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Oberösterreich

Warum heuer besonders viele Wildschweine erlegt wurden

LINZ. 1894 Wildschweine wurden im vergangenen Jagdjahr in Oberösterreich erlegt, das sind fast doppelt so viele wie im Jahr davor. Die starke Vermehrung dieser Wildart erforderte eine "scharfe Bejagung".

Jagd in Oberösterreich Bild:

Jeweils von 1. April bis 31. März dauert ein Jagdjahr. Gestern hat die Statistik Austria die "Abschussbilanz" für 2017/2018 vorgelegt. Und sie zeigt: Oberösterreichs Weidmänner und -frauen haben in dieser Zeit insgesamt 175.295 Stück Wild in den heimischen Revieren zur Strecke gebracht. Das sind um 4,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Am auffälligsten ist die Steigerung der Abschusszahlen beim Wildschwein. 1894 "Schwarzkittel" wurden erlegt, eine Zunahme um 89 Prozent.

Klingt geradezu astronomisch, liegt aber laut Christopher Böck, dem Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, innerhalb der "natürlichen Schwankungsbreite" der vergangenen Jahre. Diesmal konnte das Wildschwein "aus dem Vollen schöpfen". Milde, trockene Witterung im Winter und Frühjahr bot den Frischlingen gute Bedingungen fürs Überleben: Speziell in den Bezirken Urfahr, Freistadt, Vöcklabruck, Ried und Braunau hat sich das Schwarzwild stark vermehrt.

Umso wichtiger war deshalb die "scharfe Bejagung", um Schäden für die Landwirtschaft durch die großen Rotten möglichst gering zu halten. Das liegt auch im Eigeninteresse der jeweiligen Jagdausübungsberechtigten, die für die Wildschweinschäden aufkommen müssen. Dass von Jänner bis März in vielen Revieren teils durchgängig eine Schneedecke lag, auf der sich die Fährten der Wildschweine gut abzeichneten, erleichterte die Jagd erheblich.

Höchststand bei aktiven Jägern

Auch bei den anderen Haupt- wildarten hat die "Strecke" in Oberösterreichs Jagdrevieren zugelegt. Beim Rehwild gab es ein Plus von 4,9 Prozent im Vergleich zur Saison 2016/2017, beim Feldhasen waren es fünf und beim Fasan fast zehn Prozent.

Eine Steigerung gibt es auch bei der Zahl der Jagdkartenbesitzer, also der "aktiven Jäger": 19.211 Oberösterreicher frönen derzeit dem Weidwerk, 200 mehr als im Jahr davor. Das ist seit der Gründung des o.ö. Landesjagdverbandes vor 72 Jahren ein absoluter Höchststand.

Bundesweit ging die Jagdstrecke leicht zurück: 758.000 Stück Wild haben Österreichs Jäger 2017/2018 erlegt, das entspricht einem Minus von 0,5 Prozent gegenüber der vorigen Saison. Dabei nahm die "Strecke" beim Haarwild (Reh, Hirsch, Wildschwein, Hase, Fuchs) um 2,6 Prozent auf 633.000 Stück zu, während sie beim Federwild (Fasan, Rebhuhn, Wildente) um fast 14 Prozent auf 125.000 Stück gesunken ist.

Auch bundesweit wurde das größte Plus bei der Wildschwein-Strecke verzeichnet: 40.300 Stück wurden erlegt, um 31,7 Prozent mehr als zuletzt. Ein Minus gab es hingegen beim Feldhasen (6,8 Prozent) und beim Fasan (15,6).

 

3 Fragen an...

Drei Fragen an Christopher Böck, Wildbiologe

Der Geschäftsführer des oö. Landesjagdverbandes sieht in der aktuellen Jagdbilanz auch eine Bestätigung der guten Hegearbeit in den heimischen Revieren.

1 Anders als im bundesweiten Trend ist die Jagdbilanz bei uns im Plus. Warum?

Unsere Jäger sind sehr gut ausgebildet und nehmen die Hege ernst. Gemeinsam mit den Landwirten pflanzen sie Hecken und Wildäcker, die dem Wild Rückzugsmöglichkeiten, Deckung, Nahrung bieten. Das führt zu stabilen Wildbeständen.

2 Gibt es auch ein „Sorgenkind“ unter den heimischen Wildarten?

Das Sorgenkind ist das Rebhuhn. Im vergangenen Jagdjahr belief sich die Strecke nur auf 40 Stück, vor zehn Jahren waren es noch 500. Viele Jäger verzichten auf seine Bejagung, weil die Populationen schon zu klein sind.

3 Warum ist der Bestand dieser Federwildart derart eingebrochen?

Weil der Verlust an Brachflächen, auf die sie angewiesen ist, nach wie vor nicht kompensiert werden konnte. Das Problem begann, als die Landwirte aufgrund neuer EU-Richtlinien auf den Brachen Feldfrüchte anbauten, die intensiv bewirtschaftet werden.

 

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Artikel Alfons Krieglsteiner 12. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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