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Oberösterreich

Coronavirus: Ärzte setzen Hoffnung in diese Medikamente

Von Michael Schäfl und Dietlind Hebestreit  26. März 2020 00:04 Uhr

Coronavirus Ärzte
„Remdesivir“ und „Actemra“ sollen bei Covid-19 den Krankheitsverlauf deutlich mildern.

LINZ/SALZBURG. "Remdesivir" und "Actemra": Arzneimittel gegen Ebola und Arthritis sollen auch bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten wirken.

Bis ein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist, dürften noch Monate vergehen. Frühestens im Herbst könnte ein solcher zur Verfügung stehen, sagen Mediziner.

In der Zwischenzeit geben aber Medikamente wie "Remdesivir" und "Actemra" Hoffnung im Kampf gegen das Virus. Am Landeskrankenhaus Salzburg werden diese Arzneimittel bei Corona-Erkrankten eingesetzt. Mit Erfolg.

"Diese Medikamente finden eigentlich bei der Behandlung von anderen Krankheiten Anwendung, sie zeigen allerdings auch gegen das Coronavirus Wirkung", sagt Richard Greil, Vorstand der Abteilung Innere Medizin 3 am Salzburger Landesklinikum, in einem Online-Gespräch.

 

 

China genehmigte Zulassung

Große Hoffnungen setzen Ärzte in das Arthritismittel "Actemra" des Schweizer Pharmakonzerns Roche. Anfang März genehmigte Chinas nationale Gesundheitsbehörde den Einsatz des Medikaments bei Corona-Erkrankten mit schweren Lungenschäden.

Auch am Salzburger Klinikum wird das Medikament eingesetzt, allerdings vorerst nur zu Testzwecken. Denn für die Behandlung von Corona-Patienten ist der Wirkstoff bisher nur in China zugelassen. Die ersten Ergebnisse seien aber vielversprechend, so Greil.

 

 

"Auch wir haben den Wirkstoff in den vergangenen Tagen bei der Behandlung von vier Patienten eingesetzt und bereits erste Erfolge erzielt. Mit "Actemra" konnten wir die Symptome der Erkrankten massiv vermindern", so der Mediziner. Da das Salzburger Klinikum in den vergangenen Monaten einen Vorrat des Medikaments angelegt habe, stünde derzeit die Arznei für die Behandlung von knapp 150 Patienten zur Verfügung.

Im Medikament mit dem Handelsnamen "Actemra" steckt der Antikörper Tocilizumab, der im Körper überschießende Immun- und Entzündungsreaktionen hemmt, indem er die Kaskade an Botenstoffen, die auch das Coronavirus auslöst, unterbindet. Der Sturm an Botenstoffen würde ansonsten einen Schockzustand auslösen, der auch ein Versagen von Nieren, Lunge und Herz zur Folge hätte.

 

 

Ebola-Medikamente helfen

Ein weiterer vielversprechender Wirkstoff im Kampf gegen das Coronavirus ist "Remdesivir". Das eigentlich gegen Ebola entwickelte Medikament greift die Viren direkt an und verhindert deren Ausbreitung im Körper. Anwendungsstudien dazu laufen bereits in China und in den Vereinigten Staaten.

Auch am Salzburger Landesklinikum ist der Einsatz geplant. "Noch diese Woche werden wir den Wirkstoff in der Corona-Behandlung verwenden", sagt Universitätsprofessor Greil. "Remdesivir scheint aktuell eines der besten Medikamente gegen das Virus zu sein." Wichtig sei, den Wirkstoff früh genug einzusetzen – also bevor das Virus das Lungengewebe irreversibel schädigen könne.

 

 

"Off-Label-Medikamente"

Zwar sind "Off-Label-Medikamente" wie "Actemra" und "Remdesivir", die außerhalb ihres eigentlichen Wirkbereichs eingesetzt werden, nicht so hoch wirksam wie eigens gegen das Virus entwickelte Arzneien. Ihr Vorteil ist jedoch, dass sie schon verfügbar sind und bereits produziert werden.

"Zuerst werden alle Medikamente, die bereits zugelassen sind, auf ihren Effekt gescreent. Diese können dann schnell zur Verfügung gestellt werden", sagt auch Stefan Kähler, Vorsitzender der "Klinischen Forschung" beim Verband der Pharmazeutischen Industrie und Privatdozent für Pharmakologie und Toxikologie. Die Zulassung einer Impfung würde deutlich länger dauern. "Schließlich wird sie beim gesunden Menschen angewendet. Da ist Sicherheit das oberste Gebot. Auch muss geklärt werden, wie lange die Impfung anhält", sagt Kähler.

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