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Oberösterreich

Corona: "Für die Hüttenwirte war es schwer"

Von Bernhard Lichtenberger  19. September 2020 00:04 Uhr

Corona machte das Wandern zur Massenbewegung und den Hüttenbetreibern die Arbeit nicht leicht.

Parkplätze, deren Kapazitäten bereits zur frühen Stunde erschöpft waren; kleine Karawanen auf schmalen Pfaden, die manchen die Bezeichnung "Völkerwanderung" entlockten; beliebte Gipfel, um deren Kreuze es eng wurde – der Bergsommer 2020 war keiner wie damals. Nach Stillstand, Heimarbeit und "Urlaub dahoam"-Propaganda fanden viele Menschen in den heimischen Gebirgen ein Ventil, um den Corona-Druck auszugleichen.

Die sich durch die Natur bewegenden Massen trafen auf Rast-, Verpflegungs- und Schutzstätten, die sich auf erschwerte Bedingungen einzustellen hatten: eine verkürzte Saison unter verschärften Vorgaben. "Wir mussten die Bettenkapazität verringern, um die Abstandsregeln einzuhalten. Decken und Polster durften nicht ausgegeben werden, die Leute mussten Schlafsäcke selbst mitbringen. Natürlich sind dadurch die Nächtigungszahlen zurückgegangen", sagt Gerti Gasselsberger, Geschäftsführerin der Alpenverein-Sektion Linz, die drei Hütten betreut: das Linzer Haus auf der Wurzeralm, das Linzer Tauplitzhaus in der Steiermark und die Hofpürglhütte auf Salzburger Boden.

Die ausgegebene Devise, ohne Reservierung keine Übernachtung zu ermöglichen, habe die Wirte vor ein Dilemma gestellt: "Nicht alle Wanderer haben sich daran gehalten. Was soll der Wirt tun? Wegschicken kann er sie nicht – eine schwierige Situation."

In vielen Hütten seien variable Trennwände in den Lagern aufgestellt worden, wodurch Kojen geschaffen wurden. "Das kam gar nicht so schlecht an, weil so in Großraumlagern eine gewisse Intimität entstanden ist", bemerkte die passionierte Bergsteigerin. Wenn die Plätze auf den Terrassen knapp wurden, hätten kreative Hüttenwirte Picknickdecken und -körbe ausgegeben, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

Die Gäste reagierten unterschiedlich auf die Maßnahmen, immer wieder stießen diese auf Unverständnis. "Die einen sagten ,Spinnt ihr, das seh' ich nicht ein‘, andere waren ganz erpicht darauf, dass die Regelungen eingehalten werden", sagt Gasselsberger. Unerfreulich sei, dass das Vernaderertum zugenommen habe. Auf einer oberösterreichischen Hütte habe ein Gast, ohne etwas zu sagen, einen Kellner ohne Maske fotografiert und dann im Tal angezeigt. "Das ist eine traurige Entwicklung, die auch vor dem Berg nicht Halt gemacht hat", so die Geschäftsführerin.

Ein Trend, der seit geraumer Zeit auffällt, beweist, dass der Bergsport längst seinen altvaterischen Nimbus abgelegt hat. "Jung und weiblich, das ist das Publikum, das jetzt in den Bergen unterwegs ist", bestätigt Herbert Blauhut, ehrenamtlicher Präsident der Linzer Sektion. Das Image des Wanderns habe sich total verändert, "das Körperbewusstsein, das Fitsein haben an Gewicht gewonnen, junge Menschen sind sich bewusster geworden, dass der Zugang zur Natur ein Geschenk ist", sagt Gasselsberger.

Weibliche alpinistische Aushängeschilder wie Gerlinde Kaltenbrunner, die auf den 14 Achttausendern stand, oder die frühere OÖN-Redakteurin Marlies Czerny, die alle 82 Viertausender-Gipfel der Alpen sammelte, setzten eine gesellschaftliche Entwicklung fort, die Frauen in Männerdomänen eindringen lässt. "Das Klettern war früher männlich", sagt Blauhut, "heute machen Kletterinnen in unserer Kletterhalle und am Kletterturm im Auhof in Urfahr fast die Hälfte aus". Erfreulich sei die Tendenz, dass es die Jugend von der Halle zum Fels, in die Natur ziehe.

Kein Après-Ski-Problem

Was die Wintersaison im Zeichen des Corona-Virus bringen wird, steht noch in den Sternen. "Ein frühes Ende der Saison wäre für die Hüttenwirte eine Katastrophe, die müssen ja davon leben", sagt der Sektionspräsident. In den eigenen Hütten auf Wurzer- und Tauplitzalm gebe es die Après-Ski-Problematik ohnedies nicht. "Unser Credo lautet: Vorschriften sind einzuhalten, darauf weisen wir die Wirte auch aktiv hin", sagt Gerti Gasselsberger. Die Zukunft der Wurzeralm sieht sie in einer Ausrichtung als Familienskigebiet, auch Pistengeher mit Tourenskiern sind willkommen. Der Zusammenschluss mit Hinterstoder sei vom Tisch, "da haben wir uns mit den Naturfreunden ordentlich ins Zeug gelegt".

Zur geplanten Verbindung von der Höss nach Vorderstoder hat sie eine persönliche Meinung: "Da wird ein Naturjuwel für zehn lausige Pistenkilometer geopfert."

#1 Hofpürglhütte: Auf 1705 Meter Höhe, am Fuße der Bischofsmütze, liegt dieser Stützpunkt für Gosaukamm-Umrunder, der als alpines Ausbildungszentrum mit Indoor-Bouldern und Naturkletterkarten (400 Routen) geführt wird.

"Für die Hüttenwirte war es schwer"
Hofpürglhütte

#2 Linzer Tauplitzhaus: Sommers wie winters präsentiert sich die Einkehr auf der Tauplitzalm gemütlich und familienfreundlich. Unter neuen Pächtern wurden Zimmer komfortabler ausgestattet und die Heizung von Öl auf Gas umgestellt.

"Für die Hüttenwirte war es schwer"
Linzer Tauplitzhaus

#3 Linzerhaus/Wurzeralm: Die familienfreundliche Unterkunft auf der Wurzeralm ist seit heuer um einen Abenteuerspielplatz reicher, weil zwei Oberbank-Manager von ihren Geburtstagsgästen lieber dafür Spenden statt Geschenken annahmen.

"Für die Hüttenwirte war es schwer"
Linzerhaus/Wurzeralm

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Bernhard Lichtenberger

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