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Oberösterreich

43 Festnahmen: Babyface-Bande beging 22 Raube "aus Lust an der Gewalt"

Von Philipp Hirsch  08. August 2019 12:45 Uhr

Polizei geht in Linz verstärkt gegen Jugendkriminalität vor.

LINZ. 100 Straftaten aufgeklärt: Acht Banden-Mitglieder sind noch nicht strafmündig.

Monatelang hat eine Jugendbande in der Landeshauptstadt ihr Unwesen getrieben. Gestern gab die Polizei auf einer Pressekonferenz bekannt, dass sie die Gruppe, die von den Ermittlern intern „Babyface“ getauft worden war, zerschlagen konnte. 43 Jugendliche, die der Bande zugerechnet werden, konnten ausgeforscht werden. Acht von ihnen sind noch jünger als 14 Jahre und somit nicht strafmündig. „In diesen Fällen sind uns die Hände gebunden. Wir können diese Jugendlichen lediglich beim zuständigen Jugendwohlfahrtsträger melden“, sagt Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter.

Video: Die Jugendbande soll seit vergangenem Herbst andere Jugendliche in Linz erpresst, geschlagen und beraubt haben.

„Wir konnten mehr als 100 Delikte aufklären“, sagt Ermittlerin Simone Wögerbauer. Bei einem Großteil der Straftaten handelt es sich um (Straßen-)Raube, bei denen es oft nur um Bagatellbeträge – ein bis zehn Euro – gegangen sein soll.

Außerdem gehen Verbrechen wie Diebstahl, Körperverletzung, Nötigung, gefährliche Drohung sowie Vergehen gegen das Suchtmittel- und das Waffengesetz sowie Urkundenunterdrückung auf das Konto der Bande.

"Gewaltmotivierte Delikte"

„Als Opfer haben sie sich stets Jüngere oder Schwächere ausgesucht“, sagt Kommandant Pogutter. Die Höhe der Beute sei für die Täter dabei meist zweitrangig gewesen: „Das waren gewaltmotivierte Delikte.“ In einem Fall wurde sogar die Mutter eines der Bandenmitglieder zum Opfer. Einige der Straftaten filmten die Täter mit ihren Smartphones mit und veröffentlichten sie anschließend im Internet, insbesondere auf Instagram. Auch ihre Treffen hatten die Bandenmitglieder über Instagram vereinbart.

Auffällig sei die Zusammensetzung der Bande, berichtete Staatsanwalt Philip Christl. Insgesamt gehören die Jugendlichen elf verschiedenen Nationalitäten an. Unter ihnen sind auch zwölf Österreicher. Die restlichen Mitglieder stammen aus Afghanistan, Russland, Bosnien, Mazedonien, dem Kosovo, dem Iran, dem Irak, Polen, Rumänien und Syrien.
Eine klare Hierarchie innerhalb der Bande konnten die Ermittler nicht erkennen. „Es gab zwar so etwas wie Rädelsführer, aber es war im Grunde eher ein loser Zusammenschluss“, sagt Christl. Der Großteil der Jugendlichen stamme aus „gut integrierten Familien“, sagt Christl: „Die Eltern wussten oft selbst nicht mehr, wie sie der Situation Herr werden können. Zum Teil waren sie über die Festnahmen sogar erleichtert.“

Ein Drittel bereits verurteilt

Ein Drittel der Täter musste sich bereits vor Gericht verantworten. Freiheitsstrafen in einem Ausmaß von 14 Jahren (davon vier Jahre unbedingt) wurden bisher verhängt. Angesichts des Alters der jungen Täter sprach Christl von einem „beachtlichen Strafausmaß“.
Aber nicht immer scheint die Haft für die Jugendlichen eine Lehre zu sein. In einem Fall wurde ein Jugendlicher, unmittelbar nachdem die U-Haft gegen ihn wieder aufgehoben worden war, neuerlich zum Täter.

Erst vergangenen Freitag musste sich ein 14-Jähriger, der ebenfalls Mitglied der Bande ist, die sich intern „LML“ (Leben mit Loyalität, Anm.) nennt, vor dem Linzer Landesgericht verantworten. Er fasste, wie berichtet, eine mittlerweile rechtskräftige teilbedingte 15-monatige Haftstrafe aus. „Wir haben damit sicher nicht die Jugendkriminalität abgeschafft“, aber die Festnahmen und Verurteilungen hätten bereits ihre Wirkung gezeigt, denn die Zahl der Raube sei in letzter Zeit zurückgegangen, sagt Christl.

Drei Fragen an Philipp Christl

Wie war diese Bande organisiert? Gab es so etwas wie einen Bandenchef?
Es war eher ein loser Zusammenschluss als eine Bande mit einer klaren Hierarchie. Die Jugendlichen haben sich über Social-Media-Kanäle verabredet und dann getroffen. Auffällig ist, dass sich die Gruppe aus vielen verschiedenen Nationalitäten zusammensetzt. So etwas hatten wir bisher in Oberösterreich noch nicht.

Was war dann das verbindende Element zwischen den 43 Jugendlichen, die nun der „Babyface“-Bande zugerechnet werden?

Die meisten kannten sich aus der Schule, vom Sportplatz oder aus ihrem Wohnviertel. Viele von ihnen haben den Schulunterricht aber bestenfalls spärlich besucht.

Wie wurde die Staatsanwaltschaft Linz überhaupt auf diese Gruppe aufmerksam?

Vor etwas mehr als einem halben Jahr gab es in Linz zwei oder drei Vorfälle, bei denen die Polizei eine vereinbarte Schlägerei zwischen Jugendlichen verhindern konnte. Berichte über Straftaten von Jugendlichen haben sich danach gehäuft. Wir haben dann das Linzer Stadtpolizeikommando gebeten, Beamte gezielt mit den Ermittlungen zu betrauen.

 

 

 

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Artikel von

Philipp Hirsch

Redakteur Land und Leute

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