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Oberösterreich

Zähes Ringen um die Schulautonomie

Von Herbert Schorn und Marlies Czerny   01. Dezember 2016 00:04 Uhr

Zähes Ringen um die Schulautonomie
Der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Norbert Schnedl, kam zur CLV-Tagung nach Linz.

LINZ. Die geplante Schulreform wurde bei den gestrigen Lehrerversammlungen heftig diskutiert Vizekanzler Mitterlehner: "Lehrer müssen bei Verhandlungen besser eingebunden werden".

Auf Protest wurden gestern 4500 Pflichtschullehrer bei der Tagung von Oberösterreichs größter Pädagogen-Vereinigung, dem VP-nahen Christlichen Lehrerverein (CLV), im Linzer Design Center eingestimmt. Das übernahm der neue Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Norbert Schnedl, höchstpersönlich: "Die Bildungsdebatte läuft verkehrt, sie ist zur Sitcom verkommen."

Vor allem drei Punkte der Schulreform, die der Ministerrat noch im Dezember beschließen soll, sind ihm ein Dorn im Auge. Erstens, dass Schulen die Größe der Klassen selbst bestimmen – und die Klassenschülerhöchstzahlen nur noch als Art Verrechnungseinheit für die Zuteilung von Werteinheiten gelten: "Das lässt größere Klassen erwarten", sagte er.

Zweitens sieht er den Plan, dass sich bis zu acht Schulen zu Clustern zusammenschließen können, als "pädagogisches Sparpaket": "Da wird die Schulleitung zugunsten von Unterstützungspersonal gestrichen. Das akzeptieren wir nicht." Außerdem wehre er sich, dass die Mitbestimmungsrechte von Lehrern, Eltern und Schülern eingeschränkt werden sollen: "Wenn man Demokratie will, muss man sie auch in der Schule leben."

Auch Eltern gegen Reform

Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer, zugleich CLV-Obmann, sprach sich für eine klar eingegrenzte Schulautonomie aus: "Kleinere Einheiten sollen immer nur so lange entscheiden können, bis eine höhere Ebene betroffen ist." Auch von Elternseite kam gestern eine Ablehnung der Reform: In einer Aussendung schreibt Jutta Tengler-Kropf, Präsidentin der Elternvereine an Höheren Schulen: "Das Paket sieht unter dem Deckmantel einer angeblichen Autonomie massive Eingriffe in unseren Schulalltag vor. Die Qualität der Schule wird nachhaltig beeinträchtigt werden."

Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer (VP) sah dagegen Positives: Cluster könnten helfen, Schulen am Land zu stärken. Er kündigte für Oberösterreichs Schulen Digital- Schwerpunkte an.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (VP), der das Schulpaket mitbeschlossen hat, verteidigte zwar die Regierungspläne. Die Details seien aber noch abzuklären und Kompetenzen klar festzulegen. Als Beispiel nannte er die geplante Auswahl der Lehrer durch die Direktoren: "Es kann nicht sein, dass ländliche Regionen dadurch benachteiligt werden. Es muss klar sein, was passiert, wenn sich für Schulen am Land niemand bewirbt." In die Reform-Verhandlungen müssten die Lehrer besser als bisher eingebunden werden, sagte der VP-Parteichef: "Wir müssen partnerschaftlich vorgehen."

 

Ministerin: "Die Reform ist kein Sparpaket"

Ministerin: „Die Reform ist kein Sparpaket“

„Diese Reform ist kein Sparpaket“, kontert Unterrichtsministerin Sonja Hammerschmid (SP) im Interview mit den OÖNachrichten den Vorwürfen der Gewerkschaft. Es werde definitiv zu keiner Erhöhung der Klassenschülerzahlen kommen: „Wir ändern an der Verteilung der Werteinheiten nichts. Das steht auch so im Gesetz.“ Ziel des Pakets sei es, den Schulen Gestaltungsmöglichkeiten zu geben: „Deshalb müssen sie Teilungs- und Klassenschülerzahlen selbst bestimmen können.“

Dass die Gewerkschaft bei der Erarbeitung der Reform nicht beteiligt gewesen sei, stimme nicht: „Ich hatte neun Termine mit Vertretern der Gewerkschaft.“ Zusätzlich habe es noch Kontakte auf Beamtenebene gegeben. Trotzdem will die Ministerin die Ängste der Lehrer sehr ernst nehmen: „Hier geht es um große Änderungen. Ich verstehe, dass das Sorgen auslöst.“ Doch Sorgen zu äußern allein sei zu wenig: „Ich will eine fundierte Diskussion.“

Ein ausführliches Interview mit Sonja Hammerschmid lesen Sie morgen in den OÖN.

 

Kabarett und Konflikt
Kabarettist Markus Hauptmann erzählte süffisant über sein Lehrerleben.

Kabarett und Konflikt

Mehr als 800 Sozialdemokratische Lehrer (SLÖ) begrüßte Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SP) in Leonding. Franz Bicek, Mitglied in der Landesleitung der Lehrergewerkschaft, stand der Bildungsreform ohne Abwehrhaltung gegenüber. „Lasst euch keine Angst einreden“, sagte er. Kabarettist und Lehrer Markus Hauptmann brachte viele Lacher in die Kürnberghalle, die Reporterin Petra Ramsauer viel Nachdenklichkeit mit ihren Erzählungen über die Konflikte in Nahost. „Sie hat Daten und Fakten zur Flüchtlingsthematik sehr hautnah gebracht und klar gemacht, dass uns das Thema lange beschäftigen wird“, sagte SLÖ-Landesvorsitzender Franz Turek.

 

"Kein Sparpaket"
900 grüne und unabhängige Lehrer versammelten sich im Neuen Rathaus.

"Kein Sparpaket"

900 Lehrer brachten bei der Tagung der Grünen Pädagogen und Unabhängigen Lehrer (Kuli-UG) das Rathaus in Linz zum Bersten, sagte Alexander Brix, der Obmann der Grünen Pädagogen. Die Forderung nach einer gemeinsamen Schule brachte auch Lehrer und Bestsellerautor Niki Glattauer in einer Lesung zur Sprache.
„Wir Lehrer wissen am besten, was wir in Schulen brauchen, überlassen wir das nicht Politikern“, forderte Renate Brunnbauer von der Kuli-UG. Für Grünen-Bildungssprecher Gottfried Hirz ist die Reform auf dem richtigen Weg: „Die Schulen brauchen mehr Gestaltungsfreiheit, aber das Autonomiepaket darf kein Sparpaket werden.“

 

Dönmez’ Sicht der Dinge bei den FP-nahen Lehrern

Der FP-nahe Freie Lehrerverein traf sich an der Autobahnraststätte in Ansfelden und lud den Linzer Islam-Kenner Efgani Dönmez, den ehemaligen Bundesrat der Grünen, in ihre Mitte. Unter 120 Lehrern und Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek (FP) sei eine sachliche Diskussion ohne Scheu entstanden, sagte Harald Sander, der Obmann des FLV.

Eine Kernbotschaft: „Wir müssen uns in Österreich klar sein über unsere Werte.“ Die seien unverhandelbar und können nur funktionieren, „wenn wir Freiheitliche mit den Grünen auf einen Nenner kommen“, sagte Sander. Viel Arbeit sei die Integration. „Unsere Hauptaufgabe ist das Unterrichten – aber zum Teil müssen wir als Sozialarbeiter tätig sein. Dafür muss die Regierung Ressourcen schaffen.“

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