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Oberösterreich

Sportler wurde Zeuge von Lynchjustiz

Von Philipp Hirsch   31. August 2011 00:04 Uhr

Sportler wurde Zeuge von Lynchjustiz
Dieses Foto von Christian Pflügl (r.) und Betreuer Herwig Bremberger mit kenianischen Kindern entstand vor dem Vorfall.

KENIA. Auf seinem Trainingslager in Kenia musste Langstreckenläufer Christian Pflügl mitansehen, wie ein aufgebrachter Mob einen Mann massakrierte. Die Bilder der Bluttat lassen den 32-jährigen Oberösterreicher seither nicht mehr los.

Er suchte perfekte Trainingsbedingungen im kenianischen Hochland und fand sich in einem Land ohne funktionierende Justiz oder Polizei wieder. Im ostafrikanischen Kenia regiert bis heute das Recht des Stärkeren.

Seit nunmehr fast zwei Wochen bereitet sich Pflügl auf 2400 Höhenmetern für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London vor. 190 Kilometer pro Woche läuft er dort mit seinen Trainingspartnern über die lehmigen und schlaglochgespickten Straßen.

Drama am freien Tag

An seinem freien Tag fuhr Pflügl mit seinem Betreuer Herwig Bremberger und dem Trainingscamp-Mitarbeiter Conny ins nahe Eldoret, um in der 250.000-Einwohner- Stadt einzukaufen. Sie ahnten noch nicht, dass sich dieser Tag für immer in ihrem Gedächtnis einbrennen sollte: Zu Mittag wollte die kleine Gruppe in einem Hotel einkehren. „Davor stand eine riesige aufgebrachte Menschenmenge. Zuerst dachte ich, dass ein Unfall passiert ist“, sagt Pflügl. Conny erklärte ihm, dass die Menschen wegen eines lapidaren Handydiebstahls so in Rage waren.

Mit Stein erschlagen

Vom ersten Stock des Hotels konnte der Oberösterreicher dann erkennen, was wirklich los war. Inmitten der Menschentraube lag regungslos ein blutüberströmter Mann. Die Umstehenden schlugen auf den Wehrlosen ein und trampelten auf dem vermeintlichen Handydieb herum. „Rundherum haben viele gefilmt und fotografiert“, beschreibt der 32-Jährige die grotesk brutale Szene. Plötzlich hob einer der Männer einen großen Stein auf. „Sie haben den bereits Leblosen damit einfach hingerichtet. Wir waren schockiert und fassungslos.“ Weit und breit kein Anzeichen von Polizei. „Ganz normal hier“, erklärte Conny. Lynch- und Selbstjustiz stehen in Kenia bis heute auf der Tagesordnung, der Staat scheint machtlos. Der Aufwand für Polizei und Justiz sei viel zu groß und würde Geld kosten, das Kenia nicht hat, glaubt Conny.

„Hätte ich nicht mit eigenen Augen gesehen, was dort passiert ist, würde ich es wahrscheinlich nicht glauben“, sagt Pflügl. Seit dem Vorfall konzentriert er sich noch mehr auf sein Training, versucht die schrecklichen Bilder zu verdrängen.

 

Langstreckenläufer Christian Pflügl

Christian Pflügl wurde 1978 in Vöcklabruck geboren. Er arbeitet als Sportartikelverkäufer, ist verheiratet und hat drei Kinder.
Im Alter von 16 Jahren hat er erst relativ spät mit dem Laufen begonnen. Seit zehn Jahren betreibt der 32-Jährige Leistungssport.

Sein großes Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei zu sein. 2008 und 2009 wurde er Staatsmeister im Marathon und belegte beim OMV Linz Marathon 2010 mit seiner persönlichen Bestzeit von 2:16:58 Stunden den hervorragenden zweiten Platz.
 

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