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Oberösterreich

"Schau, da fehlt schon ein Eckerl von der Sonne!"

Von Alfons Krieglsteiner   21. März 2015 00:05 Uhr

So erlebten wir die Sonnenfinsternis

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LINZ. Partielle Sonnenfinsternis zog gestern Oberösterreich in Bann – OÖN-Lokalaugenschein auf dem Linzer Freinberg.

Wie Kanonenrohre sind die Okulare der Teleskope auf die Sonne gerichtet. Zehn Stück haben die Mitglieder der Linzer Astronomischen Gemeinschaft vor dem Kuppelbau der Kepler-Sternwarte auf dem Freinberg aufgestellt. Um jedes scharen sich schon die Besucher. Es ist Freitag, der 20. März 2015. Frühlingsanfang. Keine Wolke am Himmel. Um 9.38 Uhr schaut Hobby-Astronom Gerald Maschek durchs Teleskop. Ein kurzer Blick, ein zweiter, dann hat er sich vergewissert: "Da fehlt schon ein Eckerl von der Sonne!", sagt er zu seiner fünfjährigen Tochter Magdalena, die dem Papa voll Neugier zuschaut. Die partielle Sonnenfinsternis hat begonnen.

9.50 Uhr: Christoph Zaunmüller (21) aus Linz hat sich auf der Balustrade der Kuppel postiert. Er kippt das Visier der abdunkelnden Schweißerbrille nach unten und betrachtet das strahlende Gestirn. "Jetzt ist der Mond schon weiter drin!", sagt er. Von rechts legt er seinen Schatten über die Sonnenscheibe. 15 Prozent der Sonne sind jetzt verschwunden.

10.08 Uhr: Schon ein Viertel der Sonne hat der Mond "weggefressen". Immer neue Besucher bahnen sich den Weg über die steile Treppe hinauf zur Kuppel und warten in langer Reihe, bis sie auch einen Blick durch das große Linsenfernrohr werfen dürfen, das mit seiner Brennweite von 1,2 Metern die "Eklipse" (= Sonnenfinsternis) in 50-facher Vergrößerung abbildet.

10.20 Uhr: Auf der Wiese vor der Kuppel schaut Ruben Ruiz (37), ein in Linz lebender Spanier, gebannt in einen Pappkarton, den er nach Internet-Anleitung zur Lochkamera umfunktioniert hat. Durch ein winziges Loch gelangt das Licht hinein und bildet auf einer Folie am Kartonboden die Sonne ab. Nur noch die Hälfte ist von ihr übrig.

10.32 Uhr: Das Tageslicht erscheint plötzlich gedämpft, "wie wenn ein Wolkerl über der Sonne läge", sagt Gottfried Zeindlinger, eines der dienstältesten Mitglieder der Astronomischen Gemeinschaft. Obmann Herbert Raab kontrolliert den Fotoapparat an seinem Privatteleskop, justiert alles nach: Gleich ist es so weit!

10.43 Uhr: Die Sonne steht jetzt wie eine schmale Diamantbrosche am Himmel – das Maximum der Verdunkelung ist erreicht. Das Licht wird fahl und bleiern, ein Frosthauch liegt in der Luft. Deutlich zeichnet sich beim Blick durchs Teleskop der leicht gezackte Rand des Mondes auf dem gleißenden Rest der Sonnenscheibe ab.

10.53 Uhr: Herbert Raab krümmt Zeigefinger und Daumen: Wie durch ein Okular fällt das Licht durch die Öffnung auf seine Handfläche und hinterlässt dort das Bild der Sonne, die sich langsam dem Zugriff des Mondes entzieht. Taghell ist es wieder geworden: Der magische Moment ist vorbei.

 

Zitate zur Sonnenfinsternis

"In meiner Heimat Sardinien habe ich eine totale Sonnenfinsternis erlebt, da will ich auch hier dabei sein.“
Carla Pinna, (28), die Italienerin arbeitet als Sprachtrainerin in Linz

„Es ist faszinierend, wenn man sich die gigantischen Dimensionen dieses Ereignisses bewusst macht.“
Gerald Maschek, (35) aus Ternberg, Voest-Angestellter und Hobby-Astronom

„So etwas muss man einfach gesehen haben. Nur komisch, dass so wenige auf die Idee mit der Schweißerbrille gekommen sind!“
Christoph Zaunmüller, (21), FH-Student aus Linz

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