da kam in der Nacht plötzlich der Schneepflug“ Als Rosina H. am 17. Jänner in ihrem Zimmer tief schlief– es war 2.30 Uhr früh –, sei er schließlich losmarschiert.

„So etwas macht man nicht“

„Ich bin rein und hab’ sofort zugeschlagen“, beschreibt Franz H. weiterhin völlig emotionslos die bestialische Tat. „Ich wusste, der erste Schlag muss sitzen. Sonst ruft sie vielleicht um Hilfe.“
In einem „totalen Wahn“ habe er dann mehrfach auf sie eingestochen. Mittlerweile, sagt Franz H., bereue er die Tat. „So etwas macht man nicht. Das ist furchtbar, einfach grauenhaft. Ich hätte mich einfach scheiden lassen sollen. Aber dann hätte ich ausziehen müssen.“

Auch der Bruder von Rosina H., der seine Schwester tot aufgefunden hatte, kommt zu Wort. Franz H. habe einen „Hass auf Gott und die Welt“ gehabt, er selbst habe seine Schwester mehrfach von einer Scheidung überzeugen wollen. Vergeblich.

Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner führt in ihrem Gutachten aus, Franz H. sei ein „profunder Narzisst und ein Familientyrann“. Einer, der alles für sein eigenes Wohl tun würde, ohne Rücksicht auf Verluste. Im Erkennen der Realität sei er durch seine narzisstische Persönlichkeitsstörung aber nicht beeinträchtigt und zum Tatzeitpunkt voll zurechnungsfähig gewesen.


Das Schuldeingeständnis von Franz H. zeigte bei den Geschworenen keine Wirkung. Denn Reue war im Gerichtssaal nur schwer zu erkennen. Der 75-Jährige wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er nahm die Strafe emotionslos an.

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Redakteur Land und Leute

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