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Oberösterreich

"Wir wollen mit einer Geldstrafe Haft vermeiden"

OÖN-Interview mit Carl Christian Thier, Miteigentümer der Anwaltskanzlei, die den 18-jährigen Mühlviertler Leo S. aus dem US-Gefängnis holte

Leo S. mit seinen Eltern. Bild: Urban Thier & Federer

Um 16:40 Uhr lokaler Zeit holte der österreichische Vizehonorarkonsul in Orlando, Carl Christian Thier, den in den USA inhaftierten 18-jährigen Mühlviertler Leo S. aus dem Bezirksgefängnis in Sarasota, Florida, ab und übergab ihn die Obhut seiner Eltern (Details dazu hier).

Sie sollen ihn bis zum 14. September, dem Tag der gerichtlichen Anhörung, im zwei Autostunden entfernten Orlando betreuen. Dort hat die internationale Anwaltskanzlei von Thier, die den jungen Mühlviertler vertritt, ihren Sitz. Die OÖNachrichten haben mit Thier, ein ausführliches Interview über den Fall Leo S. geführt. Darin spricht der gebürtige Deutsche über vergleichbare Fälle, sein Ziel für den Prozess und wie es weitergehen wird.

OÖN: Wie geht es Leo S.?

Carl Christian Thier: Ich habe Leo am Freitag gemeinsam mit unserem Mitarbeiter und Anwalt Matthew Leibert im Gefängnis besucht. Seither telefoniere ich täglich mit ihm. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Aber es war eine deprimierende Situation, mit gerade einmal 18 Jahren im Gefängnis zu sitzen – das sind keine schönen Zustände dort. Das ist kein Erholungsheim, sondern ein US-Gefängnis.

Gibt es vergleichbare Fälle von Jugendlichen, um abschätzen zu können, was Leo erwartet?

Wir hatten Fälle von jungen Deutschen, die sehr lange ins Gefängnis mussten. Das kann passieren, hängt aber auch von der Beweislage ab. Das US-Rechtssystem ist da weniger verständnisvoll bei Jüngeren. Volljährige sind genauso strafmündig wie 30- oder 40-Jährige. Es gibt zwar Strafen nach Jugendrecht, aber selbst die sind manchmal drakonisch.

Wie lautet Ihr Prozess-Ziel?

Wir müssen den Buben aus dem Gefängnis holen und haben keinen Zweifel daran, dass es sich hier nicht um Missbrauch, sondern um eine Liebesgeschichte handelt. Leo ist in die Mühlen eines Systems geraten – ein tragisches Missverständnis. Aber für die Erfüllung des Tatbestands (Missbrauch, Anm.) spielt eine Liebesgeschichte keine Rolle. Wenn das Romeo und Julia-Gesetz greifen würde, wäre es denkbar, dass Leo nur wegen einer Ordnungswidrigkeit bestraft wird, aber das ist unwahrscheinlich. Die Maximalstrafe liegt bei 15 Jahren Haft. Deshalb wollen wir es gar nicht zu einem Prozess kommen lassen, das wäre eine schwere psychische Belastung für alle Beteiligten. Wir streben eine gütliche Einigung mit dem Staat Florida an. Unser Ziel ist es, mit einer Geldstrafe eine Haft zu vermeiden.

Mit welchen Kosten müssen die Eltern von Leo rechnen?

Anders als in Europa ist ein Prozess in den USA sehr personal- und zeitintensiv. Die Höhe der Kosten hängt von der Dauer und Intensität ab und fängt bei mehreren Zehntausend Dollar an. Wenn wir richtig angreifen müssen bei einem Prozess mit Jury, kann es auch sechsstellig werden. Die finanziellen Mittel der Eltern von Leo sind sehr begrenzt. Deshalb hoffen wir, dass noch mehr Geld auf dem Spendenkonto zusammen kommt.

In Österreich sehen Leo viele als Opfer einer Ungerechtigkeit. Wie urteilt die amerikanische Öffentlichkeit über ihn?

Für die US-Presse ist es interessanter, Leo als Sex-Täter hinzustellen – das ist echt tragisch.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir werden mit Leo und seinen Eltern die Verteidigungslinie besprechen und versuchen, mit der Staatsanwaltschaft einen Vergleich auszuhandeln. Nächste Woche beginnen wir mit der Vorbereitung der Beweisaufnahme. Das ist, anders als in Österreich, ein komplexes Verfahren, weil alle Zeugen vorab unter Eid aussagen müssen. Dabei kann jede Seite schon vor Prozessbeginn sehen, was sie beweisen kann und was nicht.

Video: Der USA-Korrespondent des ORF erklärt die rechtlichen Hintergründe der Anklage gegen den 18-jährigen Oberösterreicher. Die Bundesstaaten hätten ganz unterschiedliche Jugendschutzgesetze.

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Artikel Von René Laglstorfer 10. August 2018 - 10:30 Uhr
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