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Oberösterreich

René Kaiser: Baywatch des ältesten Arbeiterbades

Vergangene Woche rettete Bademeister René Kaiser gleich zwei Kleinkinder.

"Das Wasser ist kein feindliches Element. Ich bitte daher alle Eltern, dass sie ihren Kindern möglichst früh das Schwimmen beibringen." - René Kaiser, Bademeister der Steyrer Schwimmschule Bild:

Die Seniorenrunde, die jeden Sonnenscheintag in der Steyrer Schwimmschule verbringt, tippelte Karten bei einem Bauernschnapser. Alles friedlich ringsum, Kinder planschten im Wasser, Leute ließen die Füße über den Beckenrand ins 22 Grad kühle Nass baumeln. Da hechtete plötzlich an den Stammgästen vorbei ein Schatten ins Wasser. Sekunden später tauchte René Kaiser mit einem kleinen Buben am Arm auf, der Wasser spuckte und um Luft rang. Wenige Tage davor hat der Bademeister ein Mädchen aus dem Wasser gerettet, und wieder hatte keiner der Badenden den drohenden Ertrinkungstod des Kindes bemerkt. Nur Kaiser, der mit Adleraugen über die Wasseroberfläche schweift.

„Es ist höchst an der Zeit“, meinte die Altherrenrunde, dass die Zeitung einmal etwas über „ihren“ Bademeister schreibt. Und auch Gerhard Bremm, Alt-Vizebürgermeister und Obmann des Trägervereines des ältesten Arbeiterbades, nennt die Bestellung des Sportlers, der keinen Alkohol trinkt und nicht raucht, „einen Goldgriff“.

Für René Wagner, dem ob seiner Bescheidenheit jede Wichtigtuerei fremd ist, gehören die Lebensrettungen zum Job dazu wie Chlor in das Brunnenwasser zu streuen – weitaus weniger nötiges Desinfektionsmittel übrigens als in anderen Freibädern wegen der kühlen Temperatur. Wenn der 31-Jährige den Mund aufmacht, dann für einen Appell an die Eltern: „Bitte lernt euren Kindern früh das Schwimmen!“. Damit befindet sich Wagner ganz an den Wurzeln des Bades im Steyrer Wehrgraben. Fabriksherr Josef Werndl hat es gegründet und „Schwimmschule“ genannt, damit seine Arbeiter und deren Kinder in der Stadt der Flüsse sich selber an die Ufer retten können. Der Bademeister, der die Gabe besitzt, alleine mit geeigneten Worten für Ordnung im Bad zu sorgen, hilft wie sein Vorgänger – sein Vater, den alle ehrfurchtsvoll „Kaiser Franz“ nennen – Eltern gerne mit Ratschlägen, dass die Kinder die lebensrettenden Tempi lernen. Denn alles kann nur der liebe Gott sehen, nicht aber auch der beste Bademeister.

 

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Artikel Hannes Fehringer 06. August 2018 - 00:04 Uhr
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