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Oberösterreich

Wenn die Straßenbahn (fast) leer am Gmundner Rathaus vorbeifährt

GMUNDEN. Die Traunsee-Tram hat auch in Gmunden nicht nur Fans: Von "Steuergeldverschwendung", sprechen die Gegner, die Befürworter sehen ein "Zukunftsprojekt für Generationen".

Bild: ebra

Dienstag, knapp nach 13 Uhr am Gmundner Rathausplatz: Eine Garnitur der Traunsee-Tram fährt vorüber. Ein einziger junger Fahrgast sitzt hinten in der vorletzten Reihe der topmodernen Regiotram. In der nächsten Garnitur sind es zwei Fahrgäste, in der übernächsten vier. Ausgelasteter öffentlicher Verkehr sieht definitiv anders aus.

Sechs Millionen Euro hat die Stadtgemeinde zu den 30 Millionen Euro Projektkosten beitragen müssen. "Das war eine Verschwendung von Steuergeld", sagt Beate Enzmann, FP-Stadtparteiobfrau in Gmunden. Nur durch "geschickte Lobbyarbeit der Befürworter" sei damals das Projekt beschlossen worden, sagt sie. Sie kritisiert auch die Streckenführung: "Die Bahn fährt nicht zum Schwimmbad und sie fährt nicht zum Krankenhaus. Flexible Hybrid-Busse wären für Gmunden die weit bessere Lösung gewesen."

Eine Million Fahrgäste pro Jahr

Gegen den Vorwurf, dass in Gmunden Steuergeld verschwendet worden sei, verwahrt sich SP-Stadtrat Wolfgang Sageder: "Die Traunsee-Tram ist ein Zukunftsprojekt, von dem noch viele Generationen profitieren werden", sagt der Sozialdemokrat. Sein Ziel: Eine Million Fahrgäste sollen die Traunsee-Tram künftig pro Jahr nutzen.

Für Stadtrat Reinhold Kassmannhuber von der Bürgerinitiative Gmunden (BIG) ist dieses Ziel genau Teil des Problems. "Ab 20.000 Passagieren pro Tag wäre eine Straßenbahn sinnvoll gewesen." Bei 13.191 Menschen, die in Gmunden leben, dürfte das schwierig zu erreichen sein. "Für eine Stadt wie Gmunden ist eine solche Straßenbahn ein Luxus, den alle anderen bezahlen müssen", sagt Kassmannhuber. Die Baukosten von rund 30 Millionen Euro seien nur die Spitze des Kosteneisbergs: "Die neuen Garnituren haben 33 Millionen gekostet. Das Land Oberösterreich hat Stern&Hafferl Betriebsgarantien in der Höhe von 75 Millionen Euro zugesichert. Dem Betreiber kann die Auslastung der Bahn also vollkommen egal sein." Kassmannhuber rechnet damit, dass die Bahn so, wie sie jetzt betrieben wird, nicht mehr lange fahren wird. "Ich glaube, dass die Frequenz der Züge reduziert werden wird müssen, weil die Auslastung so gering ist", sagt er.



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Im ersten Betriebsmonat nutzten laut Verkehrsverbund "mehr als 100.000 Fahrgäste" die neue Straßenbahn. Während der ersten zwei Wochen war die Fahrt mit der Traunsee-Tram kostenlos. "Das langfristige Ziel ist Fahrgastzahl von etwa 3200 pro Werktag. Dieses Ziel soll innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre erreicht werden", heißt es aus dem Oberösterreichischen Verkehrsverbund (OÖVV). Zum Vergleich: An einem normalen Werktag nutzen 178.000 Fahrgäste die Linzer Straßenbahnen.

Weniger Stau in der Innenstadt

Der Straßenbahnbetreiber Stern & Hafferl verweist darauf, dass von den 30 Millionen Euro Baukosten nur ein Drittel in die Schiene floss. Zwei Drittel wurden in die Gmundner Infrastruktur (Kanal, Straßen, Brückenbau) investiert. Ausgaben, die ohnehin notwendig gewesen wären. Zudem zeige sich schon jetzt, dass sich der Verkehr in der Gmundner Innenstadt deutlich beruhigt habe, seit im Zuge der Straßenbahninvestition auch eine Begegnungszone geschaffen wurde. 

 

Eine Straßenbahn mit Geschichte

Eine Straßenbahn mit Geschichte

Die Straßenbahn in Gmunden ist eine der ältesten in Österreich. Am 13. August 1894 nahm die Elektrische Lokalbahn Gmunden (ELBG) erstmals den Betrieb auf. Erst nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde sie offiziell zu einer Straßenbahn umkonzessioniert.

Ursprünglich war die Strecke 2543 Meter lang. Im Jahr 1975 wurde der Abschnitt zwischen dem Rathausplatz und dem Franz-Josef-Platz stillgelegt. Mit einer verbleibenden Streckenlänge von 2315 Metern galt die Bim in Gmunden als die „kleinste Straßenbahn der Welt“.

Im Februar 2013 beschloss der Gemeinderat in Gmunden, die Straßenbahn auf völlig neue Beine zu stellen. Die Gmundner Straßenbahn wurde mit der Lokalbahn Gmunden-Vorchdorf verknüpft. 80 Prozent der Projektkosten übernahm das Land Oberösterreich.

Am 1. September 2018 wurde der Zusammenschluss von Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) und Verkehrsstadtrat Günther Steinkellner (FP) feierlich eröffnet. Seither verkehren Züge direkt zwischen dem Bahnhof in Gmunden bis nach Vorchdorf.

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Artikel (hip) 25. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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