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Oberösterreich

Trotz Job Matura mit Auszeichnung: "Ein Traum"

Nach der Arbeit bis in die Nacht die Schulbank drücken, strebern am Wochen-ende: Das hat sich für Dominique Filipec und Marie-Therese Pusch ausgezahlt. Sie bestanden die Matura mit Auszeichnung.

Dominique Filipec Bild: Herbert Schorn

Eine Staplerfahrerin will hoch hinaus

Dominique Filipec hat schon mehrere Anläufe hinter sich, um die Matura zu schaffen: Mit 15 musste die Wienerin nach massiven Panikattacken das Gymnasium abbrechen. Sie hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, arbeitete als Rezeptionistin in einem Fitnesscenter, später auf einem Reiterhof. Sie schrieb sich in einer privaten Maturaschule ein, brach aber ab.

Mit 20 Jahren übersiedelte Filipec nach Oberösterreich. In Steyr begann sie über eine Leasingfirma im BMW-Werk in Steyr als Staplerfahrerin. Daneben machte sie eine Lehre zur Betriebslogistik-Kauffrau. Im Februar 2015 startete sie ihren letzten Versuch, doch noch die Matura zu schaffen.

"Man muss schon reinbeißen"

Sie begann im Linzer Abendgymnasium, das im Gebäude des Akademischen Gymnasiums an der Spittelwiese untergebracht ist. Dort ist täglich von 17 bis 22 Uhr Unterricht. Die Fächer werden in Modulen unterrichtet, sodass die Schüler entscheiden können, wie viel sie in jedem Semester bewältigen wollen.

"Man muss schon reinbeißen und an sich arbeiten, um das große Lernpensum zu bewältigen", sagt die 25-Jährige. Nicht selten lernte sie bis zwei Uhr morgens, bis alles perfekt saß. Am Dienstag erhielt sie bei der Maturafeier den Lohn für die harte Arbeit: das Maturazeugnis mit (fast) lauter Einsern. "Ein Traum ging in Erfüllung." Ausgelernt hat sie aber noch nicht: Im Herbst startet sie das Studium der Systemtechnik in der Schweiz. Dafür muss sie von Steyr Abschied nehmen – und vom Stapler: "Den werde ich vermissen."

 

Dem Traumberuf ein großes Stück näher

Marie-Therese Pusch hat seit ihrer Kindheit einen großen Traum: Sie will Ärztin werden. Doch ein Sturz und ein mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt verhinderten dies vorerst. Die Waldviertlerin musste das Gymnasium abbrechen. Sie machte in Wien in einer Drogeriekette eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau und zur Drogistin. Die Matura wollte sie nebenbei machen, scheiterte aber an der mangelnden Unterstützung durch die Firma.

Später zog die heute 24-Jährige nach Amstetten, wo sie bis vor kurzem in einem Büro arbeitete. Vor 4,5 Jahren meldete sie sich im Linzer Abendgymnasium an. Dort begeisterte sie die modulare Aufteilung der Fächer: „Man kann jedes Modul wie auf der Uni buchen“, sagt sie. Auch das familiäre Klima gefiel ihr sehr: „Alle helfen zusammen, wir Schüler werden von den Lehrern auf Augenhöhe behandelt. Dumme Fragen gibt es nicht.“

So konnte die 24-Jährige endlich ihre Talente entfalten und schloss die Matura am Dienstagabend mit lauter Einsern ab: „Die Matura ist für mich der Schlüssel zur Zukunft.“

Und die beginnt schon morgen: Dann wird sie in Wien beim Aufnahmetest für das Medizinstudium antreten. Damit aus ihrem Traum endlich Realität wird.

 

 

Linzer Abgendgymnasium

550 Schüler besuchen das Linzer Abendgymnasium, vor vier Jahren waren es 350. Der Unterricht findet täglich von 17 bis 22 Uhr statt. Vorkenntnisse werden angerechnet, für Schulabbrecher gibt es eigene Pakete. Bis zur Matura sind acht Semester vorgesehen, sie kann in Abschnitten abgelegt werden. Voraussetzung ist der positive Abschluss der achten Schulstufe. Der Unterricht ist kostenlos.

 

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Artikel Herbert Schorn 05. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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