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"Ich kann nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat"

Rosi Resch (69), Initiatorin der OÖN-Christkindl-Spendenaktion Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Ich kann nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat"

Rosi Resch aus Vöcklabruck schrieb im Jahr 1964 einen Bittbrief an die OÖNachrichten und rief damit die größte Spendenaktion des Landes ins Leben – das Christkindl hat die 69-Jährige besucht.

Von Verena Gabriel und René Laglstorfer, 01. Dezember 2018 - 00:04 Uhr

Weihnachten 1964 in einer Barackensiedlung in Regau: Gabi, das 13. Geschwisterchen von Rosi Resch (geborene Grill), ist gerade gestorben. Die Mutter liegt noch im Krankenhaus, der Vater ist beinamputiert. An ein sorgenfreies Weihnachtsfest ist im Hause Grill nicht zu denken.

In ihrer Verzweiflung nimmt sich die damals 14-jährige Rosi einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand, schreibt ihre Sorgen auf und schickt den Brief an die OÖNachrichten, in der Hoffnung auf warme Winterkleidung für ihre jüngeren Geschwister, damit diese in der klirrenden Dezemberkälte nicht frieren müssen.

"Ich kann nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat"
In dieser Holzbaracke in Regau lebte die Großfamilie Grill.

Rosis Worte werden daraufhin mit dem Aufruf "Hier wäre leicht ein wenig Weihnachtsglanz zu bringen" in den OÖNachrichten veröffentlicht. Was dann geschieht, übertrifft all ihre Erwartungen. Die Leserinnen und Leser der OÖNachrichten bereiten der Familie ein unvergessliches Weihnachtsfest mit Spielsachen, Winterkleidung und einer Krippe aus Holz. Manche bringen sogar persönlich Geschenke in die Baracke.

Eine Puppe aus der Mistgrube

54 Jahre später besucht das OÖN-Christkindl-Team Rosi Resch in ihrem Haus in Vöcklabruck. Erst da erfährt sie, dass es ihr schlichter Brief war, mit dem die größte Spendenaktion des Landes – das OÖN-Christkindl – begonnen hat. Mehr als 14 Millionen Euro wurden seither gespendet. "Ich kann es nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat", sagt die 69-jährige Vierfach-Oma mit Tränen in den Augen.

Video: Die OÖN zu Gast bei Rosi


Mit sechs Geschwistern hat es sich Rosi in ihrer gemütlichen Stube auf der Eckbank gemütlich gemacht. Auf dem Esstisch liegen alte Familienbilder und Zeitungsausschnitte, die Rosis ältere Schwester Hilde jahrzehntelang zur Erinnerung an das unvergessliche Weihnachtsfest im Jahr 1964 aufbewahrt hat. "Schaut euch das an, daran erinnere ich mich noch gut", sagt Rosi und zeigt auf ein Schwarzweiß-Foto, auf dem sie und ihre Geschwister neben einer geschmückten Fichte stehen.

"Ich kann nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat"
Ein Familienfoto erinnert an einen unvergesslichen Heiligen Abend 1964.

Unter dem dürren Baum stapeln sich die Packerl der OÖN-Leser, von denen die Kinder vorher nur träumen konnten. "Einmal hat uns die Mami zu Weihnachten eine Puppe geschenkt, die sie in einer Mistgrube gefunden und wieder schön hergerichtet hat", erzählt Rosi ungeniert. "Ich schäme mich nicht, so war es eben. Wir hatten nicht viel, aber aus allen ist etwas geworden."

18 Kinder brachte Rosis Mutter, eine gebürtige Aurolzmünsterin, zur Welt, vier davon starben kurz nach der Geburt. Rosi wurde 1949 als sechstes Kind in Ried im Innkreis geboren. Ihr Vater stammte aus Peterskirchen, wo die Familie eine Zeitlang lebte. Später übersiedelte sie in die Regauer Ortschaft Hinterbuch, wo sie 1963 – ein Jahr vor dem Brief an die OÖN – delogiert wurden.

Turbulente Jugend

Ein Dach über den Kopf fand die Großfamilie im Regauer Barackenlager, das nach dem Krieg für Flüchtlinge erbaut worden war. In drei einfachen Zimmern wurde geschlafen, gekocht und gegessen. "Wir haben uns zu dritt ein Bett geteilt, aber das hat uns nicht gestört, wir waren es ja nicht anders gewohnt", sagt Rosi und fügt hinzu: "Wir hatten eine glückliche Kindheit." Anders sah das die Fürsorge, die vier Kinder, darunter auch Rosi, in ein Erziehungsheim steckte. "Unseren Eltern wurde nicht einmal gesagt, wo wir hinkamen." Nach fünf Tagen im Heim war der Spuk vorbei, trotzdem hat sich diese Zeit in das Gedächtnis der Kinder eingebrannt.

Diese leisteten schon früh einen Beitrag zum Einkommen der Großfamilie. "Im Alter von zehn Jahren hab’ ich nach der Schule immer auf einem Bauernhof Kühe gehütet, damit wir zu Hause Milch haben", sagt Rosi. Zweimal wurde sie als Kind von der Caritas mit einigen Geschwistern nach Belgien verschickt. Dort wollte eine belgische Familie Rosis um ein Jahr jüngere Schwester Resi adoptieren. "Aber die Mami sagte: ‘Und wenn ich noch so viele Kinder habe, ich gebe keines her’", erinnert sich Rosi, die nach der Pflichtschule Arbeit im Gastgewerbe fand.

1968 heiratete sie ihren inzwischen verstorbenen Mann Peter Resch. Wenige Wochen nach der Hochzeit überfuhr ein Auto ihren jüngeren Bruder Erwin am Schulweg – nicht der letzte Schicksalsschlag für die Familie.

"Dö Heili Nacht vergiß i nia"

Nachdem Rosi mit ihrer eigenen Familie vom Barackenlager zu den Schwiegereltern nach Vöcklabruck zog, wo sie heute noch lebt, verbrannte ihr kleiner Bruder Herbert beim Spielen in einem Autowrack. Später verlor sie mit Johannes einen weiteren Bruder, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Im Alter von 33 Jahren wurde bei Rosi – inzwischen dreifache Mutter – Unterleibskrebs diagnostiziert, zwei Jahre später arbeitete sie wieder bei einem Elektronik-Geschäft in Vöcklabruck. Ihren Mann, der an Lungenkrebs erkrankte und künstlich ernährt werden musste, pflegte sie zweieinhalb Jahre zu Hause. Trotz aller Rückschläge hat sich Rosi viel Lebensfreude und einen ganz engen Familienzusammenhalt bewahren können.

"Ich kann nicht fassen, welche Auswirkungen mein Brief gehabt hat"
Ein zusammengeschweißter Haufen (v.l.): Nesthäkchen Gerlinde, Rosi, Hilde, Christine, Bruder Edi und im Vordergrund Traudi und Elisabeth  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die hölzerne Krippe, die die Familie an Weihnachten 1964 vom OÖN-Christkindl bekommen hatte, die alten Fotos und Zeitungsartikel erinnern Rosi und ihre Geschwister bis heute an den unvergesslichen Heiligen Abend und die großzügige Hilfsbereitschaft der Oberösterreicher. "Dö Heili Nacht, und wann i stoaålt wia, dö Heili Nacht vergiß i mei Lebta nia!" – Worte, mit denen die damals 14-jährige Rosi ihre unendliche Dankbarkeit ausdrückte, die bis heute anhält.

Helfen Sie mit!

Wenn auch Sie notleidenden Oberösterreichern Hoffnung schenken möchten, können Sie eine Spende an das Christkindl-Konto überweisen. IBAN: AT94 2032 0000 0011 1790. Der heutigen OÖN-Ausgabe liegt außerdem ein Erlagschein bei. Firmen und Institutionen, die das Christkindl unterstützen wollen, können sich gerne direkt unter v.gabriel@nachrichten.at melden. Spenden bis 1999 Euro werden in den Regionalausgaben abgedruckt, Fotos von Spendenübergaben über 2000 Euro werden landesweit veröffentlicht.

Großspender werden zudem in einer Bildergalerie auf nachrichten.at/christkindl präsentiert.

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