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Oberösterreich

Ein Kirchturmkletterer aus Tirol wird die Zeitkapsel des Mariendoms bergen

Von René Laglstorfer   24. April 2019

Ein Kirchturmkletterer aus Tirol wird die Zeitkapsel des Mariendoms bergen
Andreas Mayerl akrobatisch beim Anstoßen in Eferding.

LINZ. Dem wohl waghalsigsten Brotberuf des Landes geht Andreas Mayerl nach. Auf mehr als 500 Turmspitzen von Kirchen, Burgen und Schlössern ist der 42-Jährige schon geklettert

"Hauptsächlich am Seil hängend, selten am Gerüst", sagt der auf Turmsanierungen spezialisierte Kirchenrestaurator – ein seltener Job, der die vier Lehrberufe Dachdecker, Maler, Spengler und Zimmerer vereint.

Mitte Mai wird der "Kirchturmkletterer" die im Jahr 1902 auf der Spitze des Linzer Mariendoms verankerte Turmkugel samt Zeitkapsel erstmals zu Boden bringen. "Jede Öffnung von Turmkugeln hat etwas Feierliches, weil sie nur alle zwei, drei Generationen stattfindet. Aber wenn so etwas zum allerersten Mal passiert, wie jetzt nach 117 Jahren beim Linzer Mariendom, dann ist es etwas ganz Besonderes", sagt Mayerl. Der Osttiroler hat er schon historische "Schätze" aus Zeitkapseln von rund 200 Kirchtürmen in ganz Österreich und Südtirol geholt, davon knapp die Hälfte in Oberösterreich.

100 Jahre alter Schnaps am Turm

In Rohrbach fand Mayerl in der Turmkugel der Stadtpfarrkirche auf knapp 75 Metern Höhe einen kleinen Metallzylinder mit etwa 70 Jahre alten Urkunden und einem Fläschchen mit Gebetszettelchen an den Wetterheiligen Donatus, der das Gotteshaus vor Blitzschlag schützen sollte. Der Heilige dürfte seine Arbeit gut gemacht haben, in den vergangenen Jahrzehnten legte ein Blitz nur ein Mal die Elektrik lahm. "Wirklich überrascht war ich, als ich in einer Südtiroler Turmkugel eine Zeitung aus dem Jahr 1908 fand und damals schon Werbung für Kinderspielzeug abgedruckt war", sagt Mayerl. In Gramastetten barg er eine Urkunde aus dem Jahr 1792. "Das war mein ältester Fund – so lange ist das Kreuz nicht mehr vom Kirchturm heruntergekommen."

Seine kurioseste Entdeckung in mehr als 20 Jahren als Kirchenrestaurator machte der Chef von zwölf Mitarbeitern jedoch im Hausruckviertel. Arbeiter dürften sich dort einen Jux erlaubt haben. Sie schlossen am 52 Meter hohen Kirchturm von Stroheim unter anderem auch eine Flasche Hochprozentiges in die Zeitkapsel mit ein. "Ob der Schnaps nach über 100 Jahren noch genießbar war, weiß ich nicht. Wir stoßen auf der Kirchturmspitze nach getaner Arbeit immer mit Wein an, dann werfen wir die Gläser zu Boden – das ist unser Ritual", sagt Mayerl.

Erklimmt der Bischof den Turm?

Vom Turm des Linzer Mariendoms aus werden die Weingläser aus Sicherheitsgründen wohl am Gerüst landen. Offen ist noch die Frage, ob Mayerl die Zeitkapsel mit den möglicherweise historischen Schätzen in luftiger Höhe oder am Boden an Bischof Manfred Scheuer und Altlandeshauptmann Josef Pühringer übergeben wird. "Nachdem euer Bischof ja bei uns in Tirol das Bergsteigen gelernt hat, könnte er ruhig zu uns auf die Turmspitze kraxeln", sagt Mayerl mit einem Schmunzeln und lacht.

Spenden für die Sanierung des Linzer Mariendoms per IBAN: AT21 1500 0007 2146 9922

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