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Oberösterreich

Schon zwei Tote nach Zeckenbissen im Innviertel: Ärzte raten zur Impfung

Von Roman Kloibhofer und Lisa Penz   02. August 2018 00:04 Uhr

Schon zwei Tote nach Zeckenbissen im Innviertel: Ärzte raten zur Impfung
Heuer ist ein ganz besonders starkes Zeckenjahr, die Zahl der FSME-Erkrankungen nach Zeckenbissen ist hoch.

BRAUNAU / RIED. Allein am Krankenhaus Ried wurden 2018 schon elf Fälle von FSME diagnostiziert

Zwei Tote nach Zeckenbissen sind im Innviertel zu beklagen. Das bisher letzte Opfer ist ein 65-jähriger Mann aus dem Bezirk Braunau, der vergangenen Donnerstag an Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) nach einem Zeckenbiss verstorben ist. Erst wenige Wochen zuvor war ein ebenfalls männlicher Patient aus dem Innviertel an der Viruserkrankung gestorben.

Er ist heuer bereits der vierte Tote nach einem Zeckenbiss in Österreich. 84 Erkrankungen wurden bis Ende Juli in Österreich registriert, 39 Fälle davon in Oberösterreich, heißt es seitens der Abteilung Gesundheit des Landes OÖ. Im gesamten Jahr 2017 waren in Oberösterreich 38 Fälle von FSME diagnostiziert worden. Schon jetzt sei damit klar, dass es heuer besonders viele Erkrankungen gebe, sagt Elisabeth Bischof von der Abteilung Gesundheit.

Eine der am stärksten von FSME-Erkrankungen betroffenen Regionen ist das Innviertel. Elf Fälle wurden im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried in den vergangenen Wochen diagnostiziert, wie Pressesprecherin Ulrike Tschernuth auf OÖN-Anfrage bestätigt. "Die Erkrankung ist bei einigen Patienten sehr schwer verlaufen", sagt sie.

Nur eine Impfung schützt

Die Häufung von Infektionen sei auffallend: "Es scheint, dass im Innviertel besonders viele Zecken vorkommen, die das FSME-Virus übertragen." Eine FSME-Impfung sei der einzig wirksame Schutz, sagt der Leiter der Neurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried, Primar Andreas Kampfl. Dadurch sei man zu 99 Prozent vor einer Erkrankung an FSME geschützt (siehe Interview nebenan). Klinisch relevante Impfkomplikationen seien bei gesunden Menschen weitgehend auszuschließen, sagt Kampfl.

Grundsätzlich sind für einen kompletten Impfschutz drei Teil-impfungen erforderlich. "Geimpft wird beim Hausarzt, die Kosten sind privat zu tragen und der Impfstoff muss in der Regel selbst in der Apotheke besorgt werden", sagt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer.

Alle der im Krankenhaus Ried behandelten Personen seien übrigens "nicht oder nicht korrekt geimpft" gewesen, sagt Pressesprecherin Ulrike Tschernuth. "Nicht korrekt" bedeute, dass zwischen den Teilimpfungen bzw. zwischen den Auffrischungsimpfungen zu lange Zeitintervalle liegen. Mediziner empfehlen, dass man seinen Impfstatus überprüfen lassen sollte, wenn der Abstand zu den ersten beiden Teilimpfungen länger als zehn Jahre betrage.

Eine besondere Tragik birgt der jüngste Todesfall in sich: Jener 65-Jährige aus dem Bezirk Braunau, er war Geschäftsführer eines Innviertler Unternehmens, war erst vor wenigen Wochen – am 1. Juli – in Pension gegangen.

Das Risiko, an FSME zu erkranken, ist heuer besonders groß
Zecken-Forscher Franz Rubel

Das Risiko, an FSME zu erkranken, ist heuer besonders groß

Heuer sei ein starkes Zeckenjahr – das sagen Forscher der Veterinärmedizinischen Uni in Wien.

Gemeinsam mit einem Forscherteam aus München haben sie ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem genaue Vorhersagen möglich sind. Demnach sei heuer das Risiko, durch Zeckenbisse an FSME zu erkranken, besonders groß. „Für dieses Jahr konnten wir damit schon Ende Februar die höchste je beobachtete Zeckendichte vorhersagen“, sagt Franz Rubel vom Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Wien.

Durch den vergleichsweise milden Winter und die darauffolgenden warmen Frühlings- und Sommermonate sind die Zecken heuer früher als sonst aktiv. Außerdem sei heuer ein „Buchenmastjahr“. Dadurch gebe es auch mehr Wild- und Nagetiere, die als ideale Wirtstiere für die Zecken gelten. Auch das trage zur markanten Populationserhöhung bei.

Mediziner raten daher nicht nur zur Impfung gegen das FSME-Virus. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper auf Zecken absuchen. Denn je rascher eine Zecke entdeckt und nach einem Biss entfernt wird, umso geringer sei die Gefahr, etwa an Borreliose zu erkranken. Gegen diese Infektion, die auch durch Zecken übertragen wird, gibt es nämlich keinen Impfschutz.

 

3 Fragen an Andreas Kampfl

Leiter der Abteilung Neurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried.

Der Neurologe weist darauf hin, dass auch jetzt noch Zecken-Impfungen möglich sind.

Welche Symptome deuten auf eine FSME-Erkrankung hin, und wie ist der typische Krankheitsverlauf?

Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: In der ersten Phase klagen die Patienten über Allgemeinbeschwerden wie Temperaturanstieg – meist unter 39 Grad –, Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Husten und Schnupfen. Nach einer meist beschwerdefreien Zeitspanne von maximal acht Tagen zeigen sich jene Symptome, die den Befall des Nervensystems signalisieren. In 25 Prozent der Fälle kommt es zu einer isolierten Gehirnhautentzündung (Encephalitis) mit Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheue und Übelkeit.

Welche Behandlungsmöglichkeiten für FSME gibt es?

Eine spezifische Behandlungsform gibt es nicht. Daher können nur die Symptome in Form von Fiebersenkung, Schmerzbekämpfung und neurologischer Rehabilitation behandelt werden. Die Impfung gegen die FSME ist der einzig wirksame Schutz. Die geimpfte Person ist zu 99 Prozent vor der Erkrankung und deren Folgen geschützt.

Ist eine Impfung gegen FSME auch jetzt noch möglich?

Ja, die Impfung ist jederzeit möglich.

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