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Oberösterreich

Mühlviertler demonstrierten gegen Stromleitung

HIRSCHBACH BEI FREISTADT. Ein Erdkabel statt einer Freileitung wollen die Mühviertler zwischen Freistadt und Rohrbach durchsetzen.

Mühlviertler demonstrierten gegen Stromleitung

Zentrale Forderung ist die Änderung des Stromwegegesetzes und die Verlegung eines Erdkabels. Bild: Erwin Pramhofer

Die meisten kamen aus dem Bezirk Freistadt. Aber auch aus anderen Teilen des Mühlviertels und sogar aus Wien sind am Samstagnachmittag auf dem Gelände des Flugplatzes in Guttenbrunn/Hirschbach hunderte Personen jeden Alters zusammengekommen. Sie alle einte der Protest gegen die geplante 110-kV-Freileitung durch das Mühlviertel. Mehr als 150 Fahrzeuge - Autos, Traktoren und Motorräder - sowie rund 200 Wanderer und Radfahrer sind dem Aufruf der "IG Landschaftsschutz Mühlviertel" gefolgt, um mit einer friedlichen Demonstration ein Umdenken der politisch Verantwortlichen in Linz zu erreichen.

Derzeit ist die Errichtung einer Freileitung von Rohrbach bis Bad Leonfelden (Umspannwerk Langbruck) und von dort weiter bis Rainbach/Mkr. in mehreren Korridorabschnitten geplant. Die "IG Landschaftsschutz" hat eine zentrale Forderung: Sie wünscht sich eine Verlegung der Stromleitung unter der Erde, um die Natur und das Landschaftsbild möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen.

Schneise durch die Landschaft

"Ein unter der Freileitung freizuhaltender Schutzstreifen von 44 bis maximal 60 Meter würde eine gewaltige Schneise in das Mühlviertel graben", mag sich IG-Proponentin Tanja Lette das zu befürchtende Landschaftsbild erst gar nicht ausmalen. Landeshauptmann Thomas Stelzer dürfte in den nächsten Tagen viel Post aus dem Mühlviertel bekommen: Nahezu jeder Teilnehmer der Hirschbacher Veranstaltung unterzeichnete eine Petition, die an Stelzer persönlich gerichtet ist und in der mit dem Bau einer Erdleitung eine richtungsweisende Entscheidung für die nächsten Generationen gefordert wird. Von den OÖNachrichten auf das Thema angesprochen, verweist der Landeshauptmann auf die derzeit geltende Gesetzeslage. "Hinzu kommt natürlich auch die Kostenfrage. Und wir können nicht einfach im Mühlviertel eine Ausnahme machen und im Almtal sowie im Innviertel wie geplant bauen", begründet der Landeshauptmann sein vorläufiges Festhalten an der Freileitungsvariante.

Den immer wieder angeführten Kostenfaktor lassen die Landschaftsschützer jedoch nicht gelten, sie verweisen auf eine Studie des deutschen Bundesumweltministeriums, in der festgehalten wird, dass die Kosten einer Erdleitung nicht wesentlich höher wären als die Errichtung und Wartung einer Freileitung.

"Kosten werden überschätzt"

"Bei der Freileitung müssen in den Schutzbereich hineinwachsende Bäume immer wieder geschnitten oder gefällt werden, ein immenser Flurschaden", sagt Lette, die auch darauf hinweist, dass in Zeiten immer häufiger auftretender Sturmböen die Erdleitung sicherer wäre. Auch der Energieverlust wäre unter der Erde nicht so groß wie bei der Freileitung.

 

„Ein Erdkabel ist einfach der letzte Stand der Technik“

 

So mancher Besucher der Demo am Hirschbacher Flugplatz nutzte die Gelegenheit zu einem Rundflug, um sich ein Bild von der geplanten Trassenführung zu machen. Politiker von SPÖ, FPÖ und den Grünen waren zwar anwesend, ergriffen aber nicht das Wort, man wollte sich das Anliegen vor Ort nicht politisch vereinnahmen lassen.

Am Ende der offiziellen Veranstaltung wurde mit der Landeshymne die Schönheit der Heimat besungen. Die Besucher waren sich einig, dass eine Freileitung das Landschaftsbild des Mühlviertels nachhaltig zerstören würde.

 

"Mit der geplanten Freileitung würde unsere schöne Mühlviertler Landschaft zerstört. Es wird zu viel Raum benötigt.“
Manfred Voit, Gegner

 

"Als Hobbypilot fliege ich den Flugplatz oft an. Da bedeutet die Freileitung schon erhebliche Einschränkungen für einen kleinen Flugplatz, wo man auf Sicht fliegen muss.“
Ludwig Kiesenhofer, Pilot

 

"Ein Erdkabel ist schlicht und einfach der letzte Stand der Technik. Die Mehrkosten sollten uns die Landschaft wert sein.“
Jürgen Scherb, Techniker

 

"Die Natur bleibt völlig unberücksichtigt, obwohl es auch anders ginge. Mir geht es um den Erhalt der Landschaft für die nächste Generation.“
Tanja Lette, IG-Landschaftsschutz

 

 

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Artikel Michael Polzer 10. September 2018 - 00:04 Uhr
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