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Oberösterreich

Mönche in Kremsmünster sollen Zöglinge geschlagen und missbraucht haben

LINZ/KREMSMÜNSTER. Drei Patres des Benediktinerstiftes Kremsmünster stehen im Verdacht, in den 1980er-Jahren Internatsschüler missbraucht oder geschlagen zu haben. Jetzt spricht ein früherer Zögling erstmals über den erlittenen „Psychoterror“. Der Hauptbeschuldigte dementiert die Vorwürfe.

Kremsmünster Missbrauch

Kremsmünster Missbrauch Bild: colourbox/foto-kerschi/lb

„Ich habe bisher die Vorfälle verschwiegen. Doch jetzt ist es an der Zeit, der Scheinheiligkeit in der katholischen Kirche entgegenzutreten“, sagte ein früherer Schüler des Stiftes Kremsmünster gestern den OÖN.

Sehr konkret schildert der Oberösterreicher, der anonym bleiben möchte, sexuelle Übergriffe eines Geistlichen. „Wenn man im Speisesaal zu laut war, läutete Pater A. mit einer Glocke. Der Betroffene musste sich neben ihn hinknien. Dann drückte und rieb Pater A. den Kopf des Schülers fest in seinen Schoß. Mit der anderen Hand holte er weit aus und gab ihm eine sehr heftige Ohrfeige. Manchmal zog er aber auch die Hand kurz davor zurück und streichelte dem Betroffenen über sein Gesicht. Das war alles sehr erniedrigend.“ Seine Opfer seien vorwiegend jüngere Schüler aus der Unterstufe gewesen.

Der heute knapp über 40 Jahre alte Ex-Zögling besuchte vier Jahre lang die Klosterschule und das angeschlossene Internat. Derartige Übergriffe seien keine Einzelfälle gewesen. Ein weiterer sexueller Missbrauch sei ihm ebenso in Erinnerung: „Ich habe beobachtet, wie ein Geistlicher seinen Kopf zwischen die Füße eines Mitschülers gedrückt hat.“ Ein anderes Mal soll ein Pater seine Hand in die Pyjamahose eines Internatschülers geschoben haben.

Das mutmaßliche Opfer, dessen Namen den OÖN bekannt ist, berichtet ebenso von Prügel-exzessen zweier Mönche. „Pater L. hat uns Schülern regelmäßig für geringste Vergehen mit einem schweren Schlüsselbund auf den Kopf geschlagen. Manchmal drückte er uns diesen auch nur fest in das Genick. Es hat aber immer sehr weh getan“, sagt der frühere Schüler. Besonders brutal sei Pater N. vorgegangen. „Um uns zu züchtigen, nahm er das Kabel eines Overhead-Projektors und drosch damit auf uns ein.“

Fürs Zuspätkommen habe es drakonische Strafen gesetzt. „Wir wurden dann abgewatscht und mussten drei Wochen lang in der Freizeit bis Mitternacht lateinische Enzyklopädien abschreiben und übersetzen.“

Der Abt des Stiftes, Ambros Ebhart, will den geäußerten Vorwürfen nachgehen. Von manchen Gerüchten habe er gehört, allerdings: „Mir persönlich ist da nichts gesagt worden.“ (Siehe Interview unten).

Der sexueller Übergriffe beschuldigte Pater A. bestreitet die Vorwürfe: „Reiner Unsinn. Das hat er sich nach 30 Jahren schön zusammengereimt.“ Er könne sich „konkret“ an nichts erinnern: „Ich würde schon sagen, ich schließe es aus.“

In einer schriftlichen Stellungnahme der Diözese Linz heißt es dazu: „Die Vorwürfe werden in eine diözesane Kommission eingebracht. Das Opfer wird gehört, die Täter damit konfrontiert... Tauchen strafrechtliche Gegebenheiten auf, werden Schritte in die Wege geleitet.“ Eine restlose Aufklärung derartiger Fälle sei auch im Interesse der Kirche.

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Artikel Von Gerhild Niedoba 11. März 2010 - 00:04 Uhr
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