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Oberösterreich

Nach Injektion in Linzer Arztpraxis mussten Frauen in die Notaufnahme

Von Von Erik Famler   17. Dezember 2010 00:04 Uhr

Nach Injektion in Linzer Arztpraxis mussten Frauen in die Notaufnahme
Ein Linzer Allgemeinmediziner soll Sabine Schmidt eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht haben.

LINZ. Ohne sie vorher zu untersuchen, soll ein praktischer Arzt aus Linz am Montag zwei Frauen einen vermutlich mit einem Beruhigungsmittel angereicherten Vitamin-B-Cocktail gespritzt haben. Beide Freundinnen liegen seither im Spital. Dem Arzt droht nun ein Strafverfahren.

„Ich bin noch immer ganz benommen und habe extreme Erinnerungslücken“, sagt Sabine Schmidt. Den für heute geplanten Abflug zu einer Städtereise nach London musste sie stornieren. Die Ärzte des Elisabethinen-Spitals rieten ihr davon dringend ab. „Ich habe noch immer zu viel Valium in meinem Körper“, ist die 22-Jährige traurig. Zwei Zimmer weiter liegt ihre Freundin, mit der sie am Montagabend den in einem Linzer Einkaufszentrum praktizierenden Homöopathie-Arzt (Name der Redaktion bekannt) aufsuchte: „Gabi leidet an einer Wirbelsäulenentzündung. Gegen ihre Kreuzschmerzen lässt sie sich seit Jahren mit Vitaminspritzen behandeln. Sie hat gemeint, danach sei man ganz relaxt. Das hat mich neugierig gemacht. Ich habe mich deshalb entschlossen, es gemeinsam mit ihr auszuprobieren.“

Ohne Sabine Schmidt – die übrigens kerngesund ist – zu untersuchen, soll ihr der Mediziner die erste Spritze gesetzt haben: . „Weil ich davon nicht müde wurde, gab er mir eine weitere Injektion. Als ich benommen wurde, hat er mir auch noch eine dritte Spritze gegeben. Sie war angeblich eine Kalziumlösung.“ Die 22-Jährige Büroangestellte fiel in einen tiefen Schlaf, von dem sie erst fünf Stunden später erwachte: „Es waren zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Arzthelferin und meine Freundin in der Ordination. Mit ihr bin ich dann nach Hause gefahren und sofort wieder eingeschlafen.“

Noch immer schwer benommen, ging Sabine Schmidt am nächsten Tag ins Büro: „Dann setzt bei mir die Erinnerung aus. Meine Mutter, die in derselben Firma arbeitet, hat mich noch in der Früh in die Notaufnahme gebracht. Ich fühlte mich wie im Drogenrausch. Mein Arm war bis zum Ellbogen blau angeschwollen.“

Die Ärzte im Spital der Elisabethinen diagnostizierten eine Überdosis Beruhigungsmittel. Noch gestern plagten sie Schwindelgefühle. „Meine Freundin, der ja nur eine Spritze verabreicht wurde, hat ähnliche Symptome. Sie ist vor allem psychisch schwer angeschlagen.“

Gegen den praktischen Arzt will Sabine Schmidt in den nächsten Tagen Anzeige erstatten. Die Vorwürfe seiner Patientinnen wollte der Homöopath nicht kommentieren.

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