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Oberösterreich

"Wir sind unendlich dankbar, dass wir mit Leo wieder zusammen sein dürfen"

SARASOTA/ORLANDO. Vater Rudolf S. zeigt sich im OÖN-Gespräch erleichtert über die Freilassung seines Sohnes.

Leo S. mit seinen Eltern. Bild: Urban Thier & Federer

235 Stunden verbrachte der 18-jährige Mühlviertler Leo S. in einem US-Gefängnis, weil er mit seiner 15-jährigen Freundin Amanda, einer US-Amerikanerin, einvernehmlich, aber verbotenerweise Sex hatte. Am Donnerstag um 22.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit holte ihn der österreichische Vize-Honorarkonsul und Anwalt Carl-Christian Thier gegen Hinterlegung der Kaution in Höhe von 200.000 US-Dollar persönlich aus dem Bezirksgefängnis von Sarasota, Florida, ab. Drei Stunden später schlossen ihn seine Eltern Rudolf und Lena S. im österreichischen Honorarkonsulat in den Räumlichkeiten von Thiers Anwaltskanzlei in Orlando "erschöpft, aber überglücklich" in die Arme.

Im Fall einer Verurteilung drohen Leo bis zu 15 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 US-Dollar. Die OÖN geben Antworten auf die häufigsten Fragen zu dem Fall.

Video: Der USA-Korrespondent erklärt die rechtlichen Hintergründe der Anklage gegen den 18-jährigen Oberösterreicher. Die Bundesstaaten hätten ganz unterschiedliche Jugendschutzgesetze.

 

Wie geht es Leo und seinen Eltern jetzt und wo befinden sich die Oberösterreicher?

"Leo geht es im Moment gut und wir versuchen unseren Alltag so normal wie möglich zu gestalten", sagte Vater Rudolf S. den OÖNachrichten am Freitag. Die Familie hat ein Quartier im zwei Autostunden von Sarasota entfernten Orlando. Das ist die Hauptstadt des Bezirks Orange County, der so groß wie das Bundesland Vorarlberg ist. In Orlando befindet sich auch Thiers Anwaltskanzlei, in der mit der Familie die Verteidigungsstrategie für die erste Anhörung vor Gericht in 34 Tagen erarbeitet wird.

An welche Auflagen ist die vorläufige Freilassung geknüpft?

Leo musste seinen Reisepass abgeben und darf sich nur zwischen Sarasota und Orlando bewegen. Bereits gestern hatte er sich telefonisch bei Gericht zu melden. Dies muss er nun alle zwei Wochen jeweils am Mittwoch tun. Außerdem muss er alle 14 Tage persönlich bei Gericht erscheinen. Keinesfalls darf er Kontakt zu seiner 15-jährigen Freundin Amanda haben, die im US-Recht als Opfer gilt: weder persönlich, telefonisch, elektronisch noch auf irgendeine andere Art – auch nicht über eine dritte Person oder wenn sie ihn einladen würde. Außerdem verhängte das Gericht ein strenges Internetverbot über Leo. "Als Schutz vor ihm selbst – bei verliebten Jugendlichen weiß man ja nie", sagt sein Anwalt Carl-Christian Thier. Dem Wohnort seiner Freundin darf sich Leo auf 500 Fuß (152 Meter) nicht nähern. Verstößt er gegen eine dieser Auflagen, kommt der junge Mühlviertler wieder in Haft.

Video: Der Rechtsanwalt und Experte für amerikanisches Recht, Christoph Gottesmann, hat alle Informationen rund um den Fall Leo Timon S.

 

Was passiert mit der hinterlegten Kaution in Höhe von 200.000 US-Dollar?

In den USA gibt es keine Untersuchungshaft, weshalb ein Verdächtiger sofort in ein normales Gefängnis kommt, was verhältnismäßig hart ist. Deshalb gibt es das Kautionssystem, damit ein Verdächtiger bis zur Hauptverhandlung auf freiem Fuß bleiben kann. Die Kaution dient als Sicherheit dafür, dass der Verdächtige zu allen Verhandlungsterminen vor Gericht erscheint. Nach Abschluss des Prozesses wird die hinterlegte Kaution zurückerstattet, unabhängig davon, wie das Urteil lautet. Der großzügige Unternehmer aus Oberösterreich, der die umgerechnet 170.000 Euro für die Kaution von Leo zur Verfügung stellte, dürfte also sein Geld zurückerhalten. "Wir sind unendlich dankbar, dass ein Mensch mit großem Herzen für Leo die Kaution bezahlt hat und wir wieder zusammen sein können", sagt Leos Vater Rudolf S.

Warum dauerte es zehn Tage, Leo aus dem Gefängnis zu holen?

Verhaftet wurde Leo am 30. Juli um 21 Uhr amerikanischer Zeit in Venice, das zum Verwaltungsbezirk von Sarasota gehört – da war es in Österreich 3 Uhr früh. Am 2. August vermittelte die österreichische Botschaft in Washington die internationale Rechtsanwaltskanzlei Urban, Thier und Federer, die nach Verhandlungen am 7. August eine Einigung über die Enthaftung von Leo mit dem Staatsanwalt Ryan Felix erzielte. Doch es fehlte noch die Zustimmung von Richter Charles E. Roberts, die schließlich am 9. August eintraf. Seither ist Leo auf freiem Fuß.

Spenden für LEO S.

Die Gemeinde Mitterkirchen hat Ende vergangener Woche ein Hilfskonto eingerichtet, um die Familie bei den Kosten für den Prozess, den Anwalt und die Reise zu ihrem Sohn zu unterstützen. Spendenmöglichkeit unter dem IBAN-Code „AT31 3477 7000 0082 6727“, Raiffeisenbank Mitterkirchen.

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Artikel René Laglstorfer 11. August 2018 - 00:05 Uhr
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