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Oberösterreich

Die Welle rollt an: Wappnen für den Omikron-Notfall

Von Gerhild Niedoba und Michael Schäfl  05. Januar 2022 00:04 Uhr

Die Welle rollt an: Wappnen für den Omikron-Notfall
Damit die Helfer auch während der Krise zur Verfügung stehen können, braucht es jetzt weitere Maßnahmen.

LINZ. Rückkehr der Pensionierten und gestaffelte Essenszeiten: Weder Einsatzkräfte noch Systemerhalter können sich Ausfälle leisten.

Es dürfte laut Experten nur noch eine Frage von Tagen bzw. wenigen Wochen sein, bis die Omikron-Welle mit voller Wucht bei uns aufschlägt. Der Krisenstab des Landes Oberösterreich rechnet bis dahin, wie berichtet, mit einem steilen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenzen auf 4000 pro 100.000 Einwohner. Dann wären 60.000 bis 70.000 Landsleute auf einmal infiziert. Das komme einem Lockdown gleich, kündigte Tilman Königswieser, Mitglied des Krisenstabs und Leiter des Salzkammergut Klinikums, an. Zu erklären sei dieser Stillstand mit dem Fehlen von Personal in Schulen, bei der Polizei oder in Spitälern.

In Anbetracht dieser (düsteren) Prognosen wollen sich sämtliche Einsatzorganisationen nun für eine mögliche, durch Covid-Krankheitsfälle bedingte Personalknappheit wappnen.

Um eine Durchmischung des Personals zu vermeiden, gelten etwa in der Landespolizeidirektion für das Personal – neben den längst einstudierten Hygienemaßnahmen – in den jeweiligen Abteilungen ab sofort gestaffelte Essenszeiten. Dabei werde auch darauf geachtet, dass die Beamten in "extra zugewiesenen Räumlichkeiten und zu genauen Zeiten" ihre Essenspausen einlegen, sagte Polizeisprecher Michael Babl gestern im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Nur "zeitkritische Einsätze"

Beim Landesfeuerwehrkommando werden derzeit die Helfer nur noch zu "zeitkritischen Einsätzen" wie etwa Bränden oder schweren Verkehrsunfällen mittels Sirene bzw. Pager gerufen, sagte Markus Voglhuber, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes. Über alle anderen Einsätze werde nur noch der Kommandant der zuständigen Feuerwehr informiert, der dann eine kleinere Gruppe von Helfern telefonisch alarmiert.

Wer nicht im Dienstplan steht, dem ist der Zutritt zu den Dienststellen des Roten Kreuzes untersagt. Die Arbeit, egal ob im Rettungsdienst, in den mobilen Pflegediensten oder bei Essen auf Rädern, darf nur antreten, wer einen 2,5G-Nachweis vorlegen kann. Bei Kontakt mit Patienten sollen die Helfer nicht nur FFP2-Maske, sondern auch Handschuhe und Augenschutz tragen.

In der Oberösterreichischen Gesundheitsholding, die neben dem Kepler Uniklinikum fünf Regionalkliniken betreibt, werde man im Ernstfall pensionierte Mitarbeiter in den Dienst zurückholen, wie Sprecherin Jutta Oberweger sagte. Derzeit seien die Personalausfallzahlen noch "sehr stabil", die Omikron-Variante aber auch "noch nicht so entwickelt".

So rüsten sich die Organisationen für den Omikron-Ernstfall:

Polizei setzt auf Homeoffice und Gruppenarbeit

Bereits seit Pandemiebeginn gilt bei der Polizei FFP2-Maskenpflicht in den Gebäuden sowie in den Funkwägen. Um jetzt aber eine Durchmischung der Belegschaft zu vermeiden, dürfen die Beamten in der Landespolizeidirektion nur noch in einzelnen Büroteams gestaffelt zum Mittagessen in die Kantine gehen. In den Polizeiinspektionen werde der 24-Stunden-Dienst nun unter drei verschiedenen Teams aufgeteilt, sagt Polizeisprecher Michael Babl. Zudem werde darauf geachtet, dass überall dort, wo es möglich ist (wie etwa in der Administration), das Personal im Homeoffice arbeitet. Auch pensionierte Beamte sollen jetzt wieder zurückgeholt werden – allerdings für den Einsatz in der Gesundheitsbehörde des Landes.

Polizist im Einsatz

Rettung: Handschuhe und Augenschutz

Kein Dienstantritt ohne gültiges negatives Testergebnis und Online-Gesundheitstest. So lautet die Prämisse beim Roten Kreuz. Für alle im Rettungsdienst gilt: Sie müssen nicht nur Handschuhe und FFP2-Maske, sondern auch einen Augenschutz tragen. Bei Kontakt mit positiv-getesteten Patienten muss eine erweiterte Schutzausrüstung getragen werden. „Wer nicht auf dem Dienstplan steht, darf außerdem nicht in die Dienststelle hinein“, sagt Rotkreuz-Sprecher Christian Hartl. In den Dienststellen selbst gilt neben einer 2,5G-Regel die FFP2-Maskenpflicht. „Geselliges Zusammensein“ sei nur in Kleingruppen und nur bei Einhaltung von 2G erlaubt. Besprechungen finden nur online statt.

Feuerwehr: Beschränkter Sirenenalarm

Um eine allzu große Durchmischung bei den insgesamt 94.000 freiwilligen Helfern im Land zu vermeiden, will der Oö. Landesfeuerwehrverband in den kommenden Wochen nur noch bei dringenden Einsätzen Sirenenalarm auslösen. Ansonsten wird zunächst bloß der zuständige Feuerwehrkommandant informiert, der dann telefonisch eine kleinere Truppe alarmiert. „Dadurch sollen nicht unnötig viele Leute auf einmal zusammenkommen“, sagt Sprecher Markus Voglhuber. „Die Hilfe ist aber immer gesichert.“ Bestehende Maßnahmen würden fortgeführt: Beschränkung der Ausbildungen sowie das Tragen einer FFP2-Maske. „Da wir auf ehrenamtliche und freiwillige Helfer zählen, setzen wir auf Eigenverantwortung.“

Verkehrsunfall im Kreuzungsbereich in Ansfelden
Feuerwehr im Einsatz

Energie AG: Teamtrennung und Reserven

Wegen der Omikron-Welle bereitet die Wien Energie eine Isolation von 50 Mitarbeitern vor. Sie sollen für vier Wochen an den Arbeitsplätzen leben. Eine Maßnahme, die man bei der Energie AG Oberösterreich nicht plant. Die Durchimpfung liege bei den Mitarbeitern bei mehr als 80 Prozent. „Die allgemeinen Maßnahmen sind sowieso in Kraft“, sagt Sprecher Michael Frostel. „In besonders sensiblen Bereichen wie Netz und Erzeugung gelten Teamtrennung und kontaktlose Dienstübergabe.“ Zusätzlich halte man Personal vor.

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