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Oberösterreich

"Nicht den erstbesten Job nehmen, der Ihnen angeboten wird"

Von Ulrike Rubasch/Herbert Schorn   18. März 2015 00:04 Uhr

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Bild 1/16 Bildergalerie: OÖN-Karriereforum 2015

LINZ. Großes Gedränge herrschte gestern, Dienstag, beim Karriereforum 2015 im Kaufmännischen Verein, das die OÖNachrichten gemeinsam mit den Salzburger Nachrichten gestern in Linz zum fünften Mal veranstalteten.

Auch wenn oft die Zeit besonders für Berufseinsteiger zu drängen scheint, raten Personalexperten, mit Bedacht vorzugehen. "Nehmen Sie nicht gleich den erstbesten Job, der angeboten wird", sagte Personalberater Manfred Webersdorfer von Hill International bei der Podiumsdiskussion.

Das eigene Profil sollte mit den Vorstellungen des Unternehmens zusammenpassen. "Wenn hohe Leistung gefordert ist, muss ich mich fragen: Bin ich bereit dazu?" Auch Peter Weixelbaumer, Leiter der Werkskommunikation bei BMW Steyr, rät, sich den ersten Job gut zu überlegen. "Wenn man leichtfertig Ja sagt, ist das oft eine gewisse Hypothek für das Berufsleben. Viele bleiben hängen, auch wenn sie eigentlich etwas anderes machen wollten."

Freilich kann man später den Job wechseln, doch "mit kuriosen Sprüngen im Lebenslauf ist man meist nicht erfolgreich", sagt Webersdorfer. Es brauche einen stringenten Lebenslauf. EINmal funktioniere ein radikaler Wechsel – aber nicht mehrmals.

Richtungswechsel ist auch schon vor dem Berufseinstieg ein Thema, berichtete die Vize-ÖH-Vorsitzende der JKU, Stefanie Hauser, die selbst von einer technischen Grundausbildung auf ein wirtschaftliches Studium umgesattelt hat. "Viele Erstsemestrige kommen zu unserer Beratung, die wir gemeinsam mit dem Wifi anbieten, weil sie mit ihrem Studium nicht zufrieden sind und ihnen der Mut fehlt, zu wechseln."

Wie sehen das die Arbeitgeber, wenn jemand wechselt? Webersdorfer: "Wenn es gar nicht passt, sollte man abbrechen, sonst es aber durchziehen!"

Wichtig sei, schon während des Studiums Berufserfahrung zu sammeln, und zwar in dem Bereich, wo man später arbeiten will.

Lebenslanges Lernen war ein wiederkehrendes Schlagwort auf der Karrieremesse. "Weiterbildung ist ein wesentlicher Faktor für die Karriere", sagte auch Michael Roither, Kommunikationsexperte an der Donau-Universität Krems. Man solle sich aktiv um Weiterbildung bemühen, "nicht erst dann, wenn etwas fehlt oder der Job verloren geht". Wichtig sei, sich zu fragen: "Habe ich alle Fähigkeiten für meinen Traumjob? Kann ich alles, was ich können will? Und: Wie zukunftsfähig sind meine Fertigkeiten?"

„Es hat sich ausgezahlt, dass ich hergekommen bin“

Julia Strasser hat in Steyr, Graz und Mexiko studiert und gearbeitet. Im Sommer schließt die Linzerin ihr englischsprachiges Wirtschaftsstudium an der Fachhochschule Graz ab. Doch wie kommt sie nun an einem guten Job? Die 27-Jährige nutzte gestern das Karriereforum im Palais Kaufmännischer Verein.
Mehr als 40 Unternehmen informierten dort über offene Stellen und Ausbildungsprogramme, Experten hielten Workshops und Vorträge. Innerhalb kurzer Zeit konnte Strasser mehrere verheißungsvolle Gespräche führen: „Man lernt verschiedene Firmen kennen und erfährt, wo Jobs ausgeschrieben sind.“ Sie schätzt den persönlichen Kontakt: „Damit ist eine Basis gelegt. Das ist besser, als nur Lebensläufe zu verschicken.“
Auch Haris Sakic ist auf Jobsuche. Der Absolvent einer wirtschaftlichen Fachschule erhielt bei seinen Bewerbungen bisher nur Absagen. „Alle wollen Praxiserfahrung“, schimpft der 20-Jährige. „Aber niemand gibt dir eine Chance.“ Beim Karriereforum gibt es den ersten Lichtblick: Gleich zwei Firmen haben Interesse an dem jungen Mann aus Alkoven gezeigt.

Hilfe beim Lebenslauf

Die Aussteller wiederum freuen sich über die bunte Mischung des Publikums. „Es kommen Schüler, Quereinsteiger, Akademiker“, sagt Dagmar Raab, Personalentwicklerin bei der Sparkasse. „Ein solches Spektrum findet man sonst kaum bei Jobmessen.“ Das bringt Erfolg: Die beim Karriereforum angebahnten Bewerbungen führten schon zu mehreren Anstellungen.
Daran wird im Gelben Saal noch gefeilt. Experten des WIFI helfen dabei, Lebensläufe auf Vordermann zu bringen. Besonders ärgerlich seien floskelhafte Formulierungen, sagt Hubert Lehenbauer, der nicht nur Trainer im WIFI, sondern auch Personalchef bei Rübig ist: „Wörter wie flexibel, zuverlässig oder teamfähig kann kein Personalverantwortlicher mehr hören.“ Er rät zur ehrlichen Beschreibung der eigenen Fähigkeiten.
Die kennt Maximilian Schappelwein schon genau. Der HTL-Absolvent aus Mondsee will einen Montage-Job im Ausland. Die Infos vom Karriereforum helfen ihm dabei. „Ich habe hier sehr gute Auskünfte bekommen“, sagt der 21-Jährige. „Es hat sich ausgezahlt, dass ich hergekommen bin.“

 

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