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Oberösterreich

Schwere Vorwürfe gegen Innviertler Hendlmäster

Von Alfons Krieglsteiner   14. Mai 2014 00:04 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen Innviertler Hendlmäster
"Dieses Bild haben wir bei dem Innviertler Mastbetrieb aufgenommen", bestätigte die "Soko Tierschutz".

LINZ. Schwere Vorwürfe gegen sechs Zulieferbetriebe eines oberösterreichischen Geflügelkonzerns erhebt eine deutsche Tierschutzorganisation.

Die Doku lief am Sonntagabend in der RTL-Sendung "Spiegel TV" – und viele, die sie sahen, waren entsetzt: Ein Jahr lang hatten Mitarbeiter der deutschen Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz" bei sechs Geflügelmastbetrieben heimlich Videoaufnahmen gemacht – und haarsträubende Zustände ans Licht gebracht (zu sehen auf Youtube unter "Soko Tierschutz"). Es handelt sich um sechs Zulieferer eines oberösterreichischen Geflügelkonzerns, fünf aus Bayern, aber auch einer aus dem Innviertel. "Ich werde angesichts der schweren Anschuldigungen den Veterinärdirektor einschalten und den Betrieb genau unter die Lupe nehmen lassen", sagte Agrarlandesrat Max Hiegelsberger gestern in einer ersten Reaktion.

Konzern ist "tief betroffen"

Auch der Geflügelkonzern drängt auf vollständige Aufklärung. Die Vertragslandwirte seien zwar selbstständige Familienbetriebe, "für uns als Verarbeitungsbetrieb ist es aber wichtig, dass die vorgelagerte Tierhaltung nach ordentlichen und gesetzeskonformen Standards erfolgt". Deshalb seien die vertraglichen Beziehungen zu den in Kritik geratenen Landwirten vorerst ruhend gestellt worden.

"Das Bildmaterial hat uns tief betroffen gemacht", sagte ein Konzernsprecher. Man habe sich bisher nicht nur auf die regelmäßigen veterinärmedizinischen Kontrollen verlassen, sondern auch "auf von uns beauftragte externe Prüfer". Hinweise auf Verstöße habe es nicht gegeben.

"Wir haben zu den Betrieben undercover Zugang gefunden, durch Leute aus dem Umfeld, die mit den Praktiken nicht einverstanden sind", berichtet Friedrich Mülln von der "Soko Tierschutz" in Augsburg. "In dem Stall des Innviertler Betriebes sind wir alle zwei Meter auf ein verendetes Tier gestoßen, großteils ohne Federn, mit aufgeplatzter, entzündeter Haut." Schon zwei Tage nach ihrer Ankunft seien die Küken zur Leistungsförderung mit Antibiotika behandelt worden – das ist laut Gesetz verboten.

Der Innviertler Hähnchenmäster, dessen Betrieb mit dem AMA-Gütesiegel wirbt, weist die Vorwürfe zurück: "Ich höre das zum ersten Mal, ich kenne diese Leute nicht." Er behalte sich gerichtliche Schritte gegen die Tierschützer vor. "Die Antibiotika mussten wir auf Anordnung unserer Bestandstierärztin von der Qualitätsgeflügelvereinigung verabreichen, weil in der neu eingetroffenen Herde eine Durchfallerkrankung aufgetreten ist." Das bestätigt auch AMA-Sprecherin Manuela Schürr.

Der Betrieb werde einmal pro Jahr von der AMA überprüft: "Vor allem beim Management besteht dort noch Optimierungsbedarf." Das Gütesiegel dürfe er vorerst behalten, "wir werden ihn aber künftig sehr intensiv kontrollieren".

 

Qualitätsmerkmal

Das Gütesiegel der „Agrarmarkt Austria“ (AMA) wird nur Betrieben verliehen, deren Produkte unabhängig kontrolliert und konventionell erzeugt werden. Sie müssen überdurchschnittlichen Qualitätskriterien genügen. Ihre heimische Herkunft muss erwiesen sein.

 

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