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Oberösterreich

Unwetter: Mure riss Straße mit, Wohnhaus in Gosau gefährdet

Von OÖN/nachrichten.at   22. Juni 2012 14:26 Uhr

Unwetter

GOSAU. Die Feuerwehr Gosau rettete durch Ableiten von Geröll- und Wassermassen das Anwesen einer Familie. Durch die heftigen Regengüsse hatte sich vom Leutgebkogel eine Mure gelöst.

Starkregen löste am Donnerstagabend am Leutgebkogel in der Gemeinde Gosau eine Mure aus. Sie riss die darunterliegende Forststraße weg und bewegte sich auf das Wohnhaus sowie das landwirtschaftliche Anwesen einer Familie zu. Der Freiwilligen Feuerwehr Gosau gelang es gemeinsam mit den Söhnen der Familie noch rechtzeitig, die Wasser- u. Geröllmassen vom Wohnhaus abzuleiten, sodass das Haus gerettet wurde. Die umliegenden Wiesen, über die jetzt der Bach fließt sindstark vermurt.

Insgesamt rückte die Freiwillige Feuerwehr Gosau am Donnerstag nach 20 Uhr zu sieben Einsätzen aus. Mehrere Bäche nahmen die Wassermassen nicht mehr auf und traten über die Ufer. Schäden an Gebäuden konnten weitgehend vermieden werden. Auch die Straße vom Pass Gschütt (B 166) war im Zentrum von Gosau überflutet und von Erdmassen stark verunreinigt worden. Sie war kurzzeitig nur eingeschränkt passierbar.Die Überflutung der Straße im Ort wurde von der Feuerwehr gestoppt, indem die Verklausung des Riesenbaches ausgeräumt wurde.

Land unter im Innviertel - Hochwasser "wie 1954"

Schwere Regenfälle im Innviertel verursachten in der Nacht auf Donnerstag vor allem in den Bezirken Braunau und Ried massive Überschwemmungen. Dabei kam es nicht nur zu schweren Sachschäden, sondern auch mehrere Menschenleben waren in akuter Gefahr.

Alle 76 Feuerwehren in Ried waren im Einsatz, zudem leisteten auch Kollegen aus Bayern Unterstützung.

Dramatische Szenen in Waldzell: Ein beherzter Traktorfahrer barg einen Verletzten und zwei Rotkreuz-Helfer, deren Wagen in einer Sturzflut versunken war. Im Kampf gegen die Wassermassen hatte sich der Waldzeller Markus Schabetsberger eine tiefe, stark blutende Schnittwunde an der Hand zugezogen. „Als ich das Kellerfenster schließen wollte, wurde die Scheibe vom Wasser hereingedrückt. Der Wagen der alarmierten Rettung wurde vor unserem Haus von einer Sturzflut erfasst. Ein Nachbar kam uns mit seinem Traktor zu Hilfe. Ich konnte mich in die Kabine hanteln, die beiden Rettungshelfer auf die Frontlader-Schaufel.“ In Aurolzmünster-Forchtenau konnte sich der Hausbesitzer Johann Danninger im letzten Moment aus seiner Kellergarage vor dem Ertrinken retten. „Das Wasser stand mir bis zur Brust. Ich versuchte, noch die wichtigsten Sachen aus dem Auto zu räumen, dabei stürzte ich aber. Ich blieb bei einem Eisenteil hängen, riss mich aber los und tauchte dann die Einfahrt hinauf.“

„Alles voller Dreck und Wasser“

Die Waldzellerin Elisabeth Haas wurde in ihrer betreubaren Wohnung vom Wasser überrascht, als sie im Bett lag. „Seit dem Jahr 1954 hat es bei uns so etwas nicht mehr gegeben. Alles voller Dreck und Wasser.“ Wassermassen, die den Ort in einen Bach verwandelten. Häuser, Hauptschule, Kindergarten, Mehrzweckhalle, Supermarkt: alles überflutet. „Wir mussten Schotterhaufen von den Straßen räumen, um überhaupt wieder fahren zu können“, sagt Bürgermeister Hans Jöchtl. Der Zusammenhalt in Waldzell ist beeindruckend. Es haben sich spontan Freiwillige gemeldet, um beim betreubaren Wohnen aufzuräumen.

Dramatische Szenen auch in der Mehrnbacher Ortschaft Atzing: Der Bahndamm wurde weggespült, ein Zug konnte weder vor noch zurück, die Feuerwehr musste den Lokführer und zwei Fahrgäste evakuieren. „Katastrophal. Im Ortszentrum stand das Wasser einen Meter hoch“, sagt Mehrnbachs Bürgermeister Peter Bahn.

Wenige Kilometer entfernt in Aspach-Wildenau konnte sich ein 25-jähriger Mettmacher in letzter Sekunde durch das Schiebedach seines Autos ins Freie retten, bevor es von den Fluten erfasst wurde. In Gurten rissen die Fluten mehr als 30 Autos vom Parkplatz der Firma Fill mit sich. Auf dem Flugplatz der Rieder Gemeinde Kirchheim waren 30 Menschen eingeschlossen, sie konnten erst gerettet werden, als sich die Wassermassen zurückzogen. Lebensbedrohlich nahe kam das Hochwasser auch einem betagten Ehepaar in Polling. Der 89-jährige Hausbewohner gab den Feuerwehrleuten gegen ein Uhr früh mit einer Taschenlampe Notsignale. Die Helfer versuchten, mit einem Feuerwehrauto zu dem überfluteten Haus vorzudringen – vergeblich. Drei Feuerwehrmänner und ein Polizist wateten bis zur Brust im Wasser und gelangten über ein Fenster in das Haus.

Pensionisten mit Boot gerettet

Die bettlägrige 85-Jährige bangte um ihr Leben, weil das Wasser im Schlafzimmer im Erdgeschoss bereits bis zur Matratze vorgedrungen war. „Das Wasser stand etwa 1,50 Meter hoch“, sagte Bernhard Rögl von der Freiwilligen Feuerwehr in Weng. Regenfluten hatten den Pollinger Bach in einen reißenden Fluss verwandelt. Die Feuerwehrleute brachten das Ehepaar und eine Pflegerin mit einem Schlauchboot in Sicherheit.

 

Unwetter in Zahlen

74 Liter pro Quadratmeter schüttete es von Mittwochabend bis Mitternacht auf dem Kolomannsberg bei Mondsee, das war der Rekordwert in Oberösterreich. Binnen 15 Minuten fielen an die 20 Liter. 70 Liter in sechs Stunden wurden laut ZAMG in Ternberg verzeichnet, 52,5 in Mattighofen, 50 in Micheldorf. In Wels waren es hingegen nur 17 Liter, in Linz 14.

82 Kilometer pro Stunde erreichten die Sturmböen während der Unwetter in Ostermiething, 60 km/h in Braunau.

2847 Blitze registrierte das Blitzortungssystem ALDIS während der Unwetter in Oberösterreich. „Wären die Gewitter gleichmäßig auf die Gesamtfläche verteilt gewesen, wäre das ein durchschnittlicher Wert, es haben sich an dem Abend aber kompakte lokale Gewitterzellen gebildet, so dass das Blitzaufkommen in den betreffenden Bereichen extrem hoch war“, sagt ALDIS-Chef Gerhard Diendorfer.

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