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Oberösterreich

"Die Frage ist, ob die Entscheidungsträger diese Chance ergreifen"

Von Barbara Eidenberger  27. Mai 2021 10:48 Uhr

Wie hat die Pandemie die Lehre an den Universitäten verändert? Und welche Veränderungen bringt dies für Medienpädagogik mit sich? Ein Interview mit Lukas Jakob Löcker von der Abteilung Mediengestaltung an der Kunstuniversität Linz.

Wie hat sich die Pandemie auf die Bildung ausgewirkt?

Schwierig war vor allem das Planen. In der Lehre steckt man ja gerne Ziele ab und plant die Inhalte so, dass sie Sinn machen. Wenn man keine Zeitlichkeiten und keine Planungssicherheit hat, ist das natürlich ungleich schwerer. Es ist also entscheidend, einerseits zu planen, gleichzeitig aber flexibel zu sein und auf die Rahmenbedingungen zu reagieren, die von außen hereingetragen werden. Das bedingt, dass man sich neue Wege in der Vermittlung suchen muss, eben Distance Learning und Arbeiten im digitalen Raum. Auch für die Studierenden eine Herausforderung, deren Praxis als angehende MedienpädagogInnen ja an den Schulen stattfinden sollte. Auch diese müssen sie jetzt digital bestreiten. Wir alle sind gefordert mit unterschiedlichen Medien möglichst kreative und didaktisch-pädagogisch funktionierende Lösungen zu finden. 

Wie funktioniert die Lehre im Distance Learning generell?

Bei uns an der Abteilung recht gut. Im Bereich Mediengestaltung haben wir natürlich auch einen Vorteil, weil die Auseinandersetzung mit verschiedenen Medien bei uns dazugehört. 

Und was fehlt?

Der persönliche Kontakt natürlich. Das Fehlen von gemeinsamer Zeit und einem gemeinsamen Raum. Gerade in der Vermittlung ist der soziale Kontakt wichtig, um selbst pädagogisch-didaktische Fähigkeiten zu erlernen. Es fehlt das unmittelbare Feedback. Ich habe gemerkt, dass eine zusätzliche Kommunikationsebene notwendig ist. Es reicht nicht, mit virtuellen Sessions den realen Raum zu kompensieren. Es braucht eine zweite Ebene um sich auszutauschen.

Diesen Eindruck hatte man beim Distance Learning ja oft: Wir transformieren das, was normalerweise im Klassenzimmer passiert vor einen Bildschirm und das wird schon reichen. Ich nehme an, das reicht nicht?

Ja, das sehen wir auch so. Distance Learning ist schon ein Mehraufwand, das muss mitbedacht werden. Die Vorbereitung und auch die Nachbereitung sind einfach anders. Und auch die Art und Weise, wie man mit Inhalten oder der Bereitstellung von Materialen umgeht. Dazu kommen natürlich auch die Lebensrealitäten der Studierenden, die zum Teil nebenher arbeiten oder schon Familie haben. Das sind noch einmal besondere Herausforderungen.

Umgekehrt könnte man meinen, dass gerade für sie eine flexiblere Gestaltung der Lehrveranstaltungen von Vorteil ist. 

Diesen Aspekt sehe ich natürlich auch ganz stark, vor allem im universitären Umfeld. Da kann man  die eigenen starren Vorstellungen durchaus hinterfragen und neue Wege gehen. Selbst wenn wir nicht mehr Distance Learning machen müssen, werde ich auf jeden Fall das Thema Selbstorganisation und Flexibilität noch stärker aufgreifen. Das war eine positive Erfahrung.

Die Lehre wird sich also verändern?

Sie wird sich verändern müssen. Durch das einarbeiten der positiven Aspekte ergibt sich auch ein neues Methodenfeld. Auch wenn die Ausbreitung der Pandemie eingegrenzt wird, werden wir auf die eine oder andere Art mit den Auswirkungen zu tun haben. Da ist es gut, ehemals starr gedachte Konstrukte und Inhalte zu verändern und anzupassen. 

Das Bildungssystem in Österreich hat den Ruf besonders beharrlich und beharrend zu sein. Dass nun über ein Jahr alles anders war, hat das das System auch ein Stück weit überfordert?

Es ist eine Überforderung. Aber es ist eine Grenzerfahrung, die auch Chancen bietet. Wenn das starre Konstrukt in Schwingung gerät, bietet das immer eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Die Frage ist, ob die Entscheidungsträger diese Chance, die zum Teil ja auch eine Notwendigkeit ist, ergreifen können. Jetzt zeigt sich, wo Schwächen liegen. Das würde schon Möglichkeiten bieten zur Öffnung, sei es bei den Medien, dem Denken in Fächerkonstrukten und ähnliches. Aber all das führt zu einer höheren Notwendigkeit von Kommunikation. Ich bin ein hoffungsloser Optimist und denke, dass dies durchaus passieren kann. 

Wie groß ist die Gefahr, dass diese Unsicherheiten dazu führen, dass man sich in bekannte Konstrukte flüchtet?

Das ist die Kehrseite der Medaille. Ich denke, dass die Autonomie der Regionen und Bildungseinrichtungen in Österreich da zu sehr starken Abweichungen führen werden. Also einerseits die Flucht in Gewohntes und andere werden den Schritt zur Öffnung gehen. Das zeigt die Grundhaltung seit Jahren: Es gibt keine Diskussion über die Frage, wie man welches Medium nutzt oder ob es nur um die  Anwendung der Technik geht. Das ist der Unterschied, warum es digitale Grundbildung als verbindliche Übung bereits gibt und Mediengestaltung noch nicht so fixiert ist.“ Das eine ist das funktionieren innerhalb eines Systems und leichter greifbar. Das andere ist ein kreativer Moment der kritischen und freien Auseinandersetzung. 

Zeigt sich das nicht auch in der öffentlichen Diskussion, in der Digitalisierung im Bildungswesen als technische Ausstattung verstanden wird?

Die technische Ausstattung ist sehr wichtig um die gestalterischen Prozesse angehen zu können. Aber es fehlt ein Stückweit genau dieser Schritt darüber um die Skills weiter auszubilden, die man aufgrund des technischen Verständnisses hat. Also die Frage: Wenn ich auf Schwierigkeiten stoße, wie kann ich meine Fähigkeiten nutzen um damit umzugehen? 

Sie haben für Ihre Abteilung das Jahresthema Metamorphose gewählt. Wie kam es dazu?

Im Vorjahr zeigte sich schon im Sommersemester klar, dass ganz viele Veränderungsprozesse passieren ohne dass wir eine Handhabe dafür haben. Es fehlte etwas und gleichzeitig gab es einen Mehraufwand um das zu kompensieren. Und dabei nicht zu frustriert zu werden. Dazu kommen auch die sozio-politischen Ungleichheiten, die sichtbar wurden. Wir wussten nicht, wie das Uni-Jahr im Herbst beginnen wird. Deshalb das gemeinsame Jahresthema um sich mit beiden Seiten der Münze, die wir schon besprochen haben, auseinanderzusetzen. Und das auf eine kreative Art und Weise, die die Studierenden in eine Position bringt, in der man nicht nur ausgeliefert ist, sondern gestalten kann. Ein Teil der Ergebnisse wurden im Pop-up-Labor im Splace der Kunstuniversität Linz am Hauptplatz  unter dem Titel „METAMORPH:WE – Transformation on Display“ gezeigt. Die gesamten Ergebnisse sind dann im August im Splace zu sehen.

Lukas Jakob Löcker ist Universitätsassistent der Abteilung Mediengestaltung am Institut für Kunst & Bildung an der Kunstuniversität Linz – er ist für die inhaltliche und organisatorische Ausrichtung der Abteilung verantwortlich.

Artikel von

Barbara Eidenberger

Leiterin Online-Redaktion

Barbara Eidenberger
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