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Oberösterreich

Rettung ließ Demenzkranken vor Wohnungstür stehen

Von Alfons Krieglsteiner   08. Oktober 2016 00:04 Uhr

Rettung ließ Demenzkranken vor Wohnungstür stehen
Schwere Vorwürfe gegen Rotkreuz-Sanitäter erhebt die Gattin eines Alzheimerpatienten.

LINZ. 72-Jähriger irrte daraufhin in der Nacht fünf Stunden durch Linz.

Schwere Vorwürfe gegen das Rote Kreuz erhebt eine 69-jährige Linzerin: Die Sanitäter hätten ihren alzheimerkranken Gatten nach dem Rücktransport vom Spital mitten in der Nacht einfach sich selbst überlassen.

Fünf Stunden irrte der 72-jährige Bernd T. in der kalten Nacht durch die Altenberger Straße, ehe Polizisten den desorientierten Mann 400 Meter von seiner Wohnung entfernt entdeckten. "Dass sich alles so ergeben hat, ist natürlich nicht in unserem Sinn", sagt Rotkreuz-Sprecher Stefan Neubauer. Doch T. habe gegenüber den Sanitätern darauf bestanden, "dass sie ihn allein lassen". Von seiner Demenzerkrankung hätten sie nichts gewusst, er habe auf sie "vollkommen klar" gewirkt.

"Stimmt, in der Hektik habe ich zu erwähnen vergessen, dass Bernd ein Alzheimer-Patient ist", sagt seine Gattin: Am Dienstag gegen 20.40 Uhr war der betagte Mann, der schon einmal einen Schlaganfall erlitten hatte, in seiner Wohnung im dritten Stock zusammengebrochen. Er wurde zu den Barmherzigen Brüder gebracht. Den Sanitätern habe sie seine Medikamentenliste mitgegeben "und für den Notfall meine Telefonnummer", sagt die Frau.

Eine Nacht im Freien

Nach drei Stunden wurde Bernd T. aus dem Spital entlassen, das Rote Kreuz brachte ihn heim. Da hatte sich seine Gattin längst schlafen gelegt: "Ich dachte, er ist im Spital gut versorgt." Die Sanitäter begleiteten ihn zur Tür, doch die hatte sie aus Angst vor Einbrechern fest verriegelt. "Er hat geklopft und geläutet, aber niemand hat sich gerührt", berichtet Neubauer.

Dennoch habe der alte Herr die Rettungskräfte heimgeschickt. Doch nach zwei Stunden stand er immer noch vor der verschlossenen Tür. Ein Nachbar rief erneut das Rote Kreuz – und einen Schlüsseldienst. "Vor dessen Eintreffen hat Herr T. aber unsere Kollegen wieder weggeschickt", sagt Neubauer. Dem Schlüsseldienst soll es dann nicht gelungen sein, das Sicherheitsschloss zu öffnen. Er fuhr wieder weg.

Nur in Pyjama und Schlapfen irrte der Senior danach durch Urfahr. Erst gegen 8.15 Uhr konnte ihn seine Gattin wieder in die Arme schließen. 20 Minuten später brachte ihn der Samariterbund in den MedCampus III des Kepler-Uniklinikums. Zum Glück hat er alles weitgehend unbeschadet überstanden.

Sie habe sich beim Roten Kreuz beschwert, "aber niemand hat mich zurückgerufen", kritisiert Frau T. "Ich habe kurz mit der Dame gesprochen, jetzt warten wir noch auf eine Stellungnahme von den ‘Brüdern’", sagt Christian Bayer vom RK Linz. Seine Lehre aus dem Vorfall: "Wir müssen die Abläufe bei der Übergabe von Patienten weiter verbessern."

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