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Oberösterreich

"Auch ich verstehe es nicht, warum sich manche Ärzte nicht impfen lassen"

Von Michael Schäfl  26. November 2021 00:04 Uhr

"Auch ich verstehe es nicht, warum sich manche Ärzte nicht impfen lassen"
Bernd Lamprecht, Leiter der Klinik für Lungenheilkunde des Linzer Kepler Universitätsklinikums

Kinderimpfungen und das Gefühl, dass etwas verheimlicht wird: Die OÖN haben Bernd Lamprecht, Leiter der Abteilung für Lungenheilkunde des Kepler Klinikums, befragt

"Ich werde das flaue Gefühl nicht los, dass da irgendetwas ist, was dem Bürger verheimlicht wird", schreibt eine Leserin. Sie ist eine von vielen, die sich täglich in Zuschriften an die OÖNachrichten wenden – mit Fragen, Ängsten und Unsicherheiten. Aus dem Zusammenhang gerissene wissenschaftliche Fakten prägen meist die öffentliche Diskussion. Gemeinsam mit einem Expertenteam beantworten die OÖN die Anliegen der Leserschaft. Dieses Mal stellt sich Bernd Lamprecht, Leiter der Klinik für Lungenheilkunde des Kepler Uniklinikums, den Fragen der Leserinnen und Leser. "Mittlerweile haben wir viele Genesene, die wir schon zum zweiten Mal auf der Station sehen", sagt Lamprecht. "Daher ist die Auffrischungsimpfung so wichtig. Egal ob geimpft oder genesen."

Ihre Anliegen und Fragen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, können Sie jederzeit an uns richten. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an leserbriefe@nachrichten.at

Frage 1: Wir überlegen ernsthaft, ob wir unsere Töchter, neun und sieben Jahre alt, impfen lassen sollen. Gibt es aus Ihrer Sicht ein Gegenargument? Verena Kritzinger, E-Mail

Ich würde jedenfalls noch die offizielle Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde und die des Nationalen Impfgremiums abwarten. Sind diese gegeben, dann gäbe es aus meiner Sicht auch keine Bedenken mehr, Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zu impfen. Das wird ja auch jetzt schon gemacht, ist allerdings noch nicht von offizieller Stelle empfohlen worden. Bis dato wird halt „off label“ geimpft.

Für Kinder unter fünf Jahren gibt es in Europa und in Amerika noch kein Impfangebot. Was aber lange nicht heißt, dass es nicht schon von einigen Ländern betrieben wird. Wie etwa in China, da werden auch Kinder unter fünf geimpft.

Frage 2: Stimmt es, was auf OE24 behauptet wird: Die Impfung mit mRNA-Impfstoffen erhöht das Schlaganfallrisiko und das für Tumorerkrankungen? Sogar das Immunsystem wird schwächer? Markus Schrangl, E-Mail

Da ist es eben wichtig, mehrere Quellen heranzuziehen. Dass es durch die Covid-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu einer kurz- oder längerfristigen Schwächung des Immunsystems kommen kann, stimmt überhaupt nicht.

Was allerdings festgestellt wurde, ist, dass bei Impfungen ein gering erhöhtes Risiko für Thrombosen besteht. Allerdings nicht bei den mRNA-, sondern bei Vektorimpfstoffen wie AstraZeneca und Johnson & Johnson. Dieses ist aber um einen Großteil niedriger, als das bei einer tatsächlichen Corona-Erkrankung ist. Und schlussendlich gibt es auch für Tumorerkrankungen keine Daten zu Risiken.

Frage 3: Ich habe kein Verständnis für Krankenhaus- und Pflegepersonal, welches sich nicht impfen lässt. Warum ist das so? Ich werde das Gefühl nicht los, dass man etwas verheimlicht? Inge Maschke, E-Mail

Da muss ich der Leserin absolut recht geben. Gerade im Gesundheitswesen, wo ohnehin eine stetige Ansteckungsgefahr gegeben ist, ist die Impfung besonders wichtig. Auch ich kann es nicht nachvollziehen, dass sich da Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte nicht impfen lassen wollen. Aber verheimlicht wird da überhaupt nichts.

Wobei festzuhalten ist, dass die Impfquote beim Gesundheitspersonal dennoch noch immer höher ist als in der Bevölkerung. Was ich von meiner Erfahrung aus sagen kann, ist, dass in meiner Abteilung für Lungenheilkunde am Kepler Klinikum alle Ärzte geimpft sind.

Frage 4: Ich bin mit Johnson & Johnson geimpft, erhalte bald die zweite Dosis. Warum wurde die Gültigkeit von Johnson gekürzt? Brauch ich für den dritten Stich wieder Johnson? Johann Haas, Munderfing

Man hat gesehen, dass bei diesem Impfstoff mit einer Teilimpfung gerade bei der grassierenden Deltavariante kein ausreichender Schutz gegeben ist. Daher empfiehlt man hier auch eine zweite Impfung. Johnson & Johnson waren ja nicht die einzigen Hersteller, der gehofft hat, dass eine Impfdosis reicht. Auch bei AstraZeneca hatte man solche Überlegungen.

Jenen Personen, die mit Johnson & Johnson erstgeimpft wurden, empfiehlt man einen mRNA-Impfstoff für die zweite Dosis, man kann aber noch einmal Johnson & Johnson verimpfen. Für die Drittimpfung muss man dann aber einen mRNA-Impfstoff nehmen.

Frage 5: Noch nicht Geimpfte wären bereit, sich mit dem neuen Impfstoff Novavax impfen zu lassen. Doch wann wird dieser endlich bei uns in Oberösterreich angeboten? Ingeborg Dietl, Wels

Novavax wird wahrscheinlich bis zum Jahresende zugelassen und vielleicht dann auch schon verfügbar sein. Wie groß die Abdeckung sein wird und wie viele Dosen Österreich bekommt, ist aber noch unklar. Bei dem Totimpfstoff von Valneva dürfte es noch länger dauern, wahrscheinlich ist es erst im ersten Quartal 2021 soweit. Novavax ist die lange schon bekannte und auch gewohnte Art, Impfstoffe zu erzeugen. Es ist ein proteinbasierter Impfstoff, da wird nur mit dem Oberflächenprotein gearbeitet, nicht mit dem ganzen Virus. Während bei den mRNA-Impfstoffen der Bauplan geimpft wird und der Körper sich die Virusproteine selbst „baut“, wird bei Novavax gleich das fertige Virusprotein geimpft.

Frage 6: Bin am 2. Juni zum zweiten Mal und am 11. November das dritte Mal geimpft worden. Trotzdem war ich drei Tage später positiv. War die dritte Impfung bei mir wirkungslos? Eduard Stangl, E-Mail

Wirkungslos war die dritte Impfung in keinster Weise, aber sie ist auf alle Fälle zu spät gekommen. Der Leser war mit hoher Wahrscheinlichkeit schon zum Zeitpunkt der dritten Impfung positiv. Drei Tage nach der Impfung hatte er Symptome, Covid-19 hat allerdings eine Inkubationszeit von fünf Tagen. So lange dauert es, bis die Krankheit im Körper ausbricht. Bei diesem Herrn war leider die Infektion schneller als der dritte Stich.

Zusätzlich dauert es ungefähr eine Woche, bis durch die Impfung ein idealer Schutz hergestellt wird. Das Ganze hat aber auch ein Gutes: Durch die dritte Impfung und die Infektion hat der Leser sicherlich eine nochmals erhöhte Immunität.

Artikel von

Michael Schäfl

Redakteur Land und Leute

Michael Schäfl
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