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Oberösterreich

Immer mehr Bäume stürzen um: "Keiner verlässt mehr das Haus"

OBERÖSTERREICH. Viele Bäume halten der Schneelast nicht mehr stand. Im Gebiet Koglerau stürzten am Sonntag die Bäume "fast im Minutentakt" um. Im Süden des Landes stehen Bundesheer und Feuerwehren im Einsatz, um den Schnee von gefährdeten Dächern zu räumen.

Bild:

"Fast im Minutentakt stürzen bei uns Bäume unter der Schneelast um. Keiner verlässt mehr sein Haus, weil es draußen lebensgefährlich ist", schildert OÖN-Redakteur Clemens Schuhmann die Situation vor seiner Haustüre. Er und fünf seiner Nachbarn waren am Sonntag unterhalb des 685 Meter hohen Koglerauspitz in der nördlichsten Ortschaft der Gemeinde Puchenau (Bezirk Urfahr-Umgebung) eingeschlossen.

Bereits in der Früh war der Wipfel einer Fichte in die Einfahrt gekracht und hatte den Koglerauer Weg blockiert. Wenig später drohte ein Wipfel auf ein eingewintertes Wohnmobil zu krachen. Gerade noch rechtzeitig gelang es den Bewohnern, das 3,5 Tonnen schwere Gefährt zu bergen. Auch drei Fichten, die sich immer stärker neigten, mussten sicherheitshalber gefällt werden, berichtet der OÖN-Redakteur. 

Sicherheitshalber mussten die Bewohner drei Fichten fällen, die durch den Schnee bereits stark geneigt waren.

1100 Feuerwehrleute im Sonntagseinsatz

1100 Einsatzkräfte aus ganz Oberösterreich räumten am Sonntag die Schneemassen von den Dächern, die meisten in den Bezirken Gmunden und Kirchdorf. Am Montag sollen weitere Einheiten nach Rosenau am Hengstpass und Gosau verlegt werden, berichtete das Landesfeuerwehrkommando am Sonntag. 

Schwerpunkt in den nächsten Tagen wird auch das Mühlviertel sein, wo immer mehr Bäume umstürzen und die Verkehrswege blockieren. 600 Feuerwehrler halfen dort, Wege freizumachen und Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.

Auch im benachbarten Bayern packten 73 Einsatzkräfte aus Schärding mit an, um Dächer im Landkreis Traunstein von der Schneelast zu befreien.

Von rund 900 Feuerwehren in Oberösterreich waren bisher 600 im Schnee-Einsatz. Der Rest sorge für Sicherheit zuhause, wie etwa bei einem Wohnhausbrand in Luftenberg (Bezirk Perg), hieß es.

Video: Kritische Nacht auf Montag, denn in den nächsten Stunden wird es intensiv regnen und schneien, warnen Meteorologen, dazu weht zum Teil orkanartiger Wind.

Bundesheer schickte 400 Soldaten aus

In ganz Oberösterreich sind zahlreiche Verkehrswege wegen Lawinengefahr, Schneedruck und umgestürzten Bäumen gesperrt, vor allem im Salzkammergut und Mühlviertel. Die Einsatzkräfte stehen im Wettlauf gegen das Wetter: Enorme Schneemengen müssen von den Dächern entfernt werden, um weitere Niederschläge aufnehmen zu können.

Die Gemeinden Hallstatt und Obertraun sind erneut von der Außenwelt abgeschnitten. Hier finden Sie einen Überblick über alle Straßensperren im Land.

Das Militärkommando Oberösterreich schickt am Sonntag 400 Soldaten aus, um Dächer von Schnee zu befreien. In Ebensee stehen 330 Mann von Feuerwehr und Bundesheer im Einsatz, um ein Hallendach mit 35.000 Quadratmetern Fläche vom Schnee zu befreien. Umgerechnet wurde hier die gewaltige Menge von rund 24.000 Kubikmetern Schnee vom Dach befördert. Der Einsatz dort dauert bereits zwei Tage und wird am heutigen Sonntag weitergeführt.

Video: Großeinsatz in Ebensee

 

Helfer sind auch in Rosenau am Hengstpass und Edlbach (Bezirk Kirchdorf) im Einsatz. Am Donnerstag war in Rosenau das Dach eines Holz verarbeitenden Betriebes eingestürzt. Der am Samstagvormittag einsetzende Regen würde den Schnee schwerer machen und die Situation verschärfen, erklärte Oberstleutnant Gerhard Oberreiter, Sprecher des Militärkommandos Oberösterreich.

Auch in Gosau (Bezirk Gmunden) schaufelten Militär und rund 60 Feuerwehrkräfte aus dem Bezirk Braunau Schnee von gefährdeten Dächern, berichtete die Polizei Bad Goisern. Die Pass Gschütt Straße zwischen Gosau und Gosauzwang bleibe voraussichtlich bis Montag gesperrt, Gosau war aber von Salzburg her erreichbar, der Pass Gschütt offen.

Sonntagvormittag war ein Hubschrauber aus Hörsching im Hausruckviertel unterwegs, um Bäume von der Schneelast zu befreien.

Durch die milden Temperaturen und den Regen werde der Schnee immer schwerer, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando Gmunden. Zusätzlich werde bis Dienstagabend noch ein Meter Neuschnee prognostiziert. Beim Militärkommando ging man am Sonntag von starken Windböen bis 80 km/h aus. Dann müssten die Helfer von den Flachdächern abgezogen werden, denn ihre Sicherheit geht vor. "Die Arbeitssicherheit unserer Soldaten liegt mir besonders am Herzen", betonte Militärkommandant Kurt Raffetseder und bedankte sich beim Netzwerk für Katastropheneinsatz für die kostenlose Beistellung und Versicherung von Gerät.

Video: 400 Soldaten, 700 Feuerwehrleute und Polizeischüler befreien in den Bezirken Gmunden und Kirchdorf Dächer von der Schneelast zu, bevor die angekündigten neuen Niederschläge kommen. 

1,80 Meter hohe Schneedecke auf Dächern

Am Samstag waren in Oberösterreich 1330 freiwillige Einsatzkräfte mit 200 Fahrzeugen in den Bezirken Gmunden, Kirchdorf und Vöcklabruck im Einsatz, für Sonntag sind 700 Helfer fix eingeteilt. Sie kommen aus den vom Schneefall weniger betroffenen Bezirken Braunau, Eferding, Grieskirchen, Linz-Land, Vöcklabruck und Wels-Land, teilte das Landesfeuerwehrkommando OÖ in einer Presseaussendung mit.

Die Helfer wollen das gesamte Wochenende nützen, um die Dächer von den Schneelasten - 1,20 bis 1,80 Meter - zu befreien. "Die Dachlasten sind an der Grenze der Belastbarkeit angelangt, präventive Maßnahmen in Form von Schneeräumungen auf den Dächern sind aufgrund der Wettervorhersagen unbedingt notwendig", so der Gosauer Bürgermeister Friedrich Posch (SPÖ). Gosau ist nur über Salzburg erreichbar, weswegen die Feuerwehren aus Braunau bereits um 3.00 Uhr Früh die Reise antraten. Posch sieht die Lage insofern kritisch, als dass man sich erst am Winteranfang befindet und der Februar in der Regel der niederschlagreichste Monat ist. Auch 15 Feuerwehrleute der Gemeinde standen im Einsatz - obwohl ihre eigenen Häuser auch betroffen waren.

Für Sonntag sind die Einsätze der Feuerwehren in Oberösterreich bereits fixiert - 700 Helfer in sieben Katastrophenschutzzügen rücken in den frühen Morgenstunden nach Rosenau, Windischgarsten, Spital, Gosau und Ebensee aus. Auch aus dem ebenfalls mit Schneemassen kämpfenden Bayern ersuchte man um Hilfe, Wehren aus dem Bezirk Schärding werden die deutschen Nachbarn unterstützen.

Mit dem neunten Tag der Schneemassen in Oberösterreich wurde die 20.000er-Marke an eingesetzten Helfer geknackt. "Es macht wirklich stolz und viel Freude, wenn man sieht, wie alle zusammenstehen und zupacken", honorierte Landes-Feuerwehrkommandant Wolfgang Kronsteiner die Leistungen der Freiwilligen.

Welche Straßen sind gesperrt? Das erfahren Sie auf der Verkehrsinformationsseite des Landes.

Welche Beeinträchtigungen gibt es im öffentlichen Verkehr? Informieren Sie sich mit der Info-App des OÖVV und der Fahrplanauskunft auf der OÖVV-Homepage

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Artikel nachrichten.at/ebra/apa 13. Januar 2019 - 16:42 Uhr
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