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Oberösterreich

Vermummte Hooligans überfielen Zug mit Vorwärts-Fans

ENNSDORF. Vermummte Rowdys lauerten den „gegnerischen“ Anhängern auf der Heimfahrt auf dem Ennsdorfer Bahnhof auf und warfen Rauchbomben in den Regionalzug. Die Gewalttäter zerrten Fans mit rot-weißen Schals aus den Abteilen und verprügelten sie am Bahnsteig.

Erst nach dem Polizeieinsatz im Linzer Stadion kam es in Ennsdorf zu Ausschreitungen zwischen sogenannten Ultras von Blau-Weiß Linz und dem Vorwärts-Anhang. Bild: Symbolbild: Hörmandinger

„Ich habe mich meines Lebens nicht mehr sicher gefühlt“, sagt ein Familienvater aus Steyr, der sich mit seinem 14-jährigen Sohn bloß ein Fußballmatch anschauen wollte. Ein Transparent „Hasst die Linzer!“, das radikale Steyrer Fans auf den Zaun gehängt hatten, störte ihn schon im Stadion. Von den 40 Steyrer Ultras, die von der Polizei nach dem Schlusspfiff von einer Hundertschaft der Polizei zum Linzer Bahnhof eskortiert wurden, traf er dann einige wieder im Zugabteil auf der Heimfahrt nach Steyr.

Die Schnellbahngarnitur nach Steyr kam dann nicht weit. Auf dem Bahnhof in Ennsdorf hatten gewaltbereite Unterstützer  von Blau-Weiß ihren Rivalen regelrecht aufgelauert, nachdem der Polizeieinsatz beim Bundesligaspiel bereits beendet war. Die vermummten Hooligans stürmten den Bahnsteig und warfen Rauchbomben in den Zug, nachdem Fahrgäste zum Aussteigen die Waggontüren geöffnet hatten. Wer Schal und Wimpel von Vorwärts Steyr trug, war in höchster Gefahr, von den Rowdys aus dem Zug gezerrt zu werden. „Ich habe dann durch das Fenster Leute mit blutigen Köpfen gesehen“, sagt der Steyrer Familienvater, der mit seinem Buben von den Übergriffen verschont geblieben war. „Es ist mit Sicherheit das letzte Fußballspiel gewesen, das wir uns angesehen haben“, sagt der Mann.

 

 

Als die vom Zugbegleiter zu Hilfe gerufenen Polizeistreifen aus Enns eintrafen, waren die Gewalttäter bereits über alle Berge. Wer die Rabauken waren, ist nun Gegenstand von Ermittlungen der Landespolizeidirektion Niederösterreich. Vor dem Spiel hat sich bereits eine Fangruppe aus Regensburg, die mit den Anhängern von Blau-Weiß befreundet sind, sowie aus Offenbach angekündigt, die mit den Schlachtenbummlern von Vorwärts Steyr verbrüdert sind. „Die Polizei führt Ermittlungen in alle Richtungen durch“, sagt Michael Hubmann vom Linzer Stadtpolizeikommando. Nachforschungen werde es beim radikalen Anhang von allen beim Match beteiligten Fußballklubs geben. „Dazu gehört auch ein etwaiges Umfeld bei Blau-Weiß“, sagt Hubmann, „schließlich fanden die Ausschreitungen nach einem Spiel des Vereines statt“.

Für den Marketingleiter von Blau-Weiß Christian Wascher steht in keiner Weise schon fest, dass der Anhang von Blau-Weiß an dem Zugüberfall beteiligt gewesen sei: „Selbstverständlich müssen wir die polizeilichen Ermittlungen abarten, wollen aber in diesem Zusammenhang festhalten, dass es sich bei der Tätergruppe am Bahnhof Ennsdorf nach unseren Informationen nicht um Personen aus Linz handelte.“ Die Ausschreitungen selbst verurteilt Wascher auf das Schärfste, „das ist eine Katastrophe auch für den Fußball.“

Die offizielle Stellungnahme von Blau-Weiß Linz zu den gestrigen Vorfällen:

Polizei vermutlich vorab informiert

Bestätigt wurde unterdessen ein Gerücht, das nach den Zwischenfällen unter Fußballfans die Runde gemacht hat: Die mit der Bahn anreisenden Vorwärts-Fans hatten die Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass sie Hinweise hätten, dass irgendwelche blau-weiße Fanatiker eine Attacke auf der Hinfahrt zum Match geplant hätten. Einsatzkräfte der Polizei fuhren daraufhin in Zivil im Zug nach Linz mit. „Während und nach dem Spiel gab es dann keine Anzeichen mehr auf weitere Gewaltdelikte“, sagt Hubmann, worauf das Großaufgebot der Polizei Feierabend machte.

Die Ausschreitungen hatten dann auch Auswirkungen auf den regionalen Zugsverkehr: Sowohl die Schnellbahngarnitur nach Steyr als auch ein Anschlusszug nach Amstetten konnten erst mit einer Stunde Verspätung abfahren. Die Polizei wird nun versuchen, mit Aufnahmen aus Videokameras und Zeugenaussagen die Gewalttäter auszuforschen. Nicht ausschließen will die Polizei, dass sich die beiden Ultragruppen schon von früheren Raufereien und Ausschreitungen her kannten.

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Artikel Hannes Fehringer 03. November 2018 - 11:24 Uhr
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