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Oberösterreich

"Bei gefälschten Impfpässen ist viel kriminelle Energie dabei"

Von Gerhild Niedoba  15. Januar 2022 07:15 Uhr

"Bei gefälschten Impfpässen ist viel kriminelle Energie dabei"
Ein gefälschter Impfpass

LINZ. Laut Ermittler vom Bundeskriminalamt sind Fälschungen "nur schwer erkennbar" – Abnehmer zahlen bis zu 600 Euro für Falsifikat.

Der Handel mit gefälschten Corona-Impfpässen blüht. "Es wird täglich mehr", sagte gestern Markus Angerer, Leiter des Bereichs Geld- und Urkundenfälschung im Bundeskriminalamt, im Gespräch mit den OÖN. Er gab dabei auch Einblicke in die Fälscherszene.

Seit April des Vorjahres wurden österreichweit rund 1100 Fälle im Zusammenhang mit falschen Covid-Dokumenten (z. B. PCR-Tests, gefälschte Impfzertifikate) angezeigt. Mitte der Vorwoche fanden in sieben Bundesländern 21 Hausdurchsuchungen statt: Dabei konnten 33 gefälschte Impfpässe sowie falsche QR-Codes (die u. a. für den Eintritt in Handel und Gastronomie vorgezeigt werden müssen) sichergestellt werden.

Die Ermittler waren auf die Abnehmer aufmerksam geworden, nachdem zuvor bundesweit zig Postsendungen mit insgesamt 51 Fake-Impfpässen abgefangen wurden. "Daraufhin haben die Abnehmer, für die die Waren bestimmt waren, erneut Pässe bestellt", sagt Angerer. Zwei Pakete davon waren jeweils für einen Haushalt in Linz bzw. Ried im Innkreis bestimmt. Die Linzer Sendung etwa habe zehn gelbe Pässe enthalten, die vermutlich an weitere Abnehmer hätten verteilt werden sollen.

"Bei gefälschten Impfpässen ist viel kriminelle Energie dabei"
Markus Angerer vom Bundeskriminalamt

"Die Impfpässe werden, je nach Wunsch, mit oder ohne Namen ausgestellt. Neben dem Impfdatum kann auch die Art des Impfstoffes und die Anzahl der Stiche individuell geordert werden", sagt Angerer.

"Nur schwer erkennbar"

Inzwischen würden zum Teil auch nachgemachte Stempel von Ärzten, die die Impfung durchgeführt haben sollen, aufgedruckt. Als Vorlagen dafür dienen oftmals Fotos von echten Impfpässen, die zu Beginn der Corona-Impfungen nach Absolvierung eines Stiches in sozialen Netzwerken gepostet worden waren.

Für Laien seien die Fälschungen "nur sehr schwer" erkennbar. Verdächtig sei etwa, wenn der Wohn- und der Impfort ungewöhnlich weit auseinanderliegen. Beschäftigten im Handel sei auch angeraten, für die Kontrolle des im Impfpass vermerkten Namens einen Identitätsausweis zu verlangen.

Bestellt würden die Fälschungen zumeist etwa über Mundpropaganda, im Darknet oder in sozialen Kanälen. Je nach Ausführung variieren die Preise zwischen 100 und 600 Euro. "Es gibt hier viele, die sich damit bereichern wollen – da ist viel kriminelle Energie dabei –, aber auch jene, die die Pässe aus reiner Solidarität und Überzeugung kostenlos anbieten", sagt Angerer, der dennoch festhält: "Es handelt sich in jedem Fall um ein strafrechtliches Delikt."

Erzeuger als auch Abnehmer würden sich in jedem Fall wegen des Delikts der Urkundenfälschung strafbar machen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden kann. Sollte dem Abnehmer zudem nachgewiesen werden können, dass er mit einer Corona-Infektion andere Personen gefährdet habe, könnte auch der Tatbestand der "vorsätzlichen Gemeingefährdung" (Strafrahmen von ein bis zehn Jahren) zum Tragen kommen.

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Artikel von

Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba

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