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Oberösterreich

Betrunkener Wirt attackierte Gäste und schleuderte ihnen Essen ins Gesicht

Von Gerhild Niedoba und Michaela Krenn-Aichinger   03. Mai 2019 00:04 Uhr

Betrunkener Wirt attackierte Gäste und schleuderte ihnen Essen ins Gesicht

BAD SCHALLERBACH. "Treten Sie ein und lassen Sie Ihren Besuch zum Erlebnis werden", heißt es vollmundig auf der Internetseite eines Gasthauses in Bad Schallerbach. Das bewahrheitete sich am Staatsfeiertag für vier Gäste des am Ortsrand gelegenen Betriebes – allerdings im negativen Sinn.

Sie wurden von dem laut Polizei betrunkenen Wirt derart attackiert, dass sie Verletzungen erlitten. Begonnen hatte alles mit der Reklamation zweier Besucher, wonach sie die soeben servierten Gerichte nicht bestellt hätten. Dies versetzte den 56-jährigen Gastronomen derart in Rage, dass er dem 41-jährigen ungarischen Staatsbürger aus dem Bezirk Grieskirchen und dessen deutschen Freund (40) die Teller mitsamt dem Essen ins Gesicht schleuderte. Dazu beschimpfte er die Gäste aufs Heftigste. Als der Deutsche daraufhin die Polizei anrufen wollte, schlug der Wirt auf die Männer ein, ehe diese fluchtartig das Lokal verlassen konnten.

Video: Der Wirt soll den Gästen die Teller samt Essen ins Gesicht geschleudert haben.

Attacken gegen Unbeteiligte

Doch auch danach hatte sich der Wirt nicht beruhigt. Als eine vierköpfige, durch den Vorfall unangenehm berührte Familie aus dem Bezirk Kirchdorf/Krems ebenfalls die Gaststätte verlassen wollte, schlug der 56-Jährige auf zwei dieser Gäste ein: Einer von ihnen, ein 43-Jähriger, erlitt mehrere Abschürfungen und Hämatome, sein Vater (71) eine Prellung im Gesichtsbereich. Zu guter Letzt beschimpfte der Wirt auch die alarmierten Polizisten.

Die Prügelattacken waren gestern in dem Kurort Tagesgespräch. Äußern wollte sich dazu bei einem OÖN-Lokalaugenschein aber niemand. Sie könne "nichts Negatives über das Gasthaus und den Wirt sagen", meinte etwa eine Mitarbeiterin eines Lebensmittelgeschäfts. Der Vorfall sei "bei vielen Kunden Gesprächsthema".

Genauso wie in den sozialen Foren, wo sich die User im Gegensatz dazu aber kein Blatt vor den Mund nahmen. Neben positiven Meinungen wird dort seit Monaten auch vermehrt Kritik an dem "etwas gewöhnungsbedürftigen Wirt" laut, der seinen Gästen etwa "mitteilte, dass der Wirt das Sagen hat".

Derartige Bewertungsmöglichkeiten im Internet kritisiert Thomas Stockinger, Wirtesprecher in der Wirtschaftskammer OÖ, da sie den Druck auf die Gastronomen erhöhen würden (siehe Interview).

Gestern schilderte auch ein OÖN-Leser seine Erfahrungen mit dem Wirt: "Als ich erneut bat, zahlen zu können, beschimpfte er mich, sodass ich flüchtete. Er verfolgte mich bis auf die Straße."

Auch bei Ortschef Gerhard Baumgartner (VP) lief gestern das Telefon heiß. "In diesem Fall gibt es nichts zu entschuldigen." Und: "Es ist wirklich bedauerlich, was passiert ist."

Der Gastronom, dem nun eine Anzeige wegen Körperverletzung droht, war gestern den ganzen Tag über für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Drei Fragen an Thomas Stockinger

Der Ansfeldner Gastronom ist Wirtesprecher der Wirtschaftskammer OÖ.

1. Ein alkoholisierter Wirt, der gegenüber seinen Gästen handgreiflich geworden sein soll: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie dies hörten?

Ich habe von dem Fall selbst erst durch die OÖNachrichten erfahren. Wenn sich das so abgespielt hat und der Wirt alkoholisiert war, ist das nicht zu akzeptieren und wird logischerweise zu rechtlichen Konsequenzen führen.

2. Handelt es sich Ihrer Ansicht nach bei derartigen Vorfällen allein um einen Ausraster oder kann da mehr dahinterstecken?

Der Vorfall zeigt den Druck, der auf den Gastronomen lastet. Wenn Mitarbeiter fehlen, die Gäste aber vorhanden sind, bemüht man sich, das irgendwie selbst zu schaffen – und manche greifen dann leider zum Alkohol. Dazu kommt dann auch noch der Druck, der durch die Öffentlichkeit ausgeübt wird.

3. Sie sprechen die Bewertungen an, die Gäste in öffentlichen Foren abgeben können?

Ja, negative Bewertungen, die über Social Media oder auf speziellen Plattformen verbreitet werden, erhöhen den Druck und führen zu einem Spannungsfeld, in dem man sich als Gastronom bewegt. In Summe führt das zu Situationen, die so nicht sein dürften.

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