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Oberösterreich

Trotz Bewachung: Unbekannte beschmierten die KZ-Gedenkstätte

12. Mai 2014 00:04 Uhr

Trotz strenger Bewachung: Unbekannte beschmierten die KZ-Gedenkstätte
Hinter dieser grünen Plane steht in schwarzen Lettern: »TÜRKENRASS AB INS GAS. SIEG HEIL«, außerdem wurde ein Hakenkreuz aufgesprüht.

MAUTHAUSEN. Mauthausen-Komitee kritisiert Exekutive: "Ministerium wollte Vorfall geheim halten"

Die über Absperrgitter gezogene grüne Plane verhüllte gestern bei den Gedenkfeiern zur Befreiung des KZ Mauthausen die jüngste Schmieraktion (nachrichten.at berichtete). In der Nacht zum Freitag sprühten Unbekannte auf eine Mauer in unmittelbarer Nähe des Appellplatzes mit schwarzer Sprühfarbe das Hakenkreuz und in fast zwei Meter großen Lettern: "TÜRKENRASS AB INS GAS. SIEG HEIL".

Obwohl eine Besuchergruppe Freitagmorgen die Schmiererei entdeckte, wurde der Fall erst Samstag öffentlich. "Es ist nicht Aufgabe der Polizei, eine Schmiererei im KZ Mauthausen öffentlich zu machen, noch dazu, wenn es so kurz vor den Gedenkfeiern passiert", sagte gestern Michael Tischlinger vom Verfassungsschutz auf Anfrage der OÖNachrichten. "Dass wir den Spruch verhüllt haben, ist klar und eine Sache der Pietät."

"Neue Qualität der Schändung"

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen-Komitees, ist entsetzt: "Trotz verstärkter Polizeipräsenz rund um die Gedenkfeiern ist das passiert. Und es ist nach den Schändungen in den Jahren 2009 und 2010 eine neue Qualität: Die haben sich wirklich was getraut." Denn die Täter hätten sich trotz des größeren Risikos bis zu den Toren des KZ vorgewagt.

Das bestätigt auch Verfassungsschützer Tischlinger: Er hält es aber für unmöglich, trotz verstärkter Präsenz Schmierereien zu verhindern: "Wenn unsere Hundepatrouille vorbeigegangen ist, haben die Täter genügend Zeit, bis die nächste Patrouille kommt."

Eine Videoüberwachung ist umstritten. Mauthausens SP-Bürgermeister Thomas Punkenhofer sagt: "Die Debatte über Kameraüberwachung bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat, denn wir wollen die Besucher in ihrem Gedenken nicht einschränken. Außerdem ist die Anlage so riesig." Er setzt auf "Bekämpfung des Übels an der Wurzel". Mit politischer Bildung an Schulen und Aufklärung: "Dann gibt es hoffentlich dieses Gedankengut nicht mehr."

Auch Kindergrab geschändet

Gestern Nachmittag wurde eine weitere Schändung auf dem Friedhof von Mauthausen bekannt: Auf dem Grab eines 1976 verstorbenen türkischen Kindes prangt ein Hakenkreuz – ebenfalls mit schwarzem Lack aufgesprüht.

Bereits vor vier und vor fünf Jahren waren die Außenmauern des KZ Ziel von Schmieraktionen. Im Februar 2009 schrieben Unbekannte in 70 Zentimeter großen Lettern: "Was unseren Vätern der Jud, ist für uns die Moslembrut, seid auf der Hut! 3. Weltkrieg – 8. Kreuzzug". 13 Monate später stand – erneut in roter Schrift – "Türk’ und Jud’, giftigs Blut" auf den Außenmauern. Die Täter konnten von der Polizei nicht ausgeforscht werden. Für dieses Delikt drohen nach dem Verbotsgesetz bis zu zehn Jahre Haft.

Taten statt Sonntagsreden

Mernyi vom Mauthausen-Komitee appelliert einmal mehr an die Politiker, die rechte Szene nicht zu negieren, sondern sie wirksam zu bekämpfen: "Wir brauchen statt Sonntagsreden Montagshandlungen." (müf)

 

Bericht zu den Befreiungsfeiern vom Wochenende

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